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Das spricht für den Urlaub im Wohnmobil

4.000 Stellplätze für Wohnmobile und 3.000 Campingplätze gibt es bundesweit. In der Krise entdecken viele „Urlaub auf Rädern“ neu. Teil 3 unserer neuen Serie.

Campingfreund mit Kastenwagen: Auf dem Luisenhof im fränkischen Eschau dürfen maximal drei Wohnmobile oder Caravans gleichzeitig stehen.
Campingfreund mit Kastenwagen: Auf dem Luisenhof im fränkischen Eschau dürfen maximal drei Wohnmobile oder Caravans gleichzeitig stehen. © Madlen Krippendorf

Der Luisenhof ist ein Fleckchen Erde, wie ihn sich ruhebedürftige Camper erträumen. Zwei Steinwürfe entfernt grasen Bisons, manchmal hoppelt ein Hase übers Feld. Knorrige Apfelbäume spenden Schatten. Doch, hier am Fuße des Spessarts sei es schon recht idyllisch, sagt Carmen Roth. Die 58-Jährige ist die Mutter der Hofbesitzerin. Ab Dienstag nach Pfingsten will Familie Roth wieder Gäste willkommen heißen. Denn dann soll das Verbot von touristischen Übernachtungen im Freistaat Bayern gefallen sein. 

Einen Haken hat die Sache allerdings: Auf dem Bauernhof existieren nur drei Plätze für Wohnmobile oder Wohnwagen-Gespanne. Und selbst diese Gäste dürfen nur eine Nacht bleiben. So schreiben es die Regeln des Stellplatzführers „Landvergnügen“ vor, in dem der Luisenhof gelistet ist. Das Konzept stammt aus Frankreich, heißt dort „France Passion“ und ermöglicht es, auf dem Privatgelände eines Landwirtschaftsbetriebs jeweils 24 Stunden Herberge zu nehmen. Der Clou daran: Das kostet nichts.

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Heute beim Galloway-Züchter, morgen beim Schnapsbrenner, übermorgen beim Imker: Auch in Deutschland werde das touristische Höfe-Hopping zunehmend populär, sagt Daniela Pensold, die Projektkoordinatorin des Netzwerks. Im Landvergnügen-Führer für 2020 ist die Zahl der Gastgeber auf 828 gestiegen. Im Osten der Republik finden sich allerdings nur 161 Betriebe, die mitmachen. Sachsen ist 18-mal vertreten.

Zugegeben: Für jemanden, der keine Roadtrips mag, dürfte das Konzept ungeeignet sein. Tatsächlich möchte die Mehrheit der Deutschen im Campingurlaub länger als 24 Stunden an einem Ort bleiben. Das belegen Übernachtungszahlen des Statistischen Bundesamts. Heimische Gefilde stehen dabei hoch im Kurs: Laut ADAC haben sich die Buchungszahlen auf dem clubeigenen Portal im Mai mehr als verdoppelt, wenn man sie mit dem üblicherweise buchungsstärksten Monat Januar vergleicht. 

Keine Chance auf A-Lage im Sommer

Auch der Mitteldeutsche Verband der Camping- und Wohnmobilwirtschaft verzeichnet deutlich mehr Anfragen. Natürlich habe das auch mit den nach wie vor bestehenden Reisebeschränkungen innerhalb Europas zu tun, sagt Geschäftsführer Jens Bohge. „Trotzdem muss niemand Angst haben, nur Absagen zu kriegen.“ In A-Lagen wie Kühlungsborn an der Ostsee werde es dagegen kaum noch möglich sein, im Hochsommer ein Plätzchen zu ergattern, so Bohge. Tatsächlich werden Anrufer dort schon per Anrufbeantworter-Ansage abgewimmelt.

Auch auf Vorzeigeplätzen wie der Lux Oase in Kleinröhrsdorf geht während der sächsischen Sommerferien nichts mehr. „Von Mitte Juli bis Mitte August sind wir ausgebucht“, sagt Betreiberin Dagmar Lux. In der Zeit davor und danach seien noch vereinzelt Plätze zu haben. Eine Anfrage lohne sich, sagt Lux, denn: „Manche Familien haben mehrere Eisen im Feuer.“ Sie wisse von Interessenten, die parallel zur Reservierung in Kroatien noch eine weitere in der Lux Oase laufen lassen, um bei geschlossenen Grenzen zumindest in der Heimat verreisen zu können.

Geheimtipps für Camper zum Durchklicken:

Grundsätzlich gelte, dass der Campingtourismus innerhalb von Deutschland keinem einheitlichen Regelwerk folgt, sagt Christian Günther vom Bundesverband der Campingwirtschaft. „Wir gehen davon aus, dass das den Sommer über so bleiben wird.“ Günther rät, nur mit einer verbindlichen Buchung anzureisen und sich vorher beim Platzbetreiber detailliert über geltende Auflagen zu erkundigen. 

Einige Länder, darunter Niedersachsen, haben Auslastungsgrenzen festgelegt. Verfügt beispielsweise ein Areal über 100 Stellplätze, dürfen zunächst nur 50 oder 60 davon belegt werden. Dazu kommen Abstandsgebote an Rezeptionen, in Läden oder auf Spielplätzen, aber auch verschärfte Hygieneregeln in den Sanitärbereichen. „Camper, die eine eigene Toilette und Dusche im Fahrzeug haben