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„Das sind meine Helden“

Am Sonnabend wurden in Chemnitz die „Sachsen Asse 2003“ gekürt: Menschen, die Außergewöhnliches geleistet haben. Zu den Preisträgern gehören Nicole Vogel (8) aus Seifersdorf und Rico Ruhland (13) aus Hermsdorf.

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Von Andreas Rentsch

Am Nachmittag des 19. Mai werden die achtjährige Nicole und der 13-jährige Rico zu Lebensrettern. Die beiden fahren mit ihrer Cousine Kathleen durch den Wald zwischen Hermsdorf und Seifersdorf. Sie kommen von einer Geburtstagsfeier. An einer Stelle wird der Weg gefährlich schmal, nur 30 Zentimeter etwa. Die drei schieben ihre Räder langsam vorwärts, als das Unglück passiert. Kathleen rutscht auf dem nassen Laub ab, stürzt kopfüber. Die Böschung ist an dieser Stelle drei Meter tief.

Rico reagiert blitzschnell. Er klettert den Abhang hinunter, zieht seine Cousine aus dem Wasser der Großen Röder. Die ist auf einen Stein gefallen und bewusstlos, atmet aber flach. Nicole rennt los, quer durch den Wald. Auf der Straße trifft sie einen Mann, der in der Nachbarschaft der Familie Ruhland wohnt. Der alarmiert Feuerwehr und Krankenwagen.

Eine halbe Stunde später wird Kathleen mit dem Hubschrauber in die Uni-Klinik ausgeflogen. Ein dickes Hämatom sitzt unter ihrer Schädeldecke, es muss operiert werden. Nach einigen Tagen künstlichem Koma wecken sie die Mediziner auf. Bald steht fest: Kathleen wird wieder gesund.

„Wenn die beiden nicht so schnell reagiert hätten, wäre Kathleen wahrscheinlich ertrunken“, sagt ihre Mutter Ramona Mosch. „Nicole und Rico sind meine Helden.“ Als sie von der Aktion „Sachsen Asse 2003“ hört, schlägt sie die beiden für einen Preis vor. Am Sonnabend entscheidet eine Jury zu Gunsten der beiden Kinder aus dem Rödertal. Vor 600 Zuschauern in der Chemnitzer Stadthalle nehmen Rico und Nicole eine Urkunde und einen Scheck über 2 000 Euro entgegen.

„Wir werden von dem Geld eine Familienfeier ausrichten“, sagt Rico – ein ruhiger Junge, der in der Freiwilligen Feuerwehr mitmacht und in Ottendorf Fußball spielt. Den Rest seines Anteils an dem Preis will er für den Mopedführerschein sparen. Seine Cousine Nicole will lieber „mal reiten gehen“ in Seifersdorf. Beide seien stolz gewesen nach den Ereignissen im Mai, erzählt Andrea Ruhland, Ricos Mutter. „Aber auch sehr blockiert.“ Ihr Sohn sagt warum: „Ich will nur daran denken, dass die Rettung geglückt ist. Nicht an das Unglück.“