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Freital

Das neue Herzstück für Freitals Glasmacher

Die neue, gewaltige Produktionshalle der Glashütte ist fast fertig. Ganz oben thront das Wichtigste.

Dort, wo Geschäftsführer Hans-Bernhard Führ (l.) und Produktionsleiter André Novak stehen, blubbert künftig eine rund 1 400 Grad Celsius heiße Glasmasse. Novak zeigt an, wie hoch sie künftig im Ofen steht.
Dort, wo Geschäftsführer Hans-Bernhard Führ (l.) und Produktionsleiter André Novak stehen, blubbert künftig eine rund 1 400 Grad Celsius heiße Glasmasse. Novak zeigt an, wie hoch sie künftig im Ofen steht. © Egbert Kamprath

Der Druck, endlich mit den Bauarbeiten fertig zu werden, ist riesig und dementsprechend ist es die Vorfreude auch. „Es kann gar nicht schnell genug losgehen“, sagt der Geschäftsführer der Glashütte Freital, Hans-Bernhard Führ.

Zusammen mit Produktionsleiter André Novak steht er in einem 42 Quadratmeter großen Raum. Die Mauern an den Seiten sind schon etwa 1,50 Meter hochgezogen. Dies wird einmal der Ofen und damit das Herzstück der neuen Produktionshalle, die die Glashütte derzeit auf dem Werksgelände zwischen Dresdner Straße und Bahnschienen baut. „Ende nächster Woche ist er fertig gemauert“, sagt Führ.

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Am 1. Juli, so steht schon jetzt fest, wird hier zum ersten Mal die flüssige und 1 400 Grad Celsius heiße Glasmasse zu Gläsern und Flaschen verarbeitet. Dann soll die Produktion beginnen – endlich.

Denn für die Glashütte ist die Investition, die sich bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag bewegt, entscheidend. Dem Unternehmen, dessen Geschäfte 1802 in Freital begannen, geht es so gut wie lange nicht mehr – was wiederum an zwei Faktoren liegt. Zum einen steigt allgemein die Nachfrage nach Glas als Alternative zu Plastikverpackungen. Zum anderen gibt es einen größer werdenden Markt an individuell designten Gläsern und Flaschen.

Die Freitaler Glashütte, die zu den kleinsten Produzenten auf dem Markt gehört, kann genau diesen Markt bedienen. Als kleines Unternehmen können die Freitaler ihren Kunden einen Vorteil bieten: Sie sind flexibel und stellen schon kleine Serien ab 300 000 Stück her. Flaschen aus der Glashütte werden für edle Mineralwasser aus Frankreich verwendet oder für Öle, Gin und Craftbier. Ein weiterer Abnehmer ist die Winzergenossenschaft Meißen.

20 Meter hoch ist die neue Produktionshalle der Freitaler Glashütte. Im Sommer laufen hier die ersten Gläser und Flaschen vom Band. 
20 Meter hoch ist die neue Produktionshalle der Freitaler Glashütte. Im Sommer laufen hier die ersten Gläser und Flaschen vom Band.  © Egbert Kamprath

Das Problem: Die Glashütte konnte zuletzt nur noch 30 bis 40 Prozent aller Kundenanfragen bedienen. Deswegen wird nun seit Juni 2018 an der neuen Produktionshalle, die direkt neben der alten entsteht, gebaut. Die Jahresproduktion kann damit von heute 80 Millionen Flaschen und Gläsern auf gut 180 Millionen Stück gesteigert werden.

Damit das klappt, war für die neue Produktionshalle eine planerische Meisterleistung nötig, denn die Platzverhältnisse auf dem Grundstück sind äußerst beengt. „Wir sind die kürzeste Glasfabrik der Welt“, sagt Geschäftsführer Führ. Auf insgesamt drei Ebenen sind die Maschinen, die es für die Glasproduktion braucht, verteilt. Deswegen ist die neue Halle mit rund 20 Metern auch ungewöhnlich hoch und weithin in Freitals Stadtbild sichtbar.

Ganz oben thront der Ofen. Per Förderband wird Altglas dorthin transportiert und zu einer glühenden Masse eingeschmolzen. 150 Tonnen davon kann der Ofen pro Tag produzieren. Ein glühender Glastropfen verlässt letztlich den Ofen und wird in einer Maschine, die sich eine Etage darunter befindet, weiter verarbeitet. Mit ihr werden die Gläser und Flaschen in die gewünschte Form gebracht.

Neue Mitarbeiter dringend gesucht

Auf derselben Etage geht es auf der sogenannten Kühlofenstrecke weiter. Hier werden die Gläser behutsam abgekühlt und damit entspannt. Per Förderband geht es mit ihnen anschließend nochmals eine Etage tiefer in die Kontrollabteilung. Zwei Kameras helfen hier, Fehler im Glas zu finden, bevor das Produkt auch vom menschlichen Auge noch einmal geprüft wird. Ist das geschafft, wird das Glas vollautomatisch auf Paletten gestellt und verpackt. „Alle Anlagen sind der modernste Standard“, sagt Führ nicht ohne Stolz.

Modern ist auch die Abgasanlage. Nach seiner Kenntnis sei hier der erste Abgasfilter in einem Glaswerk verbaut worden, sagt Führ. Keramik sorgt dafür, dass die Menge der Stickoxide, die über den Schornstein in die Umwelt geblasen wird, im Vergleich zur alten Produktionshalle halbiert werden kann.

Während es bei den Bauarbeiten in der neuen Produktionsstätte in den Endspurt geht, gibt es bis zum Start am 1. Juli noch eine weitere Baustelle für Führ und seine Kollegen. Denn mit der Kapazitätserweiterung soll auch das Personal von einstmals 80 auf 130 Personen aufgestockt werden. Angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels dürfen die Glashütter dabei nicht allzu wählerisch sein.

„Wir nehmen jeden, der etwas gelernt hat“, sagt Führ. „Denn das zeigt, dass er oder sie lernfähig ist.“ Mittlerweile ist die Belegschaft bereits auf 115 Personen gewachsen. Doch um die neue Produktionshalle im Vier-Schicht-System rund um die Uhr im Betrieb zu halten, ist das noch nicht ausreichend. Es wird weiter gesucht. „Das reicht, um die Anlage zu starten“, sagt Führ. „Aber für den laufenden Betrieb reicht das noch nicht.“

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