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Das Rittergut ist zur „Müllhalde“ verkommen

14 kleine Ortsteile hat die Gemeinde Kittlitz. Am 20. Oktober stimmen deren Einwohner über ihre Eigenständigkeit ab. Die SZ schaute sich in den einzelnen Ortsteilen um: Heute in Neu-cunnewitz. Wie der...

Von Ines Haupt

14 kleine Ortsteile hat die Gemeinde Kittlitz. Am 20. Oktober stimmen deren Einwohner über ihre Eigenständigkeit ab. Die SZ schaute sich in den einzelnen Ortsteilen um: Heute in Neu-cunnewitz.

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Wie der kleine Ort zwischen Reißaus und Rotkretscham heißt, wissen vermutlich die meisten, wie er geschrieben wird, darüber ist man sich in Neu-cunnewitz nicht so einig. Das Ortsschild bevorzugt die getrennte Schreibweise, im Personalausweis wird der Ort zusammengeschrieben, und von den Ämtern wird Neu-cunnewitz in noch ganz anderen Schreibweisen dargestellt. „Das ist immer lustig, wenn wir Post bekommen“, freut sich Anita Wünsche. Sie ist eine der derzeit 30 Einwohner und kennt sich in ihrem Wohnort richtig gut aus.

„Seit den 70er Jahren gab es eine Strohpelletieranlage im Ort, in der Futtermittel hergestellt wurden“, erzählt die Neucunnewitzerin. „Der Betrieb war nicht nur für den Produktionsbereich, auch für Bürokräfte, für die Betriebsküche und für viele Kraftfahrer ein großer Arbeitgeber.“ Nach der Wende ging es mit der GmbH, die sich aus dem ehemaligen Lautitzer Volksgut bildete, bergab. Vor zwei Jahren musste das Unternehmen schließen. „Heute haben wir nur noch einen Gebrauchtwagenhändler hier. Das ist eine polnische Familie, die vor einigen Jahren hierher gezogen ist“, weiß die Nachbarin.

Da der Ort direkt an der S 111 liegt, gibt es für die Einwohner keine Probleme mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Löbau oder nach Görlitz zu fahren. Das ist aber auch fast das einzige Plus im Ort. Weder Einkaufsmöglichkeiten, noch Vereine, noch kulturelle Aktionen gibt es in Neucunnewitz. Nur das Hexenfeuer, das ist den 30 Seelen heilig. „Wenn in Lautitz was los ist, dann gehen wir meistens dorthin“, verrät Anita Wünsche.

Inmitten der meist renovierten Häuser hat sich im Laufe der Jahre ein Schandfleck gebildet, der die Leute total verärgert. „Das ehemalige Rittergut ist zu einer richtigen Müllhalde geworden. Nicht nur, dass das Wohn- und Arbeitshaus immer mehr verfällt, es sieht rundherum auch noch fürchterlich aus“, sagt die Neucunnewitzerin. Und dann gibt es in Neucunnewitz mindestens noch ein Dutzend Windräder, deren Pfeifen schon für schlaflose Nächte gesorgt haben soll. Dennoch gefällt es den Leuten in Neu-cunnewitz, dem letzten Ort im Landkreis Löbau/Zittau. Denn Neucunnewitz liegt genau vor den Kreisgrenzen zu Bautzen, zu Niesky und zu Görlitz.