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Das sind die gefährlichsten Straßen

Fast 1.000 Menschen sind vergangenes Jahr bei Verkehrsunfällen im Landkreis verletzt worden. In sieben Orten gab es sogar Tote.

An dieser Autobahnauffahrt bei Bannewitz passierten 2019 die meisten Unfälle mit Verletzten im Landkreis.
An dieser Autobahnauffahrt bei Bannewitz passierten 2019 die meisten Unfälle mit Verletzten im Landkreis. © Daniel Schäfer

Die Zahl der Verletzten bei Verkehrsunfällen ist im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im vergangenen Jahr erstmals unter 1.000 Personen gerutscht. Insgesamt wurden 960 Personen verletzt. 232 von ihnen mussten danach stationär in einer Klinik aufgenommen werden. Darunter waren acht Kinder.

Nun haben das Statistische Bundesamt und die Polizei den neuen Unfallatlas veröffentlicht. Er verrät, wo Unfälle mit Verletzten passierten und welche Straßen dabei besonders hervorstechen.

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Gefährliche Autobahnauffahrt

Der Unfallschwerpunkt Nummer 1 im Landkreis befand sich 2019 bei Goppeln. Auf der Staatsstraße S191 am Autobahnanschluss zur A17 Richtung Prag wurde die Polizei zu neun Unfällen mit sogenannten Personenschäden gerufen - so häufig wie nirgendwo anders. Auch in den beiden Jahren zuvor sind an dieser Stelle bei fünf beziehungsweise sieben Unfällen Personen verletzt worden. Hauptsächlich krachten dort Autos zusammen. Zweimal waren auch Motorräder beteiligt.

Dass an der Auffahrt gehandelt werden muss, ist schon länger bekannt. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr(Lasuv) möchte dort eine Ampel errichten lassen. Das hätte schon passiert sein können, wenn die Ausschreibung der Planungsleistungen nicht erfolglos gewesen wäre - zumindest im ersten Anlauf. Inzwischen ist die Planung abgeschlossen und die Ausschreibung der Bauleistungen wird vorbereitet. Ob dieses Jahr noch gebaut wird, kann das Lasuv gegenwärtig noch nicht sagen.

Dass eine Lichtsignalanlage die Zahl schwerer Unfälle reduzieren kann, zeigen zwei Beispiele. An der selben Anschlussstelle Richtung Dreieck Dresden-West steht bereits eine Ampel. Seitdem gibt es keine Unfälle mit Personenschäden mehr.

Auch die benachbarte Anschlussstelle Heidenau hat im vergangenen Jahr eine Ampel bekommen. 2018 war das noch der Unfallschwerpunkt Nummer 1 im Landkreis. Nun hat sich auch dort die Situation verbessert.

Neuerdings gehört auch die Wilhelm-Kaulisch-Straße in Neustadt zu den Stellen im Landkreis, an denen sich Unfälle häufen.
Neuerdings gehört auch die Wilhelm-Kaulisch-Straße in Neustadt zu den Stellen im Landkreis, an denen sich Unfälle häufen. © Steffen Unger

Motorradfahrer stürzen in Serpentinen

In Pirna weist der Unfallatlas gleich sechs Stellen aus, an denen sich im vorigen Jahr drei und mehr Unfälle ereigneten, bei denen Personen verletzt wurden. Auf der Maxim-Gorki-Straße waren es zwischen Zentralem Omnibusbahnhof und B172 acht Unfälle.

An der B170 bei Rundteil waren es vier Unfälle mit Personenschäden. Dort wird öfter mit einem mobilen Blitzer die Geschwindigkeit der Fahrzeuge überwacht. Solche Maßnahmen werden von den Behörden mit der Unfallhäufigkeit begründet.

Auffällig viele Unfälle gibt es auch in Neustadt auf der Wilhelm-Kaulisch-Straße. Bei sieben Unfällen im Abschnitt zwischen Dr.-Wilhelm-Külz-Straße und Gemeindegut wurden auch Personen leicht verletzt. 2018 war es nur ein solcher Unfall, 2017 waren es drei.

