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Meißen

Das sind die Direktkandidaten der Grünen

Raus aus der Kohle, rauf aufs Rad: Zur Landtagswahl setzen die Grünen-Kandidaten im Kreis Meißen auf ihre Kernthemen.

Die Meißner Direktkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen zur Landtagswahl (v.l.): Tobias Plessing, Katja Meier, Thomas Berndt und Martin Wengenmayr.
Die Meißner Direktkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen zur Landtagswahl (v.l.): Tobias Plessing, Katja Meier, Thomas Berndt und Martin Wengenmayr. © Arvid Müller

Meißen. Es ist ein überraschendes Statement aus dem Mund eines Grünen, deshalb sagt Tobias Plessing auch extra: „Das können Sie ruhig so schreiben“. Die Grünen, so seine Behauptung, seien mittlerweile die „wahren Konservativen“. Der Begriff bedeutet nämlich „bewahren“ und das möchte seine Partei – vor allem die Umwelt.

Das kommt bei den Wählern derzeit gut an, die Grünen sind im Aufwind, auch im Freistaat. 70 Prozent mehr Mitglieder habe man im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl 2014, sagt Katja Meier. In ganz Sachsen, nicht nur in den großen Städten.

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 „Grün“ sind auch die Vorhaben der Direktkandidaten zur Landtagswahl aus dem Landkreis Meißen im Falle eines Wahlerfolgs. Auf den schnellen Kohleausstieg können sich alle vier einigen und auch darauf, dass der Bau von Radwegen einem weiteren Ausbau der Straßen im Kreis vorzuziehen ist. Getroffen haben sie sich zum Interview mit der Sächsischen Zeitung im Garten von Tobias Plessing in Radebeul. Eine grünere Kulisse hätten sie wohl kaum finden können.

Das sind die vier Direktkandidaten der Grünen mit ihren wichtigsten Anliegen:

Tobias Plessing (51), Wahlkreis 40

Um Klimaschutz, Bildung und Wirtschaft will sich Tobias Plessing, der in Überlingen am Bodensee geboren wurde und in Radebeul gegen Martin Dulig (SPD) und Matthias Rößler (CDU) antritt, kümmern. Zu seinen Chancen auf ein Direktmandat sagt er lachend: „Wenn zwei sich streiten, freut sich manchmal der Dritte.“ 

Plessing sitzt bereits im Radebeuler Stadtrat sowie im Kreistag. Der Ingenieur und Hochschullehrer hat auch beruflich mit dem Thema erneuerbare Energien zu tun und will diese deutlich mehr fördern. Das Land müsse auch an der Einführung einer CO2-Abgabe mitwirken und die Wälder aufforsten. Dass es zwischen Coswig und Radebeul bis heute keinen Radweg gibt, sei ein „Skandal“.

Das Landesamt für Schule und Bildung würde Plessing auflösen und neu bilden, weil es nicht effizient arbeite. Damit Inklusion an den Schulen funktioniere, brauche es kleinere Klassen und mehr Sozialarbeiter. Völlig versäumt wurde seiner Ansicht nach des Thema Demokratiebildung an den Schulen. Und dem Arbeitskräftemangel könne man nur begegnen, „wenn wir ein weltoffenes Sachsen bleiben“.

Katja Meier (39), Wahlkreis 37

Seit vier Jahren sitzt Katja Meier, die in Dresden lebt, schon für die Grünen im Landtag. Zur Wahl am 1. September steht sie auf Listenplatz 1 ihrer Partei. Sie hat sich die Mobilitätswende, Gleichstellung und Klimaschutz auf die Fahne geschrieben. Die Radwegeinfrastruktur müsse ausgebaut werden, ein Landesprogramm für Radstationen an Bahnhöfen aufgelegt werden. 

Gleichzeitig gehörten mehr Güter auf die Schiene. Damit das geplante Plusbus-System funktioniere, brauche es auch eine Taktverdichtung auf der Schiene. „Da sind wir in Radebeul ja schon ein gutes Stück vorangekommen“, so Meier.

Das Thema Gleichstellung liegt ihr besonders am Herzen, im öffentlichen Dienst arbeiteten mittlerweile über 65 Prozent Frauen, aber deutlich weniger auf der Führungsebene. 

„Und das liegt nicht daran, dass Frauen nicht das Know-how hätten, sondern die Rahmenbedingungen sind so, dass sie nicht in diesen Positionen ankommen.“ Sie fordert daher ein modernes Gleichstellungsgesetz. Noch gelte das Frauenfördergesetz von 1994, was ein „zahnloser Tiger“ sei.

Thomas Berndt (51), Wahlkreis 38

Auch Thomas Berndt, Diplom-Ingenieur in der Mikroelektronik, möchte sich um Bildungsthemen kümmern, neben der Entwicklung des ländlichen Raums sowie dem Klimaschutz. 

Die Flächenversiegelung, zum Beispiel durch den Bau von Straßen und Gewerbegebieten, müsse reduziert werden, in den Städten sei jeder Baum erhaltenswert. Er findet es „fatal, dass aus ideologischen Gründen die Windkraft abgelehnt, aber gleichzeitig toleriert wird, dass in der Lausitz weiter die Dörfer abgebaggert werden“.

Der Vater von drei Kindern möchte vor allem die Oberschulen stärken, deren Image in einem nur auf Pisa-Erfolge ausgelegten Bildungssystem leide. Angesichts des Fachkräftemangels, der sich in den nächsten Jahren noch verschärfe, könne man den Nachwuchs nicht nur auf die gymnasialen Eliten schauen. Lehrer müssten außerdem zum Umgang mit der Digitalisierung geschult werden, um dies ihren Schülern vermitteln zu können.

Martin Wengenmayr (29), Wahlkreis 39

Neben dem Kohleausstieg möchte Martin Wengenmayr sich der Erwachsenenbildung und der Mobilitätswende widmen. Mit Blick auf die Arbeiter, die durch den Kohleausstieg ihre Jobs verlieren würden, sagt er: „Wir können Sie nicht einfach in Frührente schicken und damit ist das Problem erledigt.“ Ihnen müsse ermöglicht werden, noch einmal einen neuen Beruf zu erlernen oder sich weiterzubilden, ohne bei Null beginnen zu müssen.

Auch an den Hochschulen gebe es viel zu tun, besonders bei der Personalpolitik. Es müssten viel mehr Assistenzstellen bereitgestellt werden, fordert der Wissenschaftler, damit erfahrene Postdocs die Studenten unterrichteten und betreuten. 

Auch die Durchsetzung der nationalen Forschungsdateninfrastruktur ist ihm ein großes Anliegen. Dazu gebe es bisher noch keinen strukturierten Plan, obwohl vom Gesetzgeber vorgesehen sei, dass Forschungsdaten lange aufbewahrt werden und für künftige Generationen nutzbar sind.