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Das Schlosswehr wächst

Die Anlage wird bis Ende August fertig – wenn nicht zu viel Wasser kommt.

Von Udo Lemke

Das Wehr, das derzeit an der Großen Röder im Ebersbacher Ortsteil Rödern entsteht, ist ein Jahrhundertbauwerk. Zumindest, was seine Haltbarkeit betrifft, denn die ist „bei Wasserbauanlagen auf 80 bis 100 Jahre ausgelegt“, erklärt Oberbauleiter Thomas Drechsler. So muss etwa der Stahl der 1 200 Kilogramm schweren Spundbohlen, die ins Erdreich gerammt worden sind, um Uferbereiche zu befestigen, mindestens so lange halten.

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So eigenartig es klingen mag, aber dass das Schlosswehr in Rödern überhaupt grundlegend saniert werden kann, ist dem Hochwasser 2010 zu „danken“. Denn durch dieses wurde das etwa 150 Jahre alte Bauwerk so stark beschädigt, dass es in das Hochwasserprogramm von Bund und Ländern aufgenommen wurde. Diese finanzieren zusammen 90 Prozent des 1,1 Millionen Euro teuren Bauwerks. Die restlichen zehn Prozent „trägt die Gemeinde, das sind 110 000 Euro“, sagt Bürgermeisterin Margot Fehrmann.

Derzeit werden die Wangen des Wehrs, das sind die Seitenmauern rechts und links von den beiden Wasserdurchlässen, saniert. Während die linke Wange noch die des alten Wehrs ist und neu verfugt wird, wurde die rechte komplett durch Stahlbeton ersetzt. Derzeit wird sie mit Granitplatten verblendet, um wieder so wie der historische Vorgänger auszusehen.

Das Wehr besteht aus einem festen und einem beweglichen Teil. Der feste ist der breitere Durchlass. Hier wird die alte Wehrschwelle, also die Schräge, über die das Röderwasser läuft, belassen und nur saniert. Der bewegliche Teil des Wehrs, der vom festen Teil durch den sogenannten Wehrpfeiler getrennt ist, wurde hingegen völlig neu in Sichtbeton gebaut. Beim beweglichen Teil „fahren zwei Schütztafeln aneinander vorbei“ und regulieren so den Wasserdurchfluss, erläutert Thomas Drechsler. Steuern wird das Wehr Mathias Trentzsch, der am Mühlgraben eine Wasserkraftanlage betreibt. „Dazu wird die Gemeinde als Eigentümer der Anlage eine Vereinbarung mit Herrn Trentzsch treffen“, so Bürgermeisterin Fehrmann.

Bei normalem Wasserstand der Röder wird diese durch den schmaleren, also beweglichen Teil des Wehrs geleitet. Erst bei Hochwasser beginnt die Röder, auch über den breiten festen Wehrteil zu laufen. „Die Anlage hat etwa 20 Prozent mehr Abfluss als das alte Wehr“, erklärt Thomas Drechsler. „Wir erhoffen uns dadurch auch eine Verbesserung des Hochwasserschutzes“, ergänzt Margot Fehrmann. Allerdings ist das Schlosswehr nicht zuerst eine Hochwasserschutzanlage, sondern ein Bauwerk zur Regulierung der Röder, um den Betrieb der Wasserkraftanlage sicherzustellen. Schon bei einem starken Hochwasser, wie es aller zehn Jahre auftreten kann, werden die Wiesen in Oberrödern so überflutet, dass das Wehr quasi im Wasser steht.

Gegenwärtig fließt die Röder über die künftige Fischtreppe, um die Baustelle am festen und beweglichen Wehrteil trocken zu halten. Sind die Arbeiten hier abgeschlossen, wird die eigentliche Fischtreppe gebaut. Sie kostet etwa ein Viertel der Bausumme und entspricht einer Auflage der Unteren Wasserbehörde. „Bisher war für die Fische am alten Wehr Schluss, sie konnten die Röder nicht weiter hinaufwandern. Nun geben wir der Natur wieder die Möglichkeit, sich normal zu entwickeln“, sagt Thomas Drechsler.

Der Oberbauleiter ist optimistisch, dass der Kostenrahmen von 1,1 Millionen Euro gehalten und das Wehr Ende August fertiggestellt wird: „Wenn das Wetter mitspielt und wir kein Hochwasser bekommen.“