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Das sind Dresdens gefährlichste Straßen

Mehr als 2.000 Menschen sind vergangenes Jahr bei Verkehrsunfällen in Dresden verletzt worden. Wo es besonders oft gekracht hat und wo es Tote gab.

Die Antonstraße gilt als besonders gefährlich. Hier sind im vergangenen Jahr viele Unfälle passiert.
Die Antonstraße gilt als besonders gefährlich. Hier sind im vergangenen Jahr viele Unfälle passiert. © Sven Ellger

Dresden. Jahr für Jahr verunglücken Tausende Menschen auf Dresdens Straßen. Allein im vergangenen Jahr wurden bei Unfällen 2.617 Verkehrsteilnehmer verletzt, mehr als 400 von ihnen schwer. Nun haben das Statistische Bundesamt und die Polizei den neuen Unfallatlas veröffentlicht. Er verrät, wo Unfälle mit Verletzten passierten. In Dresden stechen einige Straßen besonders hervor.

Wo passieren die meisten Unfälle?

Auf Platz eins der unfallreichsten Straßen landet die Antonstraße, die vom Albertplatz auf die Marienbrücke führt. Dort knallte es 23-mal. Unfallschwerpunkt war die Kreuzung vorm Neustädter Bahnhof, der Schlesische Platz. Es krachte hauptsächlich zwischen Autos sowie zwischen Autos und Radfahrern. Glücklicherweise kamen fast alle mit leichten Verletzungen davon.

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Den zweiten Platz nimmt der Albertplatz ein. Genau 22 Unfälle listet der Atlas für das vergangene Jahr auf, zwei mehr als 2018 und neun mehr als 2017. Bei acht von diesen Unfällen gab es Schwerverletzte. Das heißt, die Verletzten mussten mindestens 24 Stunden im Krankenhaus versorgt werden. Nur zweimal krachte es zwischen Pkw. Die meisten Konflikte gab es zwischen Autos und Radfahrern, insbesondere dort, wo der Radweg die Nebenstraßen der Inneren Neustadt kreuzt - die Königstraße und die Theresienstraße zum Beispiel.

Überhaupt sind die großen Kreuzungen in Dresden Unfall-Hotspots. Dazu gehören der Strehlener Platz mit 15 Unfällen im vergangenen Jahr, der Pirnaische Platz mit 11 Unfällen, der benachbarte Georgplatz mit 9 Crashs, aber auch die südliche Kreuzung an der Autobahnauffahrt Prohlis, wo 2019 ebenfalls 9 Zusammenstöße gezählt wurden.

Wo sind mehr Unfälle gezählt worden als im Jahr zuvor?

Der bereits erwähnte Strehlener Platz gehört zu den Kreuzungen, auf denen es deutlich mehr Unfälle gibt als in den vergangenen Jahren. 2018 waren dort lediglich sechs Unfälle mit Verletzten gezählt worden, was neun Unfälle mehr ergibt.

Als einigermaßen sicher galt bisher die Kreuzung Washingtonstraße/Peschelstraße am Elbepark, wo Autofahrer die A 4 hinauffahren. Nur einen Unfall mit einem Leichtverletzten gab es dort im vorletzten Jahr. 2019 krachte es dagegen sechsmal.

Mehr Unfälle gab es auch auf der Leipziger Straße in Höhe der neuen Pieschener Markuspassage. Auch dort listet der Atlas sechs Unfälle auf - deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

Mit am stärksten ist die Zahl der Unfälle aber auf der Großenhainer Straße zwischen der Kreuzung Hansastraße und dem Großenhainer Platz gestiegen. Insgesamt acht Unfälle in den Jahren 2017 und 2018 stehen elf Unfällen im vergangenen Jahr gegenüber. An acht dieser Unfälle waren Radfahrer beteiligt, an sieben Autos. Das Ergebnis: mindestens vier Schwerverletzte.

Mehr Unfälle gab es auch auf der Bautzner Landstraße zwischen dem Ullersdorfer Platz und der Grundstraße (2019: 11; 2018: 7) sowie auf der Löbtauer Straße zwischen Wernerstraße und Altonaer Straße (2019: 11; 2018: 2).  

Wo kamen Menschen ums Leben?

Sieben Menschen verloren im vergangenen Jahr auf Dresdens Straßen ihr Leben, drei Autofahrer, drei Radfahrer und ein Fußgänger.

Ein Autofahrer starb im Februar auf dem Strehlener Platz. Dieser darf zwar als Unfallschwerpunkt bezeichnet werden. Allerdings stand der 20-jährige Syrer vermutlich unter Alkoholeinfluss. Er hatte auf einer Party die Fahrzeugschlüssel zu dem BMW gestohlen, raste in Richtung Zentrum. Am Strehlener Platz verlor er wahrscheinlich wegen stark überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über den BMW, fuhr geradeaus auf die Grünfläche und prallte dort gegen einen Baum. Das Auto wurde vollständig zerstört. Rettungskräfte befreiten den Mann aus den Trümmern und reanimierten ihn. Dennoch starb er später im Krankenhaus.

Ebenfalls im Februar starb eine Autofahrerin beim Zusammenstoß mit einer Straßenbahn auf der Kreuzung Karcherallee/Stübelallee am Großen Garten. Bei dem Aufprall wurde sie aus dem Auto geschleudert.

Von einer Straßenbahn erfasst wurde auch ein Mann in Prohlis. Der Fußgänger wollte im Februar die Gleise am Jacob-Winter-Platz überqueren und übersah dabei offenbar die Bahn.

