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Das Orgeltalent

Johannes Krahl aus Dobranitz hat sich beim Gottfried-Silbermann-Wettbewerb durchgesetzt. Als Jüngster.

© dpa/Miriam Schönbach

Von Miriam Schönbach

Dobranitz. Bei Johannes Krahl steht alles auf Neuanfang. Nur noch die Noten liegen in seinem Zimmer im Elternhaus in Dobranitz auf dem Bett. Auch die Heimorgel muss noch im Auto für den Umzug nach Leipzig verstaut werden. In wenigen Tagen startet der 18-Jährige an der dortigen Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ sein Studium der Kirchenmusik. Für Gesprächsstoff dürfte er schon vorher am Haus sorgen. Der 18-Jährige beginnt sein erstes Semester als jüngster Gewinner des Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbs.

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Johannes Krahl setzt sich auf die Bank vor seiner Orgel. Der Preis steht unscheinbar auf dem Instrument. „Eigentlich kann ich es selbst noch nicht glauben, dass ich mich gegen die ausgezeichnete Konkurrenz durchgesetzt habe“, sagt der Sorbe. Das Finale des Orgelwettbewerbs war am vergangenen Wochenende im Freiberger Dom St. Marien. Mit dem Abiturienten bestritten vier weitere Finalisten aus den USA, Kroatien, Tschechien und der Schweiz mit einem jeweils 45-minütigen Programm diese letzte Runde.

Sein Konzert passend zum Festivalmotto „Fantasien von allerley Gestalt“ klingt in dem angehenden Studenten immer noch nach. „Gemeinsam mit meinem Orgellehrer Michael Vetter habe ich mir lange über das Programm Gedanken gemacht. Beim Finale selbst habe ich es dann einfach genossen zu spielen“, sagt Krahl. Zudem hätten auch die Registranten gemacht, was in den Noten stand. Da Organisten mit beiden Händen und Füßen spielen und Registerwechsel an Stellen nötig sein können, in denen das Spiel weitergehen muss, übernehmen diese Assistenten diese Aufgabe.

Vor dem Finale standen drei weitere Vorrunden. Mit einer anonymisierten, eigenen CD-Aufnahme bewerben sich die jungen Organisten für den internationalen Orgelwettbewerb. Krahl hat dafür extra drei Wochen an der Silbermann-Orgel in Crostau geübt. Zur ersten Prüfung kamen 28 Bewerber von vier Kontinenten. Ins zweite Wettbewerbsvorspiel schaffte es nur die Hälfte davon. „Alle Teilnehmer haben ein erfreulich hohes Niveau gezeigt, vor allem im Umgang mit der Silbermann-Orgel und deren Klanglichkeit“, sagte der Juryvorsitzende, Professor Wolfgang Zerer.

Diese Spezifik der Silbermann-Orgel hat Johannes Krahl in Dutzenden Übungsstunden in der Crostauer Kirche zu ergründen versucht. „Vielleicht war das mein Vorteil. Andere Teilnehmer saßen zum ersten Mal an einer Silbermann-Orgel“, sagt er. Im Vorfeld des Wettbewerbs bekommen allerdings alle Prüflinge die Chance, die geforderten Programme auf Silbermann-Orgeln zu üben. Allein in Freiberg gibt es vier Orgeln aus der Werkstatt des sächsischen Orgelbaumeisters. Gottfried Silbermann (1683 – 1753) gilt als einer der bedeutendsten Orgelbauer der Barockzeit.

Vielleicht hat sich bei Krahl auch sein jahreslanges Ringen mit der „Königin der Instrumente“ ausgezahlt. Vor sieben Jahren fragt ihn die Kantorin seiner Heimatgemeinde Göda, ob er sich nicht mal an die Orgel setzen möchte. Da spielt der Schüler schon sechs Jahre Klavier an der Musikschule. Die Kirchenmusikerin erkennt das Talent und schickt ihn nach Bautzen in die Ausbildung. Erfolgreich absolviert er den ersten Kirchenmusikabschluss für Orgel. 2012 gestaltet er seinen ersten Gottesdienst in der Gödaer Kirche, ein Jahr später gehört er bereits zum Team, das Gottesdienste in Bautzen musikalisch begleitet.

Diese Schule, fast jeden Sonntag, die Gemeinde an der Orgel zu begleiten, hat bestimmt geholfen. „Seine perfekte Technik und der Mut Außergewöhnliches zu spielen, überzeugten die Jury“, sagt die Geschäftsführerin der Silbermann-Gesellschaft, Christina Schmidt-Köpf. Viele der Gewinner nutzten den Wettbewerb als Sprungbrett und gehörten inzwischen zu den Top-Organisten der Welt. 1993 wurde der Wettstreit erstmals von der Gesellschaft veranstaltet. Seitdem findet er alle zwei Jahre und immer parallel zu dem Musikfestival Silbermann-Tage in und um Freiberg statt. Inzwischen hat er sich zu einem der bedeutendsten Wettbewerbe an historischen Orgeln entwickelt.

Jetzt kommen die Noten in den Koffer. Johannes Krahl freut sich auf sein Studium in Leipzig - und auf die Konzerte, die in Verbindung mit dem Silbermann-Preis stehen. Unter anderem wird er beim Bach-Fest in Leipzig spielen. Zudem haben sich die fünf Finalisten für den Grand Prix d’Echo qualifiziert. Der Orgelwettbewerb der Organisation „European Cities of Historical Organs (ECHO)“ findet im April 2018 in Treviso in Italien statt. Vielleicht heißt es dann: Europas jüngstes Orgeltalent kommt aus der Oberlausitz.