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Steuern: Das müssen Rentner beachten

Freibeträge, private Renten, Witwenrente: Wie sich was auswirkt, erklären Fachleute.

Viele Rentner wissen gar nicht, ob sie überhaupt eine Steuererklärung machen müssen.
Viele Rentner wissen gar nicht, ob sie überhaupt eine Steuererklärung machen müssen. © dpa

Eine 83-jährige Dresdnerin wurde jetzt vom Finanzamt aufgefordert, ihre Steuererklärungen abzugeben – ab 2013. Völlig irritiert wandte sie sich an die SZ. „Rentner müssen sich selber darüber informieren, ob sie Steuern zahlen müssen oder nicht. Aber den meisten ist das nicht bewusst“, erklärt Gabriele Kneschk, Leiterin der Beratungsstelle der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Dresden. „Das Finanzamt fordert Rentner zwar auf, ihre Steuer nachzuzahlen, aber leider nicht zeitnah.“ 

Dass das im Fall der Leserin sieben Jahre rückwirkend passiert ist, hängt mit der Festsetzungsverjährungsfrist zusammen. Geprüft werden jetzt vorrangig die Jahre 2013/2014. Kneschk rät: „Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, dann informieren Sie sich rechtzeitig und lassen sich beraten.“ Zusammen mit Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine aus Berlin und Steuerfachanwältin C. Melanie Kretschmer aus Dresden hat sie die häufigsten Fragen und Antworten notiert.

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Ab welcher Rentenhöhe muss ich eine Steuererklärung machen?

Dann, wenn der Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt. 2019 lag er für Ledige bei 9.168 Euro und für Verheiratete bei 18.336 Euro. Im Jahr 2020 beträgt er 9.408 Euro für Ledige und 18.816 Euro für Ehepaare. Diese Werte können Sie allerdings nicht unmittelbar mit Ihren Renteneinnahmen vergleichen, weil ein Teil Ihrer Rente steuerfrei bleibt. 

Außerdem wird bei der Ermittlung der Einkünfte eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro abgezogen. Auch wenn Sie mit den Einkünften über dem Grundfreibetrag liegen, heißt das aber noch lange nicht, dass Sie auch Steuern zahlen müssen. Auch bei Rentnern werden die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steuermindernd berücksichtigt. Erst wenn das danach verbleibende steuerpflichtige Einkommen den genannten Grundfreibetrag, auch steuerfreies Existenzminimum genannt, überschreitet, können Steuern anfallen. Außerdem können viele neben den Versicherungsbeiträgen weitere Ausgaben geltend machen.

Zählen auch private Renten zu den steuerpflichtigen Einkünften?

Ja. Zu den steuerpflichtigen Einkünften gehören auch die privaten Renten, Mieteinnahmen und Kapitaleinnahmen.

Wo trage ich eine Unfallrente in die Steuererklärung ein?

Unfallrenten von der Berufsgenossenschaft sind steuerfrei und deshalb gar nicht einzutragen. Weitere steuerfreie Renten sind beispielsweise Entschädigungsrenten nach bestimmten gesetzlichen Vorschriften.

Ich bin seit 2005 Rentner. Muss ich jeden Euro meiner Rente versteuern?

Seit 2005 ist ein festgelegter Anteil der Rente zu versteuern. Wie hoch die steuerpflichtige Rente ist, richtet sich nach dem Jahr des Renteneintritts. Der Besteuerungsanteil liegt bei Rentnern, die 2005 oder früher in Rente gingen, bei 50 Prozent. Das bedeutet, dass Ihre Rente lebenslang und unverändert einen steuerfreien Anteil von 50 Prozent enthält. Dieser wird nicht von der heutigen Rente berechnet, sondern von den Renteneinnahmen im Jahr 2006. Bei einem Renteneintritt 2018 beträgt der Besteuerungsanteil schon 76 Prozent, bei Renteneintritt 2019 sogar 78 Prozent. Der Freibetrag wird immer aus den Renteneinnahmen des Folgejahres berechnet.

Neben meiner Altersrente erhalte ich eine Auszahlung aus einer Pensionsversicherung. Wie wird diese versteuert?

