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Das Mitleid mit den Küken ist scheinheilig

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Das Töten männlicher Küken bleibt erlaubt. Was das für die Konsumenten bedeutet. Ein Kommentar. 

© dpa/SZ

Haben Sie schon einmal frisch geschlüpfte Hühnerküken gesehen? Flauschig, piepsig, herzwärmend niedlich – klar, dass sich da ein Beschützerinstinkt regt. Wen würde die Vorstellung, dass sie lebendigen Leibes kurz nach dem Schlüpfen geschreddert werden, nicht im Inneren erschüttern? 45 Millionen Minihähne ereignet dieses Schicksal jedes Jahr. Zum Eierlegen nicht geboren, und für unsere Ansprüche an pralle Hähnchenfilets zu schmal auf der Brust, fallen sie durchs industriell genormte Ernährungsraster. Da ist es eine Frage der Ehre, sich gegen das Massentöten auszusprechen. Oder?

In Wahrheit ist es doch so, dass Mitleid und Empörung spätestens im Supermarkt enden. Dort, wo nicht mehr die Bilder der zerstückelten Flauschbälle, sondern Preisschilder vorm Auge flirren. Es gibt Alternativen. Zum Beispiel Eier aus Bruderhahn-Betrieben, wo kleine Hähne nicht getötet, sondern mit größerem Zeit- und Futteraufwand gemästet werden. Das macht die Eier aber noch teurer als Bio-Eier. Für viele Kunden ein K.o.-Kriterium.

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Nun haben die Bundesverwaltungsrichter ein Irgendwie-Machtwort gesprochen, das den Irrsinn in nicht definierter Zukunft beenden soll. Wenn es dann mal soweit ist, werden die Küken, die nicht in die Norm passen, gar nicht mehr ausgebrütet. Und uns wird die Entscheidung zwischen Gewissen und Geldbeutel abgenommen. Noch aber bleibt das Schreddern tägliche Praxis. Wer echte Empörung über diese menschliche Anmaßung empfindet, hat jetzt schon eine Wahl.

E-Mail an Susanne Plecher

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