merken
PLUS

Das Schlockwerder-Haus wird ein Hotel

Die Wobau will prominenten Messe-Gästen Übernachtungen im gehobenen Standard bieten. Die Vorbereitungen laufen.

Von Susan Ehrlich und Anja Beutler

Wo Gerüste stehen gibt es immer auch Gerüchte: „Da kommt doch ein Hotel rein, habe ich jetzt gehört“, sagt die Frau und tritt aus dem Gemüse-Laden am Löbauer Altmarkt. Sie nickt zum Stadthaus an der Ecke zum Bankgässchen hinüber. Dort wird derzeit unübersehbar gebaut. Für die Bibliothek allerdings. Nicht für ein Hotel. Doch die Wahrheit liegt manchmal eben nur knapp daneben. Denn ein Hotel, so sehen es erste Pläne momentan vor, könnte einziehen, ins Schlockwerder-Haus, gleich links neben dem mit Bauarbeitern gefüllten Stadthaus.

Anzeige
Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus
Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus

Jeder dritte bis vierte Patient bringt die Nebendiagnose Demenz mit ins Krankenhaus. Das St. Carolus in Görlitz geht einen besonderen Weg und hilft damit allen Beteiligten.

Ja, das zweite Gebäude links vom Rathaus soll einmal ein Hotel werden. Von 14 Zimmern ist die Rede. Zumindest sagt das vorab schon einmal Wobau-Chef Matthias Urbansky. Seine Vorstellungen sind bereits ziemlich detailliert. „Löbau hat mit seinem Messepark inzwischen immer wieder prominente Leute in der Stadt“, sagt er. Diese könnten dann in dem neuen Hotel mitten in der Stadt übernachten. „Gehobenen Standard soll es bieten“, so Urbansky.

Noch ist das Haus Eigentum der Stadt. Meldeamt und Ordnungsamt sind hier unter anderem noch untergebracht. Wenn die Bauarbeiten am Stadthaus abgeschlossen sind, wird die Stadtverwaltung mit ihren Ämtern in das Nachbarhaus umziehen. Dann wäre der Weg frei für die Hotelpläne. „Die Mittel, es zu kaufen, stehen bereit“, sagt der Geschäftsführer der Löbauer Wohnungsverwaltung und Bau GmbH. „Wir würden es gerne erwerben“, so Urbansky. Und das sei auch im Sinne der Stadt.

Auch das Stadthaus selbst ist seit gut einem Jahr im Besitz der Wobau. Seit einigen Wochen stehen die Gerüste, der Baulärm, der nach außen dringt, ist kaum zu überhören. Die vorübergehend in der Sachsenstraße untergebrachte Bibliothek wird hier nach Fertigstellung wieder Einzug halten. Ein Fahrstuhl soll künftig vom Stadthaus aus den behindertengerechten Zugang zum Rathaus gewährleisten. Dazu wird es eine Verbindung beider Gebäude über das Bankgässchen geben. Geplant ist derzeit außerdem, dass das Büro des Seniorenrates künftig im Erdgeschoss des Stadthauses sein Domizil bekommt.

Laut Auskunft von Matthias Urbansky steht die Vorplanung für das „dritte Haus am Platz“ – neben Rat- und Stadthaus – inzwischen. „Ein Hotel dieser Art direkt am historischen Markt der Stadt – das ist doch etwas“, gibt er preis. Charme und Chic soll es haben. „Künstler könnten es nutzen, aber nicht nur sie“, hat der Wobau-Chef bereits Visionen vor Augen. Von Korbmarkisen und rotem Teppich spricht er – klar, mit einem Augenzwinkern. Löbau ist schließlich nicht Cannes, Berlin oder gar Hollywood. Doch Leute aus der Musikerzunft oder aller anderen Richtungen sollen sich hier trotzdem wohlfühlen. So ist es zumindest gedacht.

Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) begrüßt die Hotel-Idee. „Es ist kein Gerücht. Das Haus geht an die Wobau und wird nach der Sanierung des Stadthauses auch an die Reihe kommen“, hatte er jüngst auf Nachfrage zu konkreteren Plänen mitgeteilt. Das heißt damit aber auch, dass ein Baubeginn am Schlockwerder-Haus wohl erst ab 2017 denkbar ist. Denn laut Volker Augustin, der als Planer für das Stadthaus zuständig ist, werden die Umbauten hier mindestens bis etwa Ende 2016 andauern.

Das bestätigt auch Matthias Urbansky: „Die Sanierung des Schlockwerder-Hauses kann mit Fertigstellung des Stadthauses beginnen.“ Bis in den letzten Winkel sei bereits alles genau geplant. „Das Altbürgerliche ist abgelutscht. Wir möchten der heutigen Zeit gerecht werden“, macht der womöglich künftige Bauherr deutlich. Urbansky sieht in dem Haus durchaus Zukunft. „14 Zimmer sind beherrschbar“, ist der Wobau-Chef zuversichtlich, einen Betreiber zu finden beziehungsweise der Sache gerecht zu werden.