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Görlitz

Das Rätsel der Martha Kriebel ist gelöst

Vorigen Sommer tauchte in Görlitz ein Aluminiumschild in einem Baumpilz auf. Der Finder startete eine Suche nach der Frau, deren Name auf dem Schild stand.

Pilzberater Steffen Hoeflich zeigt das Alu-Schildchen, in das der Name Martha Kriebel eingestanzt ist. Er hat es am Weinberg unterhalb der Heinzelstraße in einem Baumpilz gefunden.
Pilzberater Steffen Hoeflich zeigt das Alu-Schildchen, in das der Name Martha Kriebel eingestanzt ist. Er hat es am Weinberg unterhalb der Heinzelstraße in einem Baumpilz gefunden. © Archiv / Pawel Sosnowski

Im Görlitzer Standesamt und im Ratsarchiv kommt nichts weg. Und wer sucht, der wird auch fündig. Das jedenfalls zeigt die Suche nach Martha Kriebel. Die begann im August. Damals fand der Görlitzer Pilzberater Steffen Hoeflich ein Alu-Schildchen, in das der Name Martha Kriebel eingestanzt ist. Das Schild war am Weinberg unterhalb der Heinzelstraße in einem Baumpilz eingewachsen. Hoeflich nahm es mit – und suchte fortan nach jener Frau. Lange schien die Suche erfolglos – bis sich schließlich Ende März Bernd Kriebel aus Mannheim meldete, der Enkel jener Martha Kriebel.

Im Internet war er zufällig auf einen SZ-Artikel über Hoeflichs Suche gestoßen. Sofort war ihm klar: „Das ist meine Großmutter.“ Leider wusste auch er nur wenig über die Frau. Aber er hatte die Geburtsurkunde seines Vaters Herbert Kriebel. Der kam am 3. Juni 1924 auf der Landeskronstraße 1 zur Welt. Unter „Mutter“ ist auf der Geburtsurkunde Folgendes vermerkt: „Unverehelichte Martha Kriebel, Dienstmädchen, wohnhaft in Görlitz.“ Ein Vater ist nicht eingetragen. Dieser Vater wird vielleicht für immer spekulativ bleiben, aber mit den Hinweisen aus der Geburtsurkunde von Herbert Kriebel starteten Standesamt und Ratsarchiv eine neue Suche nach Martha Kriebel – und wurden tatsächlich fündig. Sogar dreimal: Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunde von Martha Kriebel liegen nun vor. Geboren wurde sie als Anna Martha Kriebel am 19. Mai 1901 in Moys, heute ein Ortsteil von Zgorzelec am Ostufer der Neiße.

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Daraus ergibt sich: Als ihr Sohn Herbert geboren wurde, war Martha Kriebel gerade 23 Jahre alt geworden. Geheiratet hat sie nach den jetzt aufgetauchten Unterlagen erst 14 Jahre später – vermutlich nicht den Vater des Kindes, denn Herbert Kriebel blieb nicht bei der Mutter. Er kam nach Aussage seines Sohnes unmittelbar nach der Geburt ins Kinderheim Biesnitz, wuchs später bei seiner Tante in Dresden auf und ging später in den Westen Deutschlands, wo er 1985 mit 61 Jahren starb.

Interessant ist Martha Kriebels Heiratsurkunde vom 16. Juli 1938. Darin heißt es: „Der Arbeiter Georg Artur Tutschek, gottgläubig, geboren am 19. Mai 1905 in Görlitz, wohnhaft in Görlitz, Neißstraße 17, und die Arbeiterin Anna Martha Kriebel, gottgläubig, geboren am 19. Mai 1901 in Moys, jetzt Görlitz, wohnhaft in Görlitz, Neißstraße 17, erschienen heute zum Zwecke der Eheschließung vor dem unterzeichneten Standesbeamten.“ Auch die Trauzeugen werden in dem Dokument genannt. Das heißt also, Martha Kriebel heiratete mit 37 Jahren einen Mann, der auf den Tag genau vier Jahre jünger war als sie.

Die Ehe hielt bis zu ihrem Tod – und auch die Wohnadresse änderte sich nicht mehr. Das geht aus der Sterbeurkunde hervor. Darin heißt es, sie sei am 23. Oktober 1955 in Görlitz verstorben. Als Todesursache wird „Verdacht auf Herzmuskelschwäche, Asthma bronchiale“ angegeben. Ihr Mann überlebte sie. Martha Tutschek wurde nur 54 Jahre alt. Kinder sind in der Sterbeurkunde nicht angegeben. Die Ehe blieb also vermutlich kinderlos – und der uneheliche Sohn war längst weg aus Görlitz.

Steffen Hoeflich hat das Alu-Schild Ende März in einen Briefumschlag gesteckt, eine Postkarte von Görlitz beigefügt und alles an Bernd Kriebel verschickt, der nun eine kleine Erinnerung an seine Großmutter hat. Jetzt kommen noch die drei Urkunden dazu. Und irgendwann will Bernd Kriebel zu Besuch nach Görlitz kommen, um auf die Spuren seiner Großmutter zu gehen.

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