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Das schönste Fotomotiv im Zittauer Gebirge

Der Garten von Charlotte und Eberhard Hörhold in Waltersdorf ist ein Traum, der Titelbilder und Hochglanzprospekte ziert - vielleicht auch wegen seiner tiefen Seele.

Charlotte und Eberhard Hörhold haben sich in Waltersdorf im Zittauer Gebirge ihr blühendes Paradies geschaffen - und pflegen es mit großer Liebe und Hingabe.
Charlotte und Eberhard Hörhold haben sich in Waltersdorf im Zittauer Gebirge ihr blühendes Paradies geschaffen - und pflegen es mit großer Liebe und Hingabe. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Sie hätten vor vier Wochen kommen sollen", sagt Eberhard Hörhold. "Da hat doch der Mohn noch in voller Blüte gestanden." Jetzt ist der Mohn verblüht und er, Hörhold, ist noch gar nicht dazu gekommen, die verwelkten Stengel von den Beeten zu holen. "Was gibt denn das für ein Foto?"

Als müsste Eberhard Hörhold sich dafür entschuldigen. In kurzer Hose und Feinripp-Unterhemd steht er schweißgebadet in der Blumenpracht vor seinem Umgebindehaus in Waltersdorf im Zittauer Gebirge. Er ist an diesem Morgen schon 60-mal vom Wasserfass in die Beete gelaufen - und zu all den Hängeampeln, Töpfen und Kästen - jedesmal mit zwei Fünf-Liter-Kannen in den Händen. 600 Liter Wasser jeden Tag! Eberhard Hörhold hat die Erlaubnis, es aus dem Bach am Grundstücksrand pumpen zu dürfen. Er gießt mit Hingabe. Der Mann ist 86 Jahre alt!

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Und seine Frau Charlotte ist 89. Nach einem Schlaganfall geht sie an Krücken. Aber jeden Tag kämpft auch sie sich nach draußen. "Das hier ist unser Paradies, diese Natur, dieses Blühen, ist das nicht wunderbar?" Sie sieht glücklich aus, als sie das sagt, obwohl sie Schmerzen hat und es ihr in der Seele wehtut, dass sie ihrem Mann nicht mehr wie früher helfen kann.

Ein liebevolles Augenzwinkern: "Meine Frau in der Hängematte", schmunzelt Eberhard Hörhold. Charlotte Hörhold kann sich an diese Rolle allerdings nur schwer gewöhnen. Nach einem Schlaganfall kann sie ihrem Mann bei der Gartenarbeit nicht mehr wie früher zur Hand gehen.
Ein liebevolles Augenzwinkern: "Meine Frau in der Hängematte", schmunzelt Eberhard Hörhold. Charlotte Hörhold kann sich an diese Rolle allerdings nur schwer gewöhnen. Nach einem Schlaganfall kann sie ihrem Mann bei der Gartenarbeit nicht mehr wie früher zur Hand gehen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Das Geheimnis der Blütenpracht: Wasser, Wasser, Wasser - und jedesmal ein Liter Flüssigdünger auf das volle 200-Liter-Wasserfass. "So bekommen die Pflanzen mit jedem Schluck immer auch ein kleines bisschen Dünger", erklärt Eberhard Hörhold. Der 86-Jährige schleppt täglich 120 Gießkannen. 
Das Geheimnis der Blütenpracht: Wasser, Wasser, Wasser - und jedesmal ein Liter Flüssigdünger auf das volle 200-Liter-Wasserfass. "So bekommen die Pflanzen mit jedem Schluck immer auch ein kleines bisschen Dünger", erklärt Eberhard Hörhold. Der 86-Jährige schleppt täglich 120 Gießkannen.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Jahrzehntelanges Gartenleben: Die riesigen Fuchsien sind schon 46 Jahre alt. Hörholds haben alle ihre Blumentöpfe mitgebracht, als sie vor 23 Jahren aus Ludwigsburg in Baden-Württemberg ins Zittauer Gebirge gezogen sind.
Jahrzehntelanges Gartenleben: Die riesigen Fuchsien sind schon 46 Jahre alt. Hörholds haben alle ihre Blumentöpfe mitgebracht, als sie vor 23 Jahren aus Ludwigsburg in Baden-Württemberg ins Zittauer Gebirge gezogen sind. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Außergewöhnliche Geschichte: Am alten Scheunentor hängen die Geschirre der letzten Lausche-Esel, die früher das Wasser hinauf zur Baude auf dem höchsten Berg im Zittauer Gebirge gebracht haben. Charlotte Hörhold ist die Enkelin des letzten Baudenwirts, der hier gewohnt hat.
Außergewöhnliche Geschichte: Am alten Scheunentor hängen die Geschirre der letzten Lausche-Esel, die früher das Wasser hinauf zur Baude auf dem höchsten Berg im Zittauer Gebirge gebracht haben. Charlotte Hörhold ist die Enkelin des letzten Baudenwirts, der hier gewohnt hat. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Hörholds Paradies rund um das wunderschön sanierte Umgebindehaus am Fuße der Lausche ist eine Augenweide - und eines der beliebtesten Fotomotive im Zittauer Gebirge. Der Garten ziert das Titelbild des Oberlausitzer Familienkalenderbuchs und eine ganze Doppelseite im Oberlausitzer Tourismusmagazin. Er ist Motiv für Postkarten, Hochglanzprospekte, Aquarelle und Ölgemälde. Kaum ein Tourist, der nicht am Gartenzaun stehenbleibt.

Charlotte und Eberhard Hörhold freut das. Aber eigentlich, sagen sie, machen sie das alles nicht für die Leute, sondern vor allem für sich selbst. Der Garten ist ihre Arbeit, ihr Leben, ihr Glück. Eberhard Hörhold hat früher als Landschaftsgestalter gearbeitet, seine Blumenpracht bringt er mit viel Erfahrung über den Winter, neue Pflanzen zieht er aus Samen und Stecklingen selbst. 

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