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Das salomonische Urteil

Vom König Salomo, dem Sohn Davids, wird gerne im Bezug auf seine sprichwörtliche Weisheit gesprochen. In einem Fall sprach er ein besonderes Urteil: Zwei Frauen kamen zu ihm und baten um ein Urteil in...

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Vom König Salomo, dem Sohn Davids, wird gerne im Bezug auf seine sprichwörtliche Weisheit gesprochen. In einem Fall sprach er ein besonderes Urteil: Zwei Frauen kamen zu ihm und baten um ein Urteil in einem unglaublichen Fall: Beide wohnten in einem Haus, beide hatten nur kurz hintereinander ein Kind geboren, beide hatten sich so sehr ein Kind gewünscht. Doch ein Kind starb schon kurz nach der Geburt. Die Mutter kann diesen Schmerz nicht überwinden.

Die weiteren Geschehnisse bleiben zunächst im Dunkeln. Fest steht nur: beide Frauen behaupten nun, die Mutter des lebendigen Kindes zu sein. „Dein Sohn ist tot, meiner lebt!“ so klagen sie einander an. Salomo soll dieses verzwickten Fall lösen. Dabei standen ihm keine neuzeitlichen medizinischen Untersuchungsmethoden, sondern nur sein scharfer Verstand zur Verfügung.

Sein Urteil erregte Aufsehen: „Holt mir ein Schwert und teilt das lebendige Kind in zwei Teile und gebt jeder Frau ihren Teil des Kindes.“ Die wahre Mutter konnte das nicht übers Herz bringen und sagte: „Gebt ihr das Kind und tötet es nicht!“ Die andere Frau aber bestand auf ihrem Recht: „Es sei weder dein noch mein, lasst es teilen!“

Jetzt wurde offenbar, wer die richtige Mutter war. Salomos Plan ging auf. Keine Mutter würde ihr Kind töten lassen, nur um Recht zu behalten. Mit Intelligenz und Menschenkenntnis hat Salomo diesen Fall gelöst. So sprechen wir heute vom salomonischen Urteil, wenn der „Richter“ sich nicht vom bloßen Gesetz, sondern vom Willen zur Gerechtigkeit und Menschlichkeit leiten lässt. (Sören Schellenberger)