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Das Rasenmäher-Beispiel

Die Bauern sprechen längst von einer Katastrophe. So dürr war das Klima seit 1947 nicht mehr, sagen jene, die genauer Buch führen. Auch bei der Sorabia Agrar AG in Rosenthal wird schon beinahe die Flinte ins nicht vorhandene Korn geworfen. Gestern waren hier PDS-Landtagsabgeordnete auf Infotour. Sie bekamen harte Fakten mit auf den parlamentarischen Weg.

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Von Frank Oehl

„Wir freuen uns, dass sich überhaupt noch eine Partei für unsere Probleme interessiert.“ Mit diesen Grußworten war das Höflichkeitsmaximum gestern in Rosenthal schnell überschritten. Sorabia-Vorstand Benedikt Rehde nahm vielmehr die Gelegenheit für Klartext wahr – gerichtet an PDS-Landwirtschaftsexpertin Elke Altmann: „2002 war ich elfmal mit dem Rasenmäher übers heimische Gras gegangen, in diesem Jahr ganze zweimal. Zuletzt im Mai.“ Der Dürre-Vergleich halte keinem Vergleich stand. An ein so schlimmes Jahr können sich die Bauern selbst kaum mehr erinnern. Höchstens aus den Erzählungen der Altvorderen. Dr. Dietmar Liebscher, der Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes jedenfalls verwies auf 1947: „Damals hatten wir ein Hungerjahr. Heute sind die Lebensmittelregale trotzdem voll.“ Auf der Strecke bleiben bloß die Landwirtschaftsbetriebe. Die einheimischen. Umso wichtiger, dass diese wenigstens Alarm schlagen. Denn: „Die Lage ist hochdramatisch.“

Auch bei der Sorabia – siehe nebenstehenden Hintergrundkasten. 550 000 Euro beträgt hier der Mindererlös in der Pflanzenproduktion, der durch nichts auszugleichen ist – „Wie also sollen wir unsere Leute über den nächsten Winter bringen?“ Die Nothilferichtlinie Sachsens begrenzt die Soforthilfe pro Betrieb auf 10 000 Euro. „Dafür lohnt sich der ganze bürokratische Aufwand doch gar nicht“, so Geschäftsführer Bernhard Bresan von der „Luzica“ Milch und Rindfleisch GmbH. Der 40-Mann-Betrieb unterm Dach der Sorabia ist gewissermaßen das landwirtschaftliche Standbein der Gesamt-Unternehmung und hat natürlich trotzdem einen Antrag auf Nothilfe gestellt. „Was bleibt uns weiter übrig?“

Für Dürrezeiten hält die Richtlinie von 1992 tatsächlich noch ein paar Öffnungsklauseln in der Hilfssumme bereit. Daran erinnert Dr. Liebscher. Bislang hätten in der Region 28 Betriebe einen Antrag auf Nothilfe gestellt, und täglich kommen weitere hinzu. „Das geht jetzt sprunghaft.“ Im Frühsommer wurde auf den Feldern um Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda noch ein möglicher Ertragsausfall für 2003 in Höhe von 30 Millionen Euro prognostiziert. Aber ach: „Der Schaden liegt schon jetzt viel höher.“ Bei Weißkollm zum Beispiel seien ganze Schläge nicht mal mehr erntewürdig. Ganz zu schweigen beim Futter, wo zwei der drei Schnitte vielerorts ganz ausgefallen sind. Siehe das Rasenmäher-Beispiel.

Schön, dass sich wenigstens eine Partei um die Lage der Bauern kümmert, hörte man also in Rosenthal. Mit dem dezenten Lob konnte Elke Altmann nicht viel anfangen. Zu ernst ist die Lage. „Deshalb hat unsere PDS-Fraktion ja die Sondersitzung des Landwirtschaftsausschusses beantragt.“ Sie findet am Donnerstag statt – zunächst mit einer Abstimmung darüber, ob man sich mit dem Dürre-Thema überhaupt beschäftigen sollte. Und mit der Rolle des Freistaats dabei. Die Tour der demokratischen Sozialisten über die Felder und durch die Ställe hat nun freilich wenigstens das Ministerium restlos mobilisiert. Die eingesetzte Flut der Zuschuss-Anträge aus den Betrieben könnte Ausdruck für die vermehrte Geschäftigkeit auf den Flath-Fluren sein, heißt es. Altmann: „Damit hätte ich kein Problem. Im Gegenteil.“