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Die Kandidaten für den Landtag

Im Wahlkreis 49 stellen sich sieben Personen direkt zur Wahl. Sächsische.de gibt einen Überblick über Themen, Schwerpunkte und Erfahrungen.

Sachsen wählt: Am 1. September wird der siebte Sächsische Landtag gewählt.
Sachsen wählt: Am 1. September wird der siebte Sächsische Landtag gewählt. © Archiv/Norbert Millauer

Am 1. September ist Landtagswahl in Sachen, viele geben bereits jetzt ihre Stimme ab – per Briefwahl. Noch nie war der Ausgang einer Landtagswahl in Sachsen so offen wie dieses Jahr. Vorhergesagt wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und AfD. Wer wird aber das Land regieren? Welche Partei würde mit welcher Bündnisse schmieden, was sind die politischen Lösungsvorschläge? SZ-Reporter Gunnar Klehm stellt die Direktkandidaten des Wahlkreises 49 vor. 

Andrea Dombois, die Beständige

© CDU

Seit über 30 Jahren ist Andrea Dombois Berufspolitikerin. Niemand anderes holte seit der ersten freien Landtagswahl in Sachsen 1990 das Direktmandat im ehemaligen Kreis Dippoldiswalde, dem jetzigen Wahlkreis 49 (Dipps/Altenberg).

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Da fragt sich so mancher, warum sie mit all ihrer politischen Erfahrung noch nicht zur Ministerin oder wenigstens Staatssekretärin aufgestiegen ist. Die steile politische Karriere ist nicht ihre Ambition. Zumal der Posten der Vizepräsidentin des Landtags, den sie seit 1994 innehat, auch verantwortungsvoll ist. Sie nutzt die Möglichkeiten ihres Landtagsmandats intensiv, um im Wahlkreis präsent zu sein, mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Bereits 1979 trat sie in die CDU in der DDR ein, war Ende der 1980er-Jahre Kreisgeschäftsführerin und studierte Staats- und Rechtswissenschaften. Die politischen Umwälzungen 1989/90 bewältigte sie schadlos.

Sollte die 61-Jährige erneut das Direktmandat gewinnen, will sie sich besonders für diese Themen für den Wahlkreis einsetzen: „Das ist als erstes die Innere Sicherheit, insbesondere im Blick auf unsere Grenzregionen; die weitere Gestaltung einer zukunftsorientierten Schul- und Berufsausbildung, um dem Fachkräftemangel in der Tourismuswirtschaft und im Handwerk entgegenzuwirken; eine flächendeckende medizinische Versorgung; besonders im Pflegebereich sowie die frühkindliche Förderung muss weiterhin Gemeinschaftsaufgabe bleiben. Des Weiteren möchte ich mich für den Ausbau einer ausreichenden Wasserversorgung für die Brunnendörfer einsetzen.“

Steffen Wolf, der Pragmatische

© Die Linke

Städtisch leben, aber auch ländlich denken. Das ist das Spannungsfeld, in dem Steffen Wolf in seinem politischen Wirken bestehen muss und will. Seit zehn Jahren ist er Stadtrat in Heidenau und Vorsitzender der Fraktion Die Linke, seit 2014 auch Kreisrat. Zwar gibt es eine starke Bindung an die Landeshauptstadt und einen prosperierenden Speckgürtel, dennoch ist für Wolf der Landkreis eher ländlich geprägt.

Seine pragmatische Art, mit der der gelernte Rohrleitungsbauer nach politischen Lösungen sucht, kommt bei Parteigenossen und Sympathisanten gut an. Wolf ist seit 2008 Parteimitglied. Nun würde er gern das Direktmandat im Wahlkreis 49 (Dippoldiswalde/Altenberg) holen. Sollte es der 55-Jährige in den Landtag schaffen, würde er vorrangig diese Themen angehen: „Ich werde mich vor allem für bessere Lebensbedingungen im ländlichen Raum einsetzen. Dazu gehören: ein breiteres Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs, die Schaffung von Kulturangeboten und eine Infrastruktur mit Kitas und Schulen. Ich setze mich weiterhin für die Einführung von Gemeinschaftsschulen ein, weil damit die Chance besteht, Schulen zu erhalten oder neue Bildungsangebote zu schaffen. Ich kämpfe für die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs in kleinen Gemeinden, auch um älteren Bürgerinnen und Bürgern einen Ort des gegenseitigen Austausches zu ermöglichen. Als Kleingärtner liegen mir Umweltschutz, Naturschutz und – ganz wichtig – Artenschutz am Herzen. Ein schneller Kohleausstieg sowie ein schneller Breitbandausbau ohne Verbrennung von Steuermitteln und der Ausbau der Polizeipräsenz in den Städten und Gemeinden sind für mich auch wichtig.“

Dagmar Neukirch, die Fleißige

© SPD

Große Reden zu schwingen, das ist ihre Sache nicht. Dagmar Neukirch arbeitet lieber intensiv in Fachgremien und kümmert sich dort um Themen wie Pflege und Rente. Seit 2004 ist sie SPD-Mitglied und zog fünf Jahre später über die Landesliste der SPD in den Landtag ein.