Bei den gefährlichen Straßen im Landkreis werden oft auch die Serpentinen bei Hohnstein genannt. Die gehören bei Unfällen mit Personenschäden aber nicht mehr zu den Schwerpunkten. 2019 waren es zwei. Beide Male wurden Motorradfahrer schwer verletzt. Im Jahr 2018 wurden ebenfalls zwei Unfälle mit Verletzten gezählt, 2017 waren es fünf, 2016 zwei. Jedes Mal wurden Motorradfahrer verletzt.

Weniger tödliche Unfälle

Im Landkreis waren im vorigen Jahr auch sieben Tote nach Verkehrsunfällen zu beklagen. Ein Jahr zuvor waren es noch elf. Fünfmal lag der Ort des Geschehens 2019 im Alt-Weißeritzkreis, sowie einmal in Pirna und einmal in Heidenau. Drei der Getöteten waren Fußgänger, einer Radfahrer, zwei waren mit einem Krad unterwegs sowie eine als Beifahrerin in einem Pkw.

Bei dem tödlichen Unfall im Oktober vergangenen Jahres in Reichstädt hatte ein betrunkener VW-Fahrer eine 57-jährige Fußgängerin erfasst. Die Frau kam dabei ums Leben.  Eine 83-jährige Fußgängerin erlag in Freital ihren Verletzungen. Sie wurde von einem Transporter erfasst, als sie die Dresdner Straße überquerte. 

Auch in Copitz wurde ein Fußgänger tödlich verletzt. Beim Wenden hatte ein 81-jähriger Autofahrer im Oktober den Mann angefahren und schwer verletzt. Drei Wochen nach dem Unfall verstarb der 96-Jährige im Krankenhaus.

Ein Radfahrer fiel in Heidenau einem Zusammenstoß mit einem Lkw zum Opfer, der aus einer Einfahrt auf die Straße auffahren wollte. 

Auf der B170 bei Rundteil starb eine 78-jährige Beifahrerin bei einem Frontalzusammenstoß zweier Autos. 

In Kreischa kam eine 49-jährige Fahrerin mit ihrem Motorroller zu Fall und erlag wenig später ihren Verletzungen. Auf der Müglitztalstraße zwischen Glashütte und Schlottwitz stieß ein 60-jähriger Moped-Fahrer frontal in einen Transporter und verstarb an den Unfallfolgen.

Im Unfallatlas nicht aufgeführt ist dagegen der Radfahrer, der im März 2019 auf einem Waldweg zwischen Paulshain und Paulsdorf tödlich verunglückt war, weil es sich nicht um eine öffentliche Straße handelte.

Gefahr für Radfahrer in Pirna

Besonders gefährlich scheint das Radfahren in der Innenstadt von Pirna zu sein. Dort registrierte die Polizei in einem Gebiet zwischen der Brückenstraße und der Clara-Zetkin-Straße 14 Unfälle, bei denen Radfahrer beteiligt waren und verletzt wurden. Zum Glück wurde dabei niemand schwer verletzt.

Offensichtlich ist, dass es kaum extra ausgewiesene Radwege an den meisten dieser Unfallstellen Stellen gibt. Insbesondere an der Maxim-Gorki-Straße gab es schon mal eine Initiative, einen extra Radstreifen auszuweisen. Das ist von der Stadt allerdings wieder verworfen worden.

Die meisten Unfälle passieren freitags

Die Unfallstatistiken werden umfangreich ausgewertet. Demnach ist der Monat Juni der, in dem bundesweit die meisten Unfälle passieren. Bei den Wochentagen ist es der Freitag. Im Tagesverlauf ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, zwischen 14 und 18 Uhr innerhalb von Ortschaften in einen Unfall verwickelt zu werden.

Häufigste Ursache bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden ist im Landkreis 2019 unangepasste Geschwindigkeit gewesen. Das war auch schon im Jahr zuvor so gewesen. Bundesweit sind dagegen Fehler in der Kategorie Abbiegen/Wenden/Ein-/An-/ sowie Rückwärtsfahren. 

Werden drei oder mehr Unfälle gleichen Typs innerhalb eines Jahres an einem bestimmten Ort festgestellt, spricht man in Sachsen von einer leichten Unfallhäufungsstelle (UHS). Ist das über einen Zeitraum von drei Jahren der Fall, gilt das als schwere UHS. Die Unfallkommission des Landkreises berät über Maßnahmen zur Entschärfung der Situation.

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