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Radebeul

Das Netflix von Radebeul

Rund 2000 Filme oder Serien lassen sich von der Stadtbibliothek kostenlos  nach Hause streamen. Voraussetzung dafür ist nur eine kleine Karte.

Um die 2.000 Filme stehen derzeit bei Filmfriend zur Auswahl, monatlich kommen rund 20 neue dazu. Vor allem Liebhaber von Klassikern und Arthouse finden gute Angebote.
Um die 2.000 Filme stehen derzeit bei Filmfriend zur Auswahl, monatlich kommen rund 20 neue dazu. Vor allem Liebhaber von Klassikern und Arthouse finden gute Angebote. ©   Norbert Millauer

Radebeul. Bei Netflix, Amazon Prime, Maxdome und Co. gucken tagtäglich Millionen Menschen weltweit Filme und Serien. Allerdings werden auf den großen marktbeherrschenden Streamingportalen vor allem große Blockbuster-Produktionen angeboten. Klassiker der Filmgeschichte und alles was üblicherweise nur für kurze Zeit in Programmkinos läuft, findet man dort so gut wie nicht.

Die gibt es dafür auf dem Portal Filmfriend, das zu den neusten Angeboten der Radebeuler Bibliothek gehört. Wer einen Bibliotheksausweis besitzt, kann ab sofort den Streamingdienst kostenfrei nutzen. Rund 2.000 Filme stehen auf der Plattform bisher zur Auswahl, jeden Monat kommen etwa 20 neue hinzu.

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Katharina Schmidt ist seit Anfang Januar die neue Leiterin der Radebeuler Bibliothek und hat gleich zugeschlagen, als sich die Möglichkeit bot, das Portal den Radebeulern zugänglich zu machen. Und auch allen anderen, die Nutzer der Bibliothek sind oder werden wollen. Auch Leute aus Coswig, Weinböhla und Dresden beispielsweise haben einen Ausweis.

Ursprünglich war Filmfriend ein Pionierprojekt der Berliner Bibliotheken, die mit Filmen und Serien außerhalb des Mainstreams bei den Nutzern punkten und mit dem Schwerpunkt auf deutsche und europäische Produktionen das liefern wollten, was bei den großen Streamingdiensten unterrepräsentiert ist. Inzwischen machen auch andere Bibliotheken deutschlandweit mit. In Sachsen bieten aber erst sechs Bibliotheken den Service an.

Die Radebeuler Bibo reagiert mit dem Angebot auf die sich ändernden Ansprüche und Wünsche der Nutzer. Denn den DVDs in den Regalen droht das, was bei den Musik-CDs schon vor Jahren passiert ist: Sie werden immer weniger ausgeliehen. Viele Leute haben schon gar keinen DVD-Player mehr zu Hause. „In Radebeul ist die Entwicklung zwar noch nicht ganz so akut, aber wir wollen dafür gewappnet sein“, sagt Katharina Schmidt. Schon Tage vorher ausleihen, kommt für viele nicht mehr infrage. „Die Leute wollen kurzfristig am Abend die Entscheidung treffen, welchen Film sie sehen möchten.“ Das Streamingportal sei dafür ein Top-Angebot.

Filmfriend liefert Klassiker wie „In 80 Tagen um die Welt“, „Die Abenteuer des Robinson Crusoe“ und „Die Söhne der großen Bärin“ von 1966 mit Gojko Mitic. Aber auch viele aktuelle Filme stehen bereit. Die Verfilmung des Romans „The Dressmaker“ mit Kate Winslet zum Beispiel, „Sushi in Suhl“ über das einzige japanische Restaurant in der DDR, Biografien von Renoir, Elvis und Klitschko. Es gibt eine große Auswahl an Defa-Filmen und sogar alte Stummfilmstreifen von Alfred Hitchcock aus den 20er-Jahren. Auch für Kinder gibt es ein breites Angebot, das von bekannten Geschichten, wie der Konferenz der Tiere und dem kleinen Muck über Neuverfilmungen von Tom Sawyer und Heidi bis zu Trickfilmen mit Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen reicht. Ebenso alte Märchenverfilmungen wie das kalte Herz von 1955 kann man streamen.

Über die Filterfunktion lässt sich sowohl nach verschiedenen Genres, vom Historiendrama bis zum Horrorfilm suchen, als auch nach Streifen aus bestimmten Jahrzehnten. Dokumentationen und Serien stehen ebenfalls zur Verfügung.

Das Angebot ist für Nutzer der Bibliothek komplett kostenlos. Auch wer sich neu in der Bibliothek anmelden möchte, zahlt nicht viel. Für Erwachsene werden einmalig 10 Euro, für Kinder 5 Euro fällig. Eine Jahresgebühr gibt es nicht. Mit seiner Ausweisnummer und dem Passwort kann man sich bequem von zu Hause, in der Bahn oder im Café anmelden. 

Die Filme sind über mobile Geräte, auf dem PC, Laptop oder Fernseher abspielbar. Letzteres benötigt ein Zusatzgerät wie Apple TV oder Chromecast. Filmfriend ist komplett werbefrei und es werden keinerlei personenbezogenen Daten beim Streamen erhoben, verspricht der Anbieter.

Für die Bibliothek hat das Streamingportal den Vorteil, dass sie ihren Nutzern damit nicht nur deutlich mehr Filme anbieten kann, sondern auch solche, die bisher aus Kostengründen nicht angeschafft werden konnten: Streifen, die eben keine großen Hollywood-Blockbuster sind und keine allzugroßen Ausleihzahlen erzielen würden.

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