An der Leubener Kiesgrube verlor im März ein 78-Jähriger das Leben. Er war mit seinem Wagen auf der Pirnaer Landstraße unterwegs. Im Haltestellen-Bereich kam er nach links von der Fahrbahn ab und stieß gegen ein Haltestellenzeichen. Der Mann wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wo er wenig später verstarb.

Im Hechtviertel wurde im Mai ein Radfahrer getötet, als er auf der Stauffenbergallee unterwegs war. Der 54-Jährige wurde beim Passieren der Kreuzung Rudolf-Leonhard-Straße von einem Laster erfasst und starb noch an der Unfallstelle. 

Auf der Kreuzung Stauffenbergallee/Rudolf-Leonhard-Straße in Dresden starb im vergangenen Jahr ein Fahrradfahrer.
Auf der Kreuzung Stauffenbergallee/Rudolf-Leonhard-Straße in Dresden starb im vergangenen Jahr ein Fahrradfahrer. © Archiv: Roland Halkasch

In der Südvorstadt erinnert ein weißes Geisterfahrrad an einen Radfahrer, der im Juli des vergangenen Jahres sein Leben auf der Kohlenstraße in der Nähe der Aral-Tankstelle verlor. Der 66-Jährige war mit einem Pedelec unterwegs. An der Kreuzung Innsbrucker Straße wollte ein VW-Fahrer neben ihm nach rechts abbiegen. Der Radfahrer bremste und fiel. Dabei zog er sich schwerste Verletzungen zu und starb noch an der Unfallstelle.

Auf dem Rad war – ebenfalls im Juli – ein 59-Jähriger unterwegs. Auf der Cunewalder Straße in Bühlau rollte plötzlich ein geparkter Volvo auf den Mann zu und erfasste ihn. Er geriet unter das Auto und starb an der Unfallstelle.

Ist es irgendwo auch sicherer geworden?

Ja, wenn man die Sicherheit an der Zahl der Unfälle festmacht. Das gilt zum Beispiel für die großen Kreuzungen auf der St. Petersburger Straße. Auf dem Pirnaischen Platz sind im vergangenen Jahr fünf Zusammenstöße weniger gezählt worden, auf dem Rathenauplatz an der Synagoge waren es ebenfalls fünf weniger. Auch wenn es auf der Antonstraße sehr oft kracht, so ist auch dort die Zahl der Unfälle zurückgegangen. Vergangenes Jahr waren es acht weniger.

Die Zahl der Unfälle ist 2019 im Vergleich zum Vorjahr von 14.244 auf 14.154 leicht gesunken, die Zahl der Verletzten sank ebenfalls leicht von 2.671 auf 2617.

Und wie sieht es auf der Budapester Straße aus?

Die vierspurige Straße, die von Plauen ins Zentrum führt, befand sich in den vergangenen Tagen oft in den Schlagzeilen. Denn am vorletzten Wochenende wurde dort ein sechsjähriger Junge von einem Auto erfasst und tödlich verletzt, als er die Straße überqueren wollte. Die Sächsische Zeitung hat die Magistrale in zwei Abschnitte geteilt - den Bereich zwischen Nürnberger und Schweizer Straße, wo das Kind starb, sowie den Bereich zwischen Schweizer Straße und Dippoldiswalder Platz. Auf dem ersten Abschnitt gab es im vergangenen Jahr 15 Unfälle (plus 1) mit Personenschaden, viele davon auf oder an der Kreuzung zur Nürnberger Straße. In fast alle Unfälle waren Autos verwickelt, in drei Fußgänger, in neun Radfahrer. 

Auf dem zweiten Abschnitt zeigt der Atlas 13 Unfälle auf (plus fünf), wobei immer ein Auto beteiligt war. Darüber hinaus waren bei sieben Unfällen auch Radfahrer involviert. Raserei ist zumindest bis in die frühen Abendstunden nicht die Regel auf der Budapester Straße, wie ein Test der SZ zeigte

Allerdings rennen Fußgänger oft an Stellen über die Fahrbahn, an denen es nicht sicher ist. Auch das hat eine SZ-Recherche ergeben.

Was wird für mehr Sicherheit im Verkehr getan?

Es gibt viele Maßnahmen. So beraten Polizei und Stadtverwaltung regelmäßig, wo Blitzer einen Sinn ergeben, wenn Raserei für eine Reihe von Unfällen verantwortlich war. Die neuesten Blitzer befinden sich an der Lommatzscher Straße in Richtung Dreysigplatz sowie in Striesen an der Ecke von Schlüter- und Hepkestraße.

Für mehr Sicherheit von Radfahrern sollen die Radstreifen entlang der Albertstraße sorgen. An der Bautzner Straße sind zwischen Rothenburger Straße und Albertplatz bereits Radwege entstanden, wenngleich deren Verlauf bis heute in der Kritik steht. Auch die Wernerstraße hat in den Sommerferien beidseitig einen Schutzstreifen für Radfahrer erhalten.

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Insbesondere Kinder waren im vergangenen Jahr sicherer unterwegs. Dagegen sind mehr Fahrer unter Alkohol und Drogen ins Auto gestiegen.

Bislang nicht angefasst wurden Verkehrsführung und Ampelschaltung auf dem Pirnaischen Platz, dem Albertplatz, dem Schlesischen Platz sowie auf dem Strehlener Platz.

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