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Das Neuhaus-Puzzle

Wer steht in der Startelf – das ist die spannendste Frage eine Woche vor Dynamos Saisonstart. Die Antwort gibt’s in Teplice.

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© Robert Michael

Von Sven Geisler

Journalisten können ziemlich hartnäckig sein, erst recht, wenn sie ein Rudel bilden. Was auf dem Platz verboten ist, passiert regelmäßig nach den Testspielen von Dynamo Dresden. Dann versammeln sie sich um den Trainer, recken ihm die Aufnahmegeräte entgegen und hoffen, er möge etwas verraten. Eine Woche vor dem Saisonstart in der 3. Liga gegen den VfB Stuttgart stellen sie vor allem die Frage nach der möglichen Startelf: der eine direkt, der andere ein wenig verklausuliert.

Und Uwe Neuhaus schmunzelt. In seinem Kopf habe er einen Großteil der Plätze vergeben, sagt er – und genießt es sichtlich, die Namen für sich zu behalten. Überhaupt hält er nicht viel von dieser Diskussion. „Es gibt keine erste Elf, die eine Garantie für die ersten zehn Spiele hat. Das wird sich immer mal ändern“, erklärt er. „Das ist ja klar“, bestätigen die Reporter, und der Chefcoach kontert: „Das würde ich dann ganz gerne auch mal lesen.“ Bitteschön!

Tatsächlich ist es für Neuhaus wie bei einem Puzzle. Er muss aus den 27 Profis im Kader eine Mannschaft formen, in der die Spieler zueinanderpassen, die ausgewogen besetzt ist. Offensive und Defensive, Spielwitz und Kampfgeist, routinierte Übersicht und jugendlicher Drang. Auf die Mischung kommt es an. Deshalb hat der Trainer in der Vorbereitung möglichst viele Kombinationen probiert, etwa in der Innenverteidigung, einer besonders sensiblen Stelle.

Wenn man den zum Kapitän bestimmten Michael Hefele als gesetzt betrachtet, kämen Neuzugang Giuliano Modica, Jannik Müller oder Marco Hartmann als sein Nebenmann in Betracht. Nimmt man die Einsatzzeiten in den Testspielen, ließe sich auf Modica schließen, denn er bildete drei Mal mit Hefele das Abwehrduo.

Ein wenig Verwirrung muss sein

So einfach ist es dann aber doch nicht, zumindest stiftet Neuhaus ein wenig Verwirrung. „Ich weiß aus der vorigen Saison, dass Hefele/Müller funktionieren, wie sie harmonieren“, sagt er. „Deshalb haben Hefele/Modica häufiger zusammengespielt.“

Eine Variante hätte Neuhaus gern noch versucht, aber weil Hartmann gegen den FC Fredericia wegen Wadenproblemen aussetzen musste, hat er lediglich eine gute Viertelstunde gegen Zwickau an Hefeles Seite verteidigt. Allerdings ist Hartmann wohl nur als Aushilfskraft fürs Abwehrzentrum vorgesehen. Sein angestammter Platz wäre das defensive Mittelfeld. Dort ist der Konkurrenzkampf durch den Ausfall von Quirin Moll (Bänderverletzung im rechten Schultergelenk) vorerst entschärft.

Hartmann dürfte mit Andreas Lambertz die Doppelsechs bilden. Der 30-Jährige, der als Nachfolger von Cristian Fiel verpflichtet wurde, ist mehr Kämpfer als Stratege. Seine Führungsrolle ergibt sich vor allem aus seiner Erfahrung und seiner Einstellung. Hartmann ist vom Typ her ähnlich, kopfballstärker. Mit Jannik Müller hätte Neuhaus eine vielleicht spielstärkere Option; später auch mit Mathias Fetsch, der nach Kreuzbandriss auf dem Weg zurück ins Mannschaftstraining ist.

Mehrere Alternativen, die sich ein Trainer wünscht, obwohl sie ihn oft zu schwierigen Entscheidungen zwingen, hat Neuhaus für die offensive Mittelfeldreihe. Es zeichnet sich ab, dass er auf einen zentralen Spieler hinter einer Spitze setzt. Luca Dürholtz hat mit Aias Aosmann einen Herausforderer bekommen, der genauso gute Einsatzchancen hat.

Auf den Außenpositionen ist Dynamo sowohl hinten als auch vorn stark besetzt. Nils Teixeira und Fabian Müller sowie Justin Eilers und Marvin Stefaniak dürften zunächst erste Wahl sein, was bedeutet, dass Niklas Kreuzer und Sinan Tekerci – zwei Entdeckungen der Vorsaison – vorerst in Reserve blieben.

Bleiben die Torwart- und die Stürmerfrage: Patrick Wiegers oder Janis Blaswich? Pascal Testroet oder Tim Väyrynen? Diese Geheimnisse wird Neuhaus wohl mit der Aufstellung für den abschließenden Test am Sonnabend, 17.30 Uhr, beim FK Teplice lüften. „Ich werde dort keine Mannschaft aufbieten, von der sich sechs Spieler im ersten Meisterschaftsspiel auf der Bank wiederfinden“, sagt er und erklärt die Experimentierphase für beendet. „Ich werde nicht noch mal wild alles durcheinanderwirbeln. Das hat keinen Sinn. Die Mannschaft braucht auch etwas, woran sie sich festhalten kann.“

Neuhaus hat sein Puzzle fertig. Nur zeigen möchte er es nicht. Noch nicht.