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Das sind Dresdens erfolgreichste Geschwister

Leonie und Elrond Kullmann starten fürs Nationalteam, aber in verschiedenen Sportarten – und gehen oft getrennte Wege.

Leonie und Elrond Kullmann sindim Wasser sehr erfolgreich – sie als Schwimmerin, er als Ruderer.
Leonie und Elrond Kullmann sindim Wasser sehr erfolgreich – sie als Schwimmerin, er als Ruderer. © Jürgen Lösel

Einen Termin für ein Treffen hinzubekommen, ist gar nicht so einfach. Die beiden sind immer unterwegs, auf der ganzen Welt. Leonie Kullmann studiert in den USA, startete kürzlich bei der Universiade in Neapel. Bruder Elrond kommt gerade von der Junioren-WM in Tokio zurück. Aber nun ist die Saison für beide vorbei. Dresdens erfolgreichste Geschwister haben Zeit – zumindest ein bisschen.

Jetzt bietet sich auch eine der seltenen Möglichkeiten, miteinander zu reden. Ein Thema ist dabei zwar kein Tabu, wird aber fast komplett ausgespart: der Sport. „Es ist bei uns einfach so, dass man den anderen machen lässt und keine Tipps gibt“, erzählt Elrond, der 17 ist und damit zwei Jahre und drei Monate jünger als seine Schwester.

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Dabei bestimmt Sport ihr Leben, und beide kommen täglich mit Wasser in Kontakt: Leonie schwimmt, Elrond rudert – und das richtig gut. Für die Spiele in Rio de Janeiro 2016 konnte sich Leonie bereits mit 16 qualifizieren. In einem Jahr möchte sie wieder zu Olympia, diesmal nach Tokio. Dort wurde ihr Bruder gerade Junioren-Weltmeister im Doppelvierer.

Das Talent haben beide geerbt. Dies ist in ihrem Fall nicht nur eine Floskel, sondern lässt sich belegen. Vater Raik war Nordischer Kombinierer in Oberwiesenthal. Mutter Anke fuhr erst Bahnrad, startete nach der Wende dann für die Triathlon-Nationalmannschaft. „Sport war in unserer Familie einfach gesetzt“, sagt Elrond. „Wir Kinder haben alles mal ausprobiert.“ Er begann mit Sportakrobatik, versuchte sich beim Taekwondo. Beim Mountainbiken brach er sich dreimal das Schlüsselbein. Dann war es den Eltern zu viel. Selbst ins Schwimmbecken sprang er, allerdings „nur zwei, drei Wochen lang. Das Wasser war mir einfach zu kalt.“

Die Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Leonie begann auch als Sportakrobatin. Als Schwimmerin hatte sie mehr Talent, aber nicht immer Lust zum Training. „Mit 13 hat man auch andere Dinge im Kopf. Da haben die Eltern schon aufgepasst, dass ich regelmäßig in die Halle gehe. Entweder ganz oder gar nicht – das war ihr Motto“, erzählt die 19-Jährige. Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt. Bei der musischen Ausbildung gab es mehr Nachsicht. Als Leonie mit dem Klavierspielen aufhörte, fing Elrond an, weil das Instrument nun mal da war und genutzt werden sollte. Die jüngeren Geschwister müssen eben mitunter nicht nur die Kleidung zweitverwerten.

So richtig harmonisch lief es zwischen beiden nicht. Sie erinnern sich an einige Streits, zum Beispiel, wenn es um die Rollenverteilung beim Kochen ging. Beim Klassiker Spaghetti Carbonara übernahm Leonie die Nudeln, während Elrond geduldig die Käsesoße rühren musste. Er empfand das damals als ungerecht. „Ich war halt die Ältere“, sagt Leonie und muss darüber immer noch schmunzeln.

„Besser wurde es, als sie in die USA ging“, erzählt er. Im Sommer 2017 zog Leonie nach Tuscaloosa, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Alabama, um dort Ingenieurwesen im Bereich Infrastrukturplanung, Architektur und Umwelt zu studieren. Das unterbricht sie jetzt für ein Jahr. Am Stützpunkt in Berlin will Leonie sich auf die Olympiaqualifikation konzentrieren. Nebenbei absolviert sie ein Freiwilliges Soziales Jahr bei ihrem Verein SG Neukölln. Bei der deutschen Meisterschaft vor drei Wochen hatte Leonie ihren ersten Einsatz als FSJlerin. Sie schrieb neben ihren Starts Texte für die Pressemitteilungen.

Gegenseitig bei Olympia anfeuern?

Dass Leonie irgendwann mal über ihren Bruder vom Dresdner Ruderclub schreibt, ist eher unwahrscheinlich, auch wenn die Entfernung zwischen den Geschwistern nun deutlich geschrumpft ist. Training, Schule, Wettkämpfe, Lehrgänge – so richtig Zeit, die Karriere des anderen zu verfolgen, bleibt da kaum. „Ich habe bei zwei Regatten mal zugeschaut, bin aber noch nie in ein Ruderboot gestiegen“, sagt sie. „Und ich war nur einmal bei einem Wettkampf von ihr dabei“, erinnert sich Elrond, der seinen Namen wohl der Herr-der-Ringe-Trilogie zu verdanken hat.

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Kurz vor seiner Geburt kam die erste Romanverfilmung in die Kinos. „Meine Eltern kannten auch die Bücher schon.“ Ein gegenseitiges Anfeuern wäre bei Olympia in einem Jahr in Tokio möglich. Für Leonie wären es die zweiten Spiele, doch die kommen für ihren Bruder, der am Dresdner Sportgymnasium in die 12. Klasse geht, noch zu früh. „Mein Ziel im nächsten Sommer ist die U-23-EM. Zwischen mir und den Olympiakandidaten liegen noch Welten“, sagte er. Mit 16 zu den Spielen wie seine Schwester – bei den Ruderern ist das undenkbar.

Ist Schwimmen also viel einfacher? „Nein“, widerspricht Leonie, „die körperliche Belastung ist bei beiden Sportarten ähnlich hoch, der Schwerpunkt aber ein anderer.“ Ihr Bruder nickt zustimmend. Die beiden sind sich einig.

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