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Das sind noch echte Handwerker

Wenn dies zur Tradition würde - das wäre genial“, entfährt es Samstagnachmittag Nicole Naumann aus Fürth. Mitten im Getümmel des 1. Pulsnitzer Pfefferkuchenmarktes testet sie. Auf Geschmack, Glasur, Luftigkeit des Teigs, Marmeladenanteil.

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Von Andreas Kirschke

Wenn dies zur Tradition würde - das wäre genial“, entfährt es Samstagnachmittag Nicole Naumann aus Fürth. Mitten im Getümmel des 1. Pulsnitzer Pfefferkuchenmarktes testet sie. Auf Geschmack, Glasur, Luftigkeit des Teigs, Marmeladenanteil. Auch für ihre Begleiter Niko Katsikis (Fürth) und Andreas Naumann (Freiberg) ist dies eine gute Gelegenheit zum Vergleichen! Vereint doch der Markt – außer vielen Händlern – alle acht Pfefferküchlereien und die Lebkuchen GmbH.

Rundherum rankt sich viel Kultur. „Pfefferkuchendüfte – oft durch Pulsnitz weh`n. Süße Leckerbissen in den Fenstern steh’n“, haben Roswitha Neubarth (Melodie) und Elfriede Rennert (Text) sogar ein richtiges Pfefferkuchenlied auf den Weg gebracht. Und im Schützenhaus kommt derweil „Die Pfefferkuchenfrau“ bestens an. „Es war sofort Stimmung da. Das viele Üben im Vorfeld hat sich gelohnt“, freut sich Horst Philipp, Vorsitzender des Musikvereins Pulsnitz, über den Zuspruch. Vor allem freut er sich für die jungen Leute. Denn über 30 Kinder und Jugendliche haben tänzerisch mitgewirkt. Ihr Beitrag zum 1. Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt – zum ersten dieser Art seit 1558.

„Doch eine Megaverkaufsshow muss nicht sein“, findet Niko Katsikis. Mehr Leute zum Verkauf, mehr Möglichkeiten zum Pfefferkuchen-Kosten, eine klarere Ausschilderung der Parkplätze in der Stadt, auch mehr Chancen zum Pfefferkuchen selber Backen (Kapazität pro Durchgang nur sieben Personen) – all dies wünschen sich seine Begleiter. „Der Eindruck insgesamt ist trotzdem sehr positiv“, unter-streicht Nicole Naumann. Wie sie übt auch Heike Prescher konstruktive Kritik. „Ich hätte mir mehr traditionelles, mehr kunstgewerbliches Handwerk gewünscht. Das ist auf dem Markt nur in Ansätzen da“, schildert die Pulsnitzerin, die vor ihrem Laden Hänsel, Gretel und Hexe originell dekoriert hat. Gleich gegenüber hat Ilka Schulze – eigens zum Pfefferkuchenmarkt – einen Backofen gestaltet.

Kommt der Markt nicht zu früh? „Nach dem Zuspruch zu urteilen nicht“, verneint Ilka Schulze. „Später wäre er wohl ins Gehege gekommen – mit dem Nikolausfest und den Weihnachtsmärkten.“ Das sieht auch Pfefferküchler Wolfgang Kotzsch so. Emsig hat er mit seinen Berufskollegen, Stadt, Gewerbeverein, Kirchengemeinde, Ernst-Rietschel-Kulturring und vielen anderen den Markt organisiert.

„In der deutschen Handwerkerordnung gibt es heute – bis auf die Pulsnitzer Pfefferküchler – keine Lebküchner und Lebzelter mehr“, hat Manfred Liere in seiner Ausstellung „Historische Lebkuchendosen“ im Haus des Gastes vermerkt. Bis 25. Januar ist sie zu sehen.

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