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Das sind Dresdens ärgerlichste Ampeln

Der K(r)ampf auf den Straßen ist stets auch an die Frage gekoppelt, wer Vorfahrt hat. Fußgänger, Radfahrer, Autos? Regeln sollen das unter anderem Lichtsignalanlagen, kurz Ampeln. Doch davon gibt es mittlerweile viele: 468, fast fünf Mal so viele wie zu DDR-Zeiten.

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Von John Hennig

Der K(r)ampf auf den Straßen ist stets auch an die Frage gekoppelt, wer Vorfahrt hat. Fußgänger, Radfahrer, Autos? Regeln sollen das unter anderem Lichtsignalanlagen, kurz Ampeln. Doch davon gibt es mittlerweile viele: 468, fast fünf Mal so viele wie zu DDR-Zeiten. Sind das zu viele?

Ja, findet Markus Löffler vom ADAC Dresden. Er wollte sich in einem SZ-Bericht aber nicht darauf festlegen, wie viele und welche es seien. Das müsste einmal ordentlich geprüft werden. Mehr als 30 SZ-Leser haben ihm nun schon ein wenig geholfen und die für sie ärgerlichsten Ampeln im Stadtgebiet genannt. Sie skizzierten ihre täglichen Probleme an 47 Lichtsignalanlagen – egal, ob aus Fußgänger-, Fahrrad- oder Autofahrersicht.

Mehrfach wurde die Steuerung entlang viel befahrener Haupttrassen, besonders der Kohlenstraße, Stauffenbergallee oder Königsbrücker Straße kritisiert, auf denen Autofahrer nur selten freie Fahrt haben. Darüber hinaus schilderten die Dresdner weitere Problemfälle, von denen wir fünf exemplarisch vorstellen:

Beispiel 1: Stübelallee

Leser Werner Scheele findet es bedenklich, dass Fußgänger in Höhe der VW-Manufaktur geradezu dazu verleitet werden, bei Rot zu gehen. Der fließende Verkehr werde stadtauswärts durch die Ampelanlage am Straßburger Platz, stadteinwärts „durch Ampeln am Comeniusplatz und an der Wintergartenstraße, vor allem aber durch die unmittelbar vor dem Fußgängerübergang einbiegenden drei Straßenbahnlinien (4, 10, 12) so häufig unterbrochen“, dass Fußgänger dort nach kurzer Wartezeit ohne Gefahr die Straße überqueren könnten. „Und zwar zumeist nach kürzerer Zeit, als die Ansprechdauer der Ampelanlage ausmacht“, schreibt Scheele. Es sei deshalb sehr oft zu beobachten, „dass ankommende Fußgänger den Ampelknopf betätigen, jedoch nach kurzer Zeit keine Fahrzeuge mehr sehen und dann die Straße bei Rot überqueren; wenn dann die Ampel schaltet, sind häufig gar keine Fußgänger mehr vorhanden.“

Beispiel 2: Marienbrücke

Direkt hinter der Marienbrücke in Richtung Hauptbahnhof verzweifelt Elke Postler regelmäßig: Obwohl sie täglich die Ampelkreuzung auf der Könneritzstraße überquere, kann sie bis heute nicht verstehen, „warum die Rechtsabbiegespur öfter Grün zeigt als die Geradeausspur. Und wenn man Grün hat, stauen die Fahrzeuge von der nächsten Ampel zurück und man kann wieder nicht fahren.“

Beispiel 3: Albertplatz

Seit Jahren bereits ärgern sich Fußgänger über die Situation am Albertplatz. Stellvertretend schreibt Leser Andreas Meier: „Es ist unmöglich, beide Fußgängerampeln während einer Ampelphase am Stück zu queren“, schreibt Meier. Brigitte Bringezu ergänzt: „Die Ampelphase Rot ist für Fußgänger und Fahrradfahrer, die zu den Haltestellen der Linien 3, 7 und 8 wollen, absolut unverhältnismäßig. Während der linksabbiegende Autoverkehr schon lange fließt und die kurze Fußgängerüberquerung dadurch geradezu schützt, steht die Ampel für die kleine Überquerung für Fußgänger und Fahrradfahrer unverdrossen auf Rot.“ Beide ziehen aber unterschiedliche Konsequenzen. Meier bemängelt, dass sich „zu bestimmten Zeiten Trauben von hundert Menschen, die sich umweltgerecht fortbewegen“, bilden, die dann gemeinsam „warten müssen“. Bringezu schlussfolgert: „Die rote Ampel wird von den täglichen Benutzern in diesem Frequenzbereich einfach nicht mehr ernst genommen.“

Beispiel 4: Gompitzer Höhe

Die Schaltung an der Zufahrt zum Praktiker-Markt an der Gompitzer Höhe ist für Gert Rienecker eine der ärgerlichsten: „Die Hauptstraße wird mit Rot ausgebremst, obwohl die Straßenbahn Grün hat und demzufolge auch die Seitenstraßen mit Rot belegt sind.“ Rienecker findet, der Geradeaus-Verkehr könne deshalb doch gleichzeitig mit der Straßenbahn auf der Hauptstraße Grün bekommen: „Aber nein, nach der Straßenbahn bekommt erstmal wieder der Querverkehr Grün und die Hauptstraße wartet auf die nächste Grünphase.“

Beispiel 5: Bautzner Landstraße

Wie der Albertplatz ist auch die Ecke von Bautzner Landstraße und Grundstraße schon länger ein Aufreger. Manfred Teuschner findet, dass selbst Veränderungen nicht geholfen haben: „Der Linksabbiegerpfeil, um aus Richtung Ullersdorfer Platz in die Grundstraße abzubiegen, wurde nahezu stillgelegt. Dieser Unsinn zwingt täglich Tausende Berufspendler in einen Stau auf der B6 bis Weißig. Bis zur Umprogrammierung der Ampel vor etwa einem Jahr gab es so etwas hier nicht mal ansatzweise.“

Vorschläge der Leser: Kreisverkehr und Zebrastreifen

Zudem schlugen die SZ-Leser allgemeine Verbesserungen für die Verkehrssteuerung vor. Sie fragten, warum die Stadt Dresden nicht auf mehr Kreisverkehr setzt, der sich im Ausland bewährt hätte oder auf Fußgängerüberwege, von denen es früher mehr gegeben habe. Schließlich wünscht sich Michael Ton sogar eine weitere Ampel: auf der Hansastraße in Höhe des Öffentlichen Weges 59. Dort verläuft der Schulweg zum Pestalozzi-Gymnasium. Und neben dem öffentlichen Nahverkehr haben gerade auch junge und alte Menschen im Verkehr meistens Vorrang.

Lesen Sie morgen in der SZ, wie Dresdens Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz die Verkehrssteuerung bewertet.