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Das Sandflössel wird befreit

Der kleine Bach bei Kunnersdorf soll seinen natürlichen Lauf zurückbekommen. Anwohner haben da so ihre Bedenken.

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Von Steffen Gerhardt

Das Sandflössel bekommt seinen natürlichen Lauf zurück. Mit Sandflössel ist der kleine Bach westlich von Kunnersdorf gemeint, der zudem das Wasser aus dem künstlich angelegten Speicher aufnimmt. Auch dieser soll mit saniert werden. Was dabei vorgesehen ist und welche Auswirkungen auf die Anwohner zukommen, das fragte die SZ nach.

Was wird am Speicher und am Sandflössel gemacht?

Der kleine Bach soll aus seinem engen Korsett befreit werden. Sprich, die Verrohrung entfernt werden, damit das Gewässer wieder seinen natürlichen Lauf hat. Auftraggeber ist die Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen, die das Vorhaben dem Ingenieurbüro für Wasser- und Tiefbau (IWT) in Reinhardtsgrimma übertragen hat. Die LTV spricht von einer Kompensationsmaßnahme, die im Nachgang zur abgeschlossenen Sanierung des Rückhaltebeckens in Rennersdorf notwendig ist. Doch nicht nur das Sandflössel soll renaturiert werden, auch das Speicherbecken an der Waldkante wird einer Sanierung unterzogen. Planer Hagen Arndt begründet das mit dem fehlenden Überflutungsschutz. „Durch Wurzeln ist die Standsicherheit des Dammes nicht mehr gewährleistet, deshalb ist ein Komplettrückbau vorgesehen“, erläutert der IWT-Fachmann. Der Speicher soll dabei nicht verschwinden, sondern in kleinerer Form neu aufgebaut werden. Statt der bisher 30 000 Kubikmeter Fassungsvermögen, sollen künftig nur noch 5 000 Kubikmeter Wasser gespeichert werden. Für ein Einzugsgebiet von gut zwei Quadratkilometern sei das als Hochwasserschutz ausreichend, argumentiert der Planer. Die Rede ist von einem Trockenbecken, in dem aber das bereits bestehende Laichgebiet erhalten bleiben soll. Neu geschaffen werden dabei der Ein- und Auslauf.

Verbessert sich der

Schutz vor Hochwasser?

Anwohner am unteren Ende des Sandflössels befürchten, dass sie mit der Bachöffnung bei Hochwasser vor einer Überflutung ihrer Grundstücke nicht mehr sicher sind. Das kann Hagen Arndt nicht bestätigen. Im Gegenteil, denn jetzt ist die Gefahr größer. Das Sandflössel wurde auf einer Länge von 900 Metern in Betonrohre mit 60 Zentimetern Durchmesser gezwängt, um die Bewirtschaftung der umliegenden Felder zu erleichtern. Im Fall eines Hochwassers würde sich das Wasser am Rohreingang stauen und über die Wiesen und Felder seinen Weg suchen. Hinzu kommt, dass mit der Sanierung des Speicherbeckens der Durchlauf besser regulierbar wird, was die Abgabe der Wassermenge ins Sandflössel betrifft. „In Höhe der Bebauung werden wir aber 120 Meter Bachlauf verrohrt lassen“, sagte Hagen Arndt bei der Projektvorstellung im Bernstädter Stadtrat.

Wie kommen die Landbesitzer

auf ihre Wiesen und Felder?

Wenn das Sandflössel wieder offen fließt, dann durchschneidet es die landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das ist die Sorge der Landbesitzer. Abhilfe sollen zwei Brücken schaffen, um die Felder zu erreichen. Projektverantwortliche Diana Lange vom IWT spricht von zwei Rahmendurchlässen, die gesetzt und mit Erde bedeckt werden. Die schränken landwirtschaftliche Maschinen nicht in der Breite ein. Ursprünglich sah die Planung das Anlegen von zwei Furten vor. Diese wurden von den Landbesitzern aber abgelehnt, da sie in ihrer Wasserführung nicht berechenbar sind. „Deshalb entschlossen wir uns, die beiden Durchlässe zu setzen, was natürlich die Baukosten erhöht“, sagt Diana Lange. Derzeit rechnen die Planer mit Gesamtkosten von rund 471 000 Euro. Diese Summe will die LTV tragen, die Stadt Bernstadt wird nicht zur Kasse gebeten. Zudem übernimmt die LTV für die ersten drei Jahre die Pflege des Bachlaufes und des Speichers.

Wann ist mit dem Beginn der Bauarbeiten zu rechnen?

Diana Lange spricht von frühestens im Jahr 2017. Denn momentan steckt man noch in den Planungen und vor der Genehmigung. Drei Varianten hat das Ingenieurbüro untersucht, entschieden hat man sich für den teilweisen Rückbau des Speichers und der Offenlegung des Großteils des verrohrten Baches. Beides soll naturverbunden erfolgen, um den Anspruch einer Kompensationsmaßnahme gerecht zu werden, sagt die Projektleiterin.