merken
PLUS Sachsen

Das plant Sachsen gegen den Fachkräftemangel

Der Freistaat will mit Schulgeld, Azubi-Ticket und vielem mehr die berufliche Bildung verbessern.

Sachsen will in den kommenden Jahren die berufliche Bildung stärken.
Sachsen will in den kommenden Jahren die berufliche Bildung stärken. © Sebastian Gollnow/dpa

Erzieher, Altenpfleger, Handwerk: Der Fachkräftemangel ist in bestimmten Branchen und Regionen Realität. Deswegen will Sachsen in den kommenden Jahren die berufliche Bildung stärken. „Unser berufliches Bildungssystem muss exzellent auf die Anforderungen der nächsten Jahre vorbereitet sein“, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) kürzlich im Landtag. „Dann hilft es, den Wirtschaftsstandort Sachsen und den Fachkräftenachwuchs für das Innovationsland Sachsen zu sichern.“ 

Seit 2017 steigt die Zahl der Berufsschüler wieder. Mehr als die Hälfte der Schüler in Sachsen macht nach dem Abschluss eine Ausbildung. Etwa 70.000 Schüler und Auszubildende besuchen Sachsens Schulzentren, davon etwa 49.000 in der dualen Berufsausbildung. Die SZ erklärt, was sich für sie ändern wird.

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Sachsen übernimmt Schulgeld

Auszubildende in Gesundheitsberufen müssen ab Herbst das Schulgeld nicht mehr selbst zahlen. Der Freistaat wird die Kosten an freien Fachschulen in Berufen wie Logopäde, Ergotherapeut oder Physiotherapeut übernehmen. In der Pflege werden alle Kosten der Ausbildung, auch die Vergütung, über einen Ausgleichsfonds auf Landesebene finanziert. Das hat die Koalition aus CDU, Grünen und SPD beschlossen. Bisher war die Ausbildung zum Altenpfleger in Sachsen vom Schulgeld befreit. Ab dem Schuljahr 2020/21 soll auch die Ausbildung zum Erzieher an sächsischen Fachschulen komplett kostenlos sein. Seit dem Schuljahr 2019/20 konnten sich die Azubis 50 Euro im Monat erstatten lassen. Damit soll die Ausbildung in den sozialen Berufen gestärkt und verbessert werden.

Bildungsticket entlastet Auszubildende, die pendeln

Viele Auszubildende müssen zwischen ihrem Wohnort, dem Betrieb und der Berufsschule pendeln – oft mehrere Stunden am Tag. Mit Bus und Bahn kann das teuer werden. Ein Lehrling, der in Döbeln wohnt, in Leipzig zur Berufsschule geht und in Riesa arbeitet, zahlt etwa 250 Euro im Monat, rechnet Henning Homann, der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, vor. Viel Geld für ein Azubi-Gehalt. Seit August des vergangenen Jahres zahlen Auszubildende für ein Ticket in einem Verbundraum nur noch 48 Euro, jeder zusätzliche kostet fünf Euro. „Für die Stärkung der dualen Berufsausbildung ist die Einführung des Azubis-Tickets ein weiterer Meilenstein“, sagte Martin Dulig. Das Interesse der Auszubildenden ist groß: Bis Ende 2019 wurden etwa 19.000 Tickets erworben. Geplant ist, dass auch Lehrlinge das Ticket nutzen können, wenn sich ihre Berufsschule nicht in Sachsen befindet.

Neuer Berufsschulplan wird bis Herbst erarbeitet

In Sachsen gibt es derzeit 61 berufliche Schulzentren mit 45 Außenstellen. Schon im Schulgesetz war ein neuer Plan für die Berufsschulen vorgesehen. In wenigen Wochen soll nun ein Vorschlag aus dem Kultusministerium für das künftige Berufsschulnetz in Sachsen vorgestellt werden. CDU, Grüne und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, „regionale und fachliche Belange zu berücksichtigen und mit einem dichten und verlässlichen Berufsschulnetz auch den ländlichen Raum zu stärken“. In einer Online-Umfrage unter Schulträgern und Unternehmen in Sachsen bewerteten nur 15 Prozent der Ausbildungsbetriebe im ländlichen Raum das Bildungsangebot an den Berufsschulen als „sehr gut“ und „eher gut“. Fast 60 Prozent der Betriebe fanden, dass die Bildungsangebote nur „mittelmäßig“ bis „sehr schlecht“ auf die regionale Wirtschaft abgestimmt sind. 

Ziel müsse es daher sein, vorhandene Ausbildungsprofile an den Berufsschulen zu stärken und sie so zu Kompetenzzentren zu entwickeln. „Die Qualität der Bildungsangebote muss stärker auf die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft abgestimmt sein“, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Um zu entscheiden, welche der Berufsschulen im Freistaat bleiben, will das Ministerium einen Dialogprozess starten. Im Herbst 2020 soll ein Entwurf der Schulnetzplanung fertig sein.

>> Abonnieren Sie den täglichen Newsletter "Politik in Sachsen - Die Morgenlage". Damit sind Sie immer bestens über das Geschehen in Sachsen informiert.<<

Mehr zum Thema Sachsen