Dort fungiert sie als Sozialpolitische, Gesundheitspolitische und pflegepolitische Sprecherin sowie parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion. Statt über Missstände bei Rente und Pflege zu lamentieren sucht sie lieber nach Lösungen. Das kostet Zeit und Kraft und ist für viele Bürger kaum sichtbar. Das ficht sie aber nicht an. Sie will nicht versprechen, sie will machen. In der bestehenden Regierungskoalition mit der CDU ist das aber nicht so leicht, wie anfangs gedacht. Der Koalitionsvertrag ist ein politisches Korsett, das der 47-jährigen Sozialwirtin oftmals zu eng ist. Immerhin war es ihr gelungen, unter anderem einen Runden Tisch Pflege zu etablieren.

Sollte sie erneut in den Landtag gewählt werden, sind das die Themen, die sie für den Wahlkreis angehen will: „Für mich steht das Thema Pflege im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich setze mich aktiv für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege ein – und dass Pflege für alle bezahlbar ist. Alle Menschen müssen sich sicher sein, dass sie eine anständige Pflege erhalten. Dafür brauchen wir ein Pflegewohngeld und eine Pflegevollversicherung. Kommunale Versorgungsstrukturen müssen ausgebaut werden und insbesondere pflegende Angehörige brauchen mehr Unterstützung und soziale Absicherung.“

André Barth, der Widerspenstige

© AfD

Diese Landtagswahl ist für André Barth eine emotionale Achterbahnfahrt mit offenem Ende. Der AfD-Landtagsabgeordnete muss sich nicht nur der Konkurrenz, sprich anderen Bewerbern, stellen, sondern hat auch innerparteilich scharfe Kritiker. Erst wurde ihm die AfD-Direktkandidatur für den Wahlkreis 49 (Dippoldiswalde/Altenberg) streitig gemacht. Barth ging im zweiten Anlauf als Sieger hervor. Als die Landeswahlkommission dann nur die ersten 18 Kandidaten der Landesliste zulassen wollte, gab es den zweiten Schreckmoment. Barth steht auf Platz 20. Nach einer Verfassungsbeschwerde ist die Liste mindestens bis Platz 30 zugelassen. 20 Mandate gelten nach Prognosen als sicher. Ob der 49-Jährige dabei ist, hängt aber auch von gewonnenen Direktmandaten ab. Barth ist seit April 2013 Mitglied der AfD. Der gelernte Facharbeiter für Eisenbahnbetrieb und studierte Jurist ist auch Kreisrat und Stadtrat in Dippoldiswalde.

Wird er erneut in den Landtag gewählt, sind das seine politischen Positionen: „30 Jahre CDU-Herrschaft in Sachsen haben tiefe Spuren hinterlassen. Der ländliche Raum wurde zugunsten der Ballungsräume vernachlässigt, die finanzielle Lage der Kommunen und des Landkreises ist schlecht. Die Flüchtlingskrise hat dies noch verschärft. Es ist Zeit für einen frischen Wind, für eine Politik, die bürgernah ist und unsere ländlichen Räume im Blick hat. Unsere Kommunen müssen so finanziert werden, dass sie auch ihre Aufgaben erfüllen können.“

Holger Weiner, der Unverfälschte

© SZ/Klehm

Pflanzen und Bäume sind sein Metier. Dabei mag Holger Weiner die Natur aber eher unverfälscht. Er ist selbstständig als Gartenberater mit Schwerpunkt Streuobst beziehungsweise Baumpflege tätig. Das sind einerseits ganz private Entscheidungen, die zur Anlage von Obstwiesen führen. Weiner ist aber auch überzeugt, dass klare politische Vorgaben unabdingbar sind, um Artenvielfalt in der Natur und Obstsorten im Speziellen zu erhalten. Dafür fand er Gleichgesinnte bei Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2004 ist er in der Partei. Dort ist der umgängliche 56-Jährige seit sechs Jahren Sprecher des Kreisverbandes sowie Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Ökologie und Landwirtschaft. Das sind Ehrenämter. Nun würde er gern für den Wahlkreis 49 (Dipps/Altenberg) Abgeordneter werden. Vor den Veränderungen zu warnen, die Folgen der Klimaveränderung sind, ist für ihn keine Angstmache, weil vieles wissenschaftlich nachgewiesen sei.

Sollte er in den Landtag gewählt werden, würde er sich besonders für diese Themen einsetzen: „Mein spezielles politisches Thema hängt sehr eng mit meinem Beruf beziehungsweise meiner Tätigkeit zusammen. Ich möchte ,enkeltaugliche Politik‘ im Bezug auf die Erhaltung der natürlichen Umwelt und Ernährung machen. Das ist wesentlich mehr als die Themen Naturschutz, Landwirtschaft, Kohleausstieg etc. Wenn wir es in den nächsten 20 Jahren nicht schaffen, ein konsequentes Umdenken in der Bevölkerung und der Politik zu erreichen, wird es schwer, notwendige Maßnahmen einzuleiten, um die Zukunft für weitere Generationen zu erhalten.“

Peter Weinholtz, der Sachliche

© Archiv/Marko Förster

Als passionierter Angler hat er Geduld und kann auf den passenden Moment warten. Peter Weinholtz will in der Politik aber nicht länger zusehen, sondern bewirbt sich um das Direktmandat im Wahlkreis 49 (Dippoldiswalde/Altenberg). Bei öffentlichen Terminen tritt er gern mit seinem Markenzeichen, der Fliege, auf. Sachlich erklärt er seine Haltung zu aktuellen politischen Themen und wirkt dabei sehr aufgeräumt und strukturiert. Er arbeitet als Richter am Landessozialgericht und ist im Ehrenamt Vorsitzender eines Anglervereins. In die FDP ist der 61-Jährige 2017 eingetreten und wurde von der Partei gleich in mehrere Ämter gewählt. Er ist Beisitzer im Kreisvorstand und Mitglied im Landesparteirat. Seine Kompetenz ist in zahlreichen Fachausschüssen gefragt, in Innenpolitik und Recht/Wirtschaft/Europa und Internationale Politik/Arbeit und Soziales/Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zu alledem ist er auch noch Vorsitzender des Vereins der Liberalen Arbeitnehmer Sachsen.

Sollte er in den Landtag gewählt werden, sind das die Themen, für die er sich besonders einsetzen möchte: „Stärkung des ländlichen Raums: Ausbau der Infrastruktur (Straßen, (Rad-)Wege, Breitband Mobilfunk); Anreize für Familien schaffen, sich niederzulassen, etwa mit der Förderung der Sanierung älterer Wohnbauten; Stärkung der Handwerkerschaft, Klein- und Mittelstandsbetriebe, auch durch Neuansiedlung; Stärkung des Ehrenamts, insbesondere in Feuerwehr und Rettungsdienst; Anreize schaffen für erweiterte Dorfläden mit mobiler/tageweiser Nutzung durch Einzelhandel, Arzt, Apotheke, Bank; Landespflegegesetz, Landeselterngeld.“

Thomas Kirsten, der Selbstbewusste

© Archiv/Andreas Weihs

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Die Landeszentrale für politische Bildung lädt heute Abend gemeinsam mit der SZ zu einem Wahlforum nach Freital ein. Fragen aus dem Publikum sind willkommen.

Politik hat für Thomas Kirsten viel mit Vertrauen zu tun. Was vor der Wahl gesagt wird, würden die Freien Wähler auch eins zu eins umsetzen. Das ist eine selbstbewusste Ansage. So kennt man den 65-Jährigen. Der Diplomingenieur für Maschinenbau ist seit 1990 Bürgermeister der Stadt Altenberg, hat sich mit seiner forschen Art nicht nur Freunde gemacht, aber einiges bewegt. Er will den Menschen in der Region eine sichere Perspektive geben, das gelte in der Grenzregion insbesondere. Sollte er in den Landtag einziehen, hat er konkrete Forderungen, die er umsetzen will: „In der Fläche brauchen wir weit mehr als die angekündigten 1 000 zusätzlichen Polizisten. Polizeiposten müssen rund um die Uhr besetzt sein. Es gibt Vandalismus in Grenzregionen und Diebstähle. Die Einfuhr von Betäubungsmitteln ist ein Hauptthema an Schulen und dafür brauchen wir eine starke Bundespolizei. Bürokratieabbau, um den Mittelstand zu stärken; höhere Fördersätze für Investoren im ländlichen Raum; schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Auflagen; kostenlose Kitas, kostenloser Hort; Schulen vor Ort; auskömmliche Pflegeversicherung; attraktiver ÖPNV mit mehr Taktzeiten; zusätzliche Rentenpunkte für Ehrenamtler wie Feuerwehrleute; Anreize für Ärzte, sich im ländlichen Raum niederzulassen; Asylbewerber mit Aufenthaltsstatus integrieren, ohne Status schnell in sichere Heimatstaaten zurückführen.“

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