merken
PLUS

Das Rezept zum Feiern

Neusorge wird 450 Jahre alt. Hans Weber hilft dabei, dass der Ort dabei auf originelle Weise auf sich aufmerksam macht.

© André Schulze

Von Katja Schlenker

Mohkliesel, Quarkstollen, schneller Eierlikör, wenn die Nachbarn unverhofft vorbeikommen, was zum Dibbn und Diddschn oder ein zünftiges Lammsteak mit Trauben. Für jede Gelegenheit gibt es das richtige Rezept in Neusorge. Diese sind anlässlich des 450. Geburtstages, den die Rothenburger Ortschaft im Juli feiert, zusammengetragen worden. „Es sind althergebrachte Rezepte“, sagt Hans Weber. Bei ihm laufen alle Informationen zusammen. Die Neusorger selbst haben die Rezepte aufgeschrieben, damit sie anlässlich des runden Geburtstags mit in der Ortschronik erscheinen können. „Ich bin Rentner und zu Hause, da bin ich gefragt worden, ob ich das alles zusammentrage und hübsch mache“, sagt Hans Weber. Also bereitet er am heimischen Laptop in Neusorge alles vor.

Anzeige
Kompetenz in der Vermögensbetreuung
Kompetenz in der Vermögensbetreuung

Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Seit 1970 lebt Hans Weber in Neusorge. Ursprünglich stammt er aus Chemnitz, hat aber seine Frau hier getroffen und ist geblieben. Viele Jahre lang ist er auch Wehrleiter in dem Ort gewesen. Da kommen einige Erinnerungen zusammen, so manche davon taucht auch in der Chronik auf. Das Dorf Neusorge ist im Jahre 1564 erstmals erwähnt worden und hat in den darauffolgenden Jahrhunderten fast immer zum Rittergut Lodenau gehört. Doch auch in jüngerer Zeit haben Ereignisse die Geschichte geprägt. Zum Beispiel hat es 1976 einen großen Waldbrand gegeben, als es auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz, der damals noch der Nationalen Volksarmee diente, gebrannt hat. Zirka 3 300 Hektar Wald stehen damals in Flammen. „Das ist besonders in Erinnerung geblieben“, sagt Hans Weber. „Die Armee hat damals eine Schneise geschoben mit dem Panzer.“ Drei Jahre nach diesem Einsatz ist er Wehrleiter in Neusorge geworden.

Außerdem hilft Hans Weber eine Karte aus dem Jahre 1756 dabei, die Geschichte des Ortes zu ergründen. Darauf ist zu sehen, wie viele Bauern, Gärtner und so weiter im Dorf gelebt haben. Zwar ist die Karte lediglich eine Kopie, die 1940 im Stadtvermessungsamt in Görlitz angefertigt worden ist, aber das ändert nichts an den Informationen darauf. Auch zahlreiche Bilder und Postkarten zieren die Chronik. Die ältesten Dokumente dieser Art stammen aus dem Jahre 1918 und zeigen Barschdorfs Bäckerei, die Dorfstraße an der Kreuzung zur Straße von Hähnichen nach Lodenau sowie Hübners Gasthaus. Dort ist früher das Bürgermeisteramt drin gewesen. Heute steht einsam ein Briefkasten der Deutschen Post vor dem leer stehenden Gebäude. Ebenfalls in Erinnerung geblieben ist der Absturz eines MiG-Flugzeuges, sagt Hans Weber. Die russische Maschine ist in den 1980er Jahren in den Schweinestall gestürzt. Auch davon gibt es Bilder, die in der Chronik zu sehen sind.

Außerdem werden die Erlebnisse beim Fest zum 450. Geburtstag, der am 19. und 20. Juli rund um das Vereinshaus gefeiert wird, für viel Gesprächsstoff sorgen. „Es soll ein Fest für die Dorfbewohner und die Leute der umliegenden Gegend werden“, sagt Ortschaftsrat Siegfried Steinert. Jeden Monat treffen sich die Organisatoren, besprechen alles Notwendige und verteilen die Aufgaben. Je näher das Fest rückt, desto öfter wird sich getroffen. „Wir sind froh, dass es so gut funktioniert“, sagt Siegfried Steinert. „Und wir sind stolz auf unser Vereinshaus.“ Nur eine Ungewissheit gibt es noch: das Wetter. „Aber da sind wir optimistisch“, sagt Siegfried Steinert.