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Döbeln

Das sagen Sportler zum Bundesligastart

Gerecht oder ungerecht? Die Döbelner Sportler anderer Sportarten äußern sich zur Sonderrolle des Profifußballs in Deutschland.

Bundesligafußball mit Besonderheiten. In regelmäßigen Abständen werden die Bälle desinfiziert. Viele Sportler der Region haben allerdings überhaupt kein Verständnis, dass die Profis spielen dürfen.
Bundesligafußball mit Besonderheiten. In regelmäßigen Abständen werden die Bälle desinfiziert. Viele Sportler der Region haben allerdings überhaupt kein Verständnis, dass die Profis spielen dürfen. © Getty-Pool

Region Döbeln. Eine Extra-Wurst für König Fußball. Trotz der Corona-Krise haben Bundesliga und 2. Liga am Wochenende einen Neustart hingelegt. Fans und Stars in aller Welt feiern Deutschland für diesen Vorstoß. Im eigenen Land ist diese Entscheidung nicht unumstritten. Sächsische.de fragte bei Sportlern der Region nach, was diese von der Sonderrolle des Fußballs halten.

„Das kann nicht sein, das ist eine Katastrophe. Es ist irgendwie nicht sinnvoll geregelt, wenn viele andere Bereiche noch ganz oder teilweise geschlossen sind, wie die Schulen“, sagt Veit Raudies, Motocross-Trainer beim MC Reinsdorf, der allerdings froh ist, die Strecke in Reinsdorf zumindest für Trainingszwecke wieder nutzen zu können.

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„Ich finde es gut, weil wir als Freizeitmannschaften dann irgendwann auch wieder spielen dürfen“, meint Torsten Dathe, der allerdings nicht nur Hobbykicker, sondern einer der erfolgreichsten Tischtennisspieler des Döbelner SV „Vorwärts“ ist. So sagt der Kapitän der Bezirksligamannschaft neidlos: „Unsere Halle dürfen wir ab 25. Mai ja auch wieder zum Training nutzen.“ 

Etwas zwiespältig sieht dagegen seine Mutter Evelin Dathe, ebenfalls erfolgreiche Tischtennisspielerin, die Sache. „Es sind so viele, die jetzt ans Existenzminimum kommen, wie Gaststätten, Hotels oder Reisebüros. Ich bin nicht so dafür gewesen“, sagt sie und fügt an: „Es ist für alle doof, einfach eine verrückte Zeit.“

„Ich halte nichts davon, denn da sieht man mal wieder, dass nur das Geld die Welt regiert“, sagt René Geipel, Präsident des LSV 99 Hartha. Sportarten, die viel Geld hätten, könnten ihre Interessen einfach besser durchsetzen, als andere. Der Harthaer Leichtathletik-Chef denkt da unter anderem an Frauenfußball, Handball oder Basketball. 

„Als Sportler würde ich das eigenartig finden, vor leeren Rängen zu spielen. Für mich gehören die Fans einfach dazu. Ohne die ist es nur Kommerz, beziehungsweise noch mehr Kommerz als sowieso schon“, so René Geipel.

Michael Urbanietz, Präsident des 1. Tennisclubs Döbeln, interessiert der Fußball und damit die Bundesliga eigentlich überhaupt nicht. „Es ist komisch, dass die als Einzige wieder spielen dürfen. Also brauchen sie als Wirtschaftsunternehmen das Geld“, schätzte er ein. „Aber wir können auch wieder Tennis spielen. Alles ist gut“, fügt Michael Urbanietz an.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Ganz schwierig sieht Lars Friedrich, Präsident des VfL Waldheim 54, die Situation. „Die Sportler, mit denen ich Umgang habe, die finden es Mist“, sagt er. Die wären zwar alle große Fußballfans, aber das gehe gar nicht. „Da sieht man, dass Geld die Welt regiert. Kinder dürfen sich nicht zu fünft treffen, aber hier springen 22 Leute auf dem Feld herum, die sich am Ende, wie gesehen, nicht mal an die Regeln halten“, so der Handballer.

Volker Dietzmann, von Haus aus ebenfalls Handballer und außerdem Präsident des Kreissportbundes Mittelsachsen, sieht den Neustart ebenfalls eher kritisch. „Es ist, wenn ich ehrlich sein soll, gegenüber anderen Sportarten schwer zu vermitteln. Deren Verbände haben da mehr Konsequenz und Fingerspitzengefühl gezeigt. 

Diesen hätte man sich anschließen können“, sagt der KSB-Präsident. „Mich treibt eigentlich jetzt eher um, dass die Olympioniken Bedingungen bekommen, um unser Land bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio ordentlich zu präsentieren.“

„Ich halte nichts davon, denn es wäre wichtiger, dass die Kinder wieder normal in die Schule gehen können“, sagte Markus Hoffsky, Abteilungsleiter Kanurennsport beim ESV Lok Döbeln. „Für mich hat der Fußball nichts mit Sport zu tun. Das ist reine Geldmache.“

Ingolf Thoß, amtierender Präsident des UHC Döbeln, aber auch ein Fußballfan, der 30 Jahre zu Dynamo Dresden gefahren ist, findet die Durchführung des Spielbetriebes nicht gut. „Die kleinen Sportarten dürfen nicht spielen, aber die Millionäre schon. Mit welchem Recht werden die getestet, aber die normalen Leute nicht“, fragt sich der Floorball-Funktionär.

Frank Bautzmann, Finswimming-Trainer beim Tauchsport Döbeln, sieht die Situation ähnlich. „Ich halte davon nichts, auch wenn mich Fußball ohnehin nicht interessiert. Aber wieso haben die Fußballer Vorrechte gegenüber anderen Sportlern?“, fragt er sich.

„Ich finde es nicht in Ordnung. Aber beim Fußball steht der Kommerz im Vordergrund“, sagt Kay Berger, Präsident des SKV 2001 Waldheim. Er denkt ohnehin, dass nicht lange gespielt wird. „Wenn einem großen Verein das Gleiche passiert wie Dynamo Dresden, dann wird abgebrochen“, sagt er und fügt an: „Ich jedenfalls bin glücklich, dass ich ab Dienstag auf der Leisniger Anlage unter der Einhaltung der Hygieneregeln wieder kegeln kann.“

Steve Hengst, Präsident des Boxclubs Döbeln, sieht die Ausnahme im Vergleich zu anderen Sportarten ungerecht. Allerdings gibt er auch zu, voreingenommen zu sein. Andererseits seien die Clubs natürlich Wirtschaftsunternehmen, die versuchen müssten, sich so gut wie möglich über Wasser zu halten. Deshalb hat er ein Stück weit Verständnis für die Entscheidung.

Für Mike Kohllöffel, Vizepräsident des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land, ist es ein ganz heißes Eisen. „Es ist schön, dass Deutschlands Lieblingssport wieder betrieben wird, wenn auch nur auf Profibereichsebene. 

Das Konzept ist gut und kann, bei allen Schwächen, auch anderen Verbänden den Weg aufzeigen. Ob es richtig war, wird sich zeigen“, sagt er und fügt durchaus kritisch an: „Vielleicht sollte man sich in Bundesliga und 2. Liga einmal Gedanken darüber machen, wie man die Abhängigkeit von den Fernsehgeldern reduzieren kann.“ Das sei aber dem Profibereich des DFB überlassen, so Kohllöffel.

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