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Riesaer Nudelwerk an der Kapazitätsgrenze

Die Nachfrage ist wegen der Hamsterkäufe vier- bis fünf Mal höher. Die neuen Chefs Jakob Hess und Mike Hennig wollen die Teigwaren-Produktion effizienter machen.

Jakob Hess (l.) und Mike Hennig sind die neuen Geschäftsführer im neuerdings ausgegliederten Nudelcenter und bei den Teigwaren Riesa.
Jakob Hess (l.) und Mike Hennig sind die neuen Geschäftsführer im neuerdings ausgegliederten Nudelcenter und bei den Teigwaren Riesa. © Sebastian Schultz

Riesa. Die Maschinen stehen derzeit nicht still. Im wahrsten Sinne des Wortes am Fließband werden derzeit an der Merzdorfer Straße Spaghetti, Spirelli und andere Nudeln produziert. Vier- bis fünfmal so groß wie sonst ist die Nachfrage aufgrund der derzeitigen Hamsterkäufe

Für Teigwaren-Geschäftsführer André Freidler ist das allerdings nicht bloß Grund zur Freude. Man könne derzeit schwer abschätzen, wie es weitergeht, wenn das neuartige Corona-Virus keine Rolle mehr spielt - und die Leute von den angelegten Vorräten zehren. Gleichzeitig kommen die Teigwaren in Riesa derzeit an ihre Kapazitätsgrenzen. Wegen des Virus gibt es bis auf Weiteres keine Führungen mehr durch das Werk. Man könne sich schlichtweg keinen Produktionsausfall leisten, heißt es vom Unternehmen. 

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80 bis 90 Tonnen Nudeln können in Riesa täglich produziert werden. Mittelfristig wollen die Teigwaren größere Mengen an seine Kunden liefern können. "Wir wollen die Weichen für die Zukunft stellen", erklärt André Freidler. Seit wenigen Wochen arbeiten dafür zwei neue Geschäftsführer an seiner Seite. Jakob Hess leitet das nun ausgegliederte Nudelcenter, Mike Hennig gemeinsam mit André Freidler den produzierenden Teil der Teigwaren. Erfahrungen im Management haben beide schon gesammelt. Als gebürtiger Hallenser kannte Mike Hennig die Riesaer Nudeln schon. "Es ist eine gute Marke", sagt er. Ohnehin gehöre Veränderung zu seinem Beruf: Er sei auf der Suche nach einer neuen Herausforderung gewesen, macht der 52-Jährige deutlich. 

100 Jahre alte Bausubstanz

Der neue Chef des Nudelcenters dagegen kannte André Freidler über einen gemeinsamen Geschäftsfreund, sagt er. Im Zuge der geplanten Umstrukturierungen waren die beiden in Kontakt gekommen. Er habe lange Zeit Erfahrung im Maschinen- und Anlagenbau, darüber hinaus aber auch Veranstaltungen federführend organisiert. 

Dem personellen und organisatorischen Umbau soll über die kommenden Jahre hinweg auch der technische folgen. Die Marke "Nudeln aus Riesa" soll weiter wachsen, bekannter werden. "Die bauliche Substanz hier geht bis ins Jahr 1914 zurück", erklärt Mike Hennig. Die Technik sei ebenfalls in Teilen historisch. Das neuere der beiden Werkgebäude ging 2007 in Betrieb. Danach fanden lediglich kleinere Investitionen statt.  "Das wird die nächsten zehn Jahre nicht reichen", sagt Mike Hennig. Wer heute nicht im Billigsegment unterwegs sein wolle, der müsse flexibel sein, 30 bis 50 Artikel produzieren können. 

Der Energieverbrauch sei ebenfalls ein Thema. "Wir brauchen hier in Riesa viel Dampf", erklärt Mike Hennig. Schon um Kosten zu sparen, sei man gezwungen, zu investieren. Schnellschüsse will sich die neu zusammengesetzte Geschäftsführung aber nicht erlauben. "Das sind riesige Maschinen, die baut man nicht alle paar Jahre einfach so neu auf", betont Mike Hennig. 

Sommerpause für Reparaturen

Bis neue Anlagen kommen, lassen sich zumindest die Wartungspausen anpassen. In den Sommerferien sollen die Anlagen in den beiden Riesaer Werken zwei Wochen lang stillstehen. "Es geht uns darum, präventiv zu warten", sagt Jakob Hess. Damit sollen ungeplante Ausfallzeiten verhindert werden, die Produktion insgesamt effizienter werden. Parallel dazu will Jakob Hess das touristische Angebot im Nudelcenter stärken. Ob das etwa durch verlängerte Öffnungszeiten geschehen soll oder durch zusätzliche Veranstaltungsangebote, ist offen. "Wir arbeiten da noch am Feintuning", erklärt der 61-Jährige. 

Das Riesaer Unternehmen blickt insgesamt auf ein turbulentes Jahr zurück. 2019 hatte die Belegschaft mehrfach gestreikt. Ausgestanden ist das Thema nicht: Derzeit wird über die Entgelte verhandelt, die Friedenspflicht endet am 31. März. Das Führungstrio gibt sich zuversichtlich, was die weiteren Verhandlungen angeht. "Es gibt einen konstruktiven Austausch, es ist keine Eskalation in Sicht", sagt André Freidler. In den vergangenen Monaten seien die Verhandlungen mit der Gewerkschaft NGG nicht immer einfach verlaufen. "Das weiß glaube ich jeder."  Mittlerweile habe man aber eine andere Basis geschaffen. Freidler verweist darauf, dass die Löhne mittlerweile um zwölf bis 15 Prozent angehoben wurden. Innerhalb eines Jahres sei extrem viel passiert. 

Kompromiss ist noch nicht in Sicht

Langweilig wird es wohl auch in den kommenden Wochen nicht. NGG-Verhandlungsführer Thomas Lißner hatte sich erst jüngst kritisch über die Ausgliederung des Nudelcenters geäußert. Auch was die Entgelt-Gruppen angehe, sei man von einem Kompromiss noch entfernt. "Ich habe noch große Bedenken, in vielen Punkten liegen wir noch weit auseinander."

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Auch die beiden neuen Geschäftsführer reagieren bei dem Thema gelassen. "Beide Seiten haben ihre berechtigten Standpunkte", sagt Mike Hennig. Man müsse aber auch schauen, was möglich sei. "Im Moment ernähren wir mit dem Werk in Riesa rund 1.000 Menschen. Wir haben auch nichts dagegen, 2.000 zu ernähren." Aber das brauche eben Zeit. 

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