Die Versteuerung der Auszahlung hängt von der steuerlichen Behandlung der früheren Einzahlungen ab. In der Regel erfolgte die Einzahlung aus steuerfrei gebliebenen Beiträgen, entweder aus Zuschüssen des Arbeitgebers oder aus einer Gehaltsumwandlung, die den steuerpflichtigen Bruttolohn gemindert hat. In diesen Fällen ist die Auszahlung in voller Höhe steuerpflichtig. Teilweise erfolgen Einzahlungen aber auch aus versteuertem Einkommen, beispielsweise aus einer Pauschalversteuerung. Um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden, ist die Auszahlung dann weitgehend steuerfrei. Nur ein geringer Teil an angenommenen Wertzuwächsen fließt in das steuerpflichtige Einkommen ein. Der Anteil wird genauso ermittelt wie bei Renten aus privaten, nicht geförderten Rentenverträgen. Wenn die Rentenzahlung ab dem 65. Lebensjahr erfolgt, sind beispielsweise nur 18 Prozent zu versteuern. Nach welchen Grundsätzen die Besteuerung erfolgt, muss der Versicherungsträger bei der Auszahlung mitteilen.

Ich erhalte neben meiner Altersrente noch eine Witwenrente. Werden beide Renten zusammengerechnet?

Nein. Zunächst wird der steuerpflichtige Rentenanteil für jede Rente einzeln ermittelt. Auch für die Witwenrente richtet sich der steuerpflichtige Anteil nach dem Rentenbeginn. Wenn der Verstorbene ebenfalls bereits Rente bezog, ist das Jahr seines Rentenbeginns maßgeblich für den steuerpflichtigen Anteil der Hinterbliebenenrente. Hat der verstorbene Partner beispielsweise bereits seit 2005 oder vorher Altersrente bezogen und ist er im letzten Jahr verstorben, beträgt auch der steuerpflichtige Anteil der Hinterbliebenenrente nur 50 Prozent und nicht 78 Prozent, wie es sonst bei einem Rentenbeginn 2019 üblich wäre.

Im vergangenen Jahr ist mein Mann verstorben. Bisher wurde uns gesagt, dass wir keine Steuererklärung abgeben müssen. Ändert sich das jetzt?

Möglicherweise ja, aber nicht gleich. Weil für die Besteuerung immer das Jahresprinzip gilt, werden Sie für das vergangene Jahr noch als Ehepaar steuerlich betrachtet. Aber auch für das Folgejahr gilt übergangsweise noch die Steuertabelle für Verheiratete, der sogenannte Splittingtarif. Erst im dritten Jahr, bei Ihnen also 2021, gelten Sie für das Finanzamt vollständig als Einzelperson. Weil Sie neben Ihrer Rente dann noch eine Witwenrente beziehen, kann sich anders als früher eine Steuerbelastung ergeben. Ob das bei Ihnen tatsächlich der Fall ist, sollten Sie genau prüfen lassen. Sie können sich hierüber beispielsweise von einem Lohnsteuerverein beraten lassen. Bis dahin haben Sie noch etwas Zeit, weil die Steuererklärung für 2021 erst im Jahr 2022 eingereicht werden muss.

Was kann ich als Rentner steuerlich absetzen?

Grundsätzlich dasselbe wie alle anderen Steuerzahler auch. Lediglich Werbungskosten fallen in der Regel nicht an, weil Sie ja nicht mehr berufstätig sind. Bei der Rente können jedoch auch Werbungskosten auftreten, wenn Sie einen Rentenberater oder Anwalt benötigen, um Rentenansprüche prüfen oder durchsetzen zu können. Häufige Aufwendungen sind Spenden und Kirchensteuern, Handwerkerleistungen, haushaltsnahe Dienstleistungen etwa für Gärtner oder Reinigungskraft, Zuzahlungen und andere Krankheitskosten und Hilfsmittel oder auch Pflegekosten.

Kann ich Privatrezepte absetzen?

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  • Die Leserfragen beantworteten Gabriele Kneschk von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe Dresden, Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine und Fachanwältin C. Melanie Kretschmer aus Dresden.

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