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„Das Mercure ist nicht defizitär“

OB Marco Müller reagiert auf Kritik des Rechnungshofs. Riesa mache nichts anderes, als der Freistaat selbst.

Blick vom Dach des Mercure. Laut Bild-Zeitung macht das Haus neben dem Riesenhügel seit Jahren „riesige Verluste“.
Blick vom Dach des Mercure. Laut Bild-Zeitung macht das Haus neben dem Riesenhügel seit Jahren „riesige Verluste“. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Mit einer klassischen Boulevard-Überschrift hat es Riesa jetzt in die Bild-Zeitung geschafft: „Steuerzahler blecht für Hotel, was total Miese macht“. Dabei geht es um das Hotel Mercure, das von einer städtischen Tochtergesellschaft betrieben wird – woran der Rechnungshof Kritik übt.

Laut Bild macht das Haus neben dem Riesenhügel seit Jahren „riesige Verluste“. Die SZ hat dazu mit OB Marco Müller (CDU), Stadtwerkechef René Röthig und Roland Ledwa, Chef der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR), gesprochen.

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Herr Müller, warum leistet sich Riesa mit Mercure und Riesenhügel einen zuschussbedürftigen Gebäudekomplex?

Müller: Vielleicht vorab: 2018 betrug das Defizit der Magnet GmbH, die auch unser Freibad und die Schwimmhalle betreibt, knapp 80.000 Euro. Wir als Stadt haben uns mit Arena und dem Riesenhügelkomplex immer dazu bekannt, unsere Stadt attraktiv für Einwohner und Gäste zu machen.

Übrigens ist das keine Riesaer Besonderheit – auch andere Kommunen im ländlichen Raum verfahren so. Selbst der Freistaat leistet sich solche zuschussbedürftigen Angebote, ich denke nur an das Staatsweingut, das Landesgestüt und die Porzellanmanufaktur. 

Wir sind zu dem Thema schon länger mit der Rechtsaufsicht im Gespräch – und optimistisch, einen guten Weg zu finden. Wir wollen eine zukunftsfähige Lösung im Sinne der Stadt, die auch den etwa 50 Mitarbeitern über 2028 hinaus weiter langfristig eine Perspektive gibt.

Wie kam es überhaupt zu dem Vertrag?

Ledwa: Das Hotel war Mitte der 90er insolvent. In Verbindung mit dem Konzept Sachsenarena erwarb 1998 die WGR Haus und Grundstück im Zuge der Zwangsversteigerung, ließ das marode Haus der Stahlwerker abreißen und 1999 dort den Riesenhügel bauen. Das Hotel selbst wurde saniert im März 1999 wieder eröffnet. Drei Jahre später wurde der Betrieb ausgeschrieben und Makler damit angefragt. Die fanden aber keinen Interessenten.

Aber die Bar „Panama Joe“ war doch zeitweise verpachtet?

Ledwa: Ja, aber der private Pächter gab nach einem Jahr auf. Man muss die Gastronomie und das Hotel ohnehin im Kontext mit der Sachsenarena sehen! Ohne das funktioniert die Veranstaltungshalle nicht.

Müller: Zur guten Auslastung tragen viele Veranstaltungen in der Arena bei. Nicht nur ZDF und der MDR buchen für ihre Veranstaltungen langfristig im Mercure, sondern demnächst zum Beispiel die Fans und Stars von Darts oder Motocross sowie die Tänzer der Weltmeisterschaft. Wenn Riesa am Konzept der Sportstadt – wie zuletzt durch den Stadtrat als Leitbild für die Stadt beschlossen – festhalten will, braucht die Stadt solche Strukturen!

Wer schreibt eigentlich die Verluste?

Müller: Defizitär ist nicht das Hotel, sondern die angeschlossene Gastronomie. Insgesamt hat sich das Minus zuletzt deutlich verringert, trotz des höheren Mindestlohns. Das ist eine beachtliche Entwicklung, die wir dem großen Engagement der Mitarbeiter verdanken.

Und wie läuft es im Hotel?

Ledwa: Die Auslastung liegt aktuell bei rund 50 Prozent. Wir haben – bei insgesamt gesunkener Einwohnerzahl – ein Plus bei den Radübernachtungen. Der größte Teil der Übernachtungen kommt aber durch die regionalen Unternehmen. Deren wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich beim Hotel wider.

Wird es einen neuen Versuch geben, einen privaten Betreiber zu finden?

Müller: Wir bleiben am Thema dran! Klar sollte aus meiner Sicht aber sein, dass es bei einer Ausschreibung um Hotel und Riesenhügel zusammen gehen muss – und dass die Werterhaltung des Objekts eine zentrale Rolle spielt.

Ledwa: Es hilft Riesa nichts, wenn ein Betreiber kommt, der nur ein, zwei Jahre Geld machen will und das Haus dabei auf Verschleiß fährt.

Röthig: Die politischen Entscheidungen über die Fortentwicklung des Komplexes obliegen den heutigen Stadträten. Die derzeitige Gestaltung haben ursprünglich ihre Amtsvorgänger 1999 nach gründlicher Abwägung entschieden.

Warum tragen die Stadtwerke überhaupt die Verluste der Magnet?

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Darf die Stadt über Tochterfirmen ein Hotel und Gaststätten betreiben? Beim Freistaat sieht man das kritisch.

Röthig: Die Stadtwerke müssen, wie jedes Unternehmen Gewinne erwirtschaften – nur mit dem Unterschied, dass von unseren Gewinnen die Bürger in Riesa profitieren. Der Komplex aus Hotel und Riesenhügel ist ein Mehrwert für Riesa, so wie auch der subventionierte Betrieb der Schwimmhalle oder die Vereinsförderung.

Müller: Wir sind froh, die Stadtwerke zu haben – um mit ihr und unseren anderen städtischen Gesellschaften die Stadt attraktiver machen zu können.

Gespräch: Christoph Scharf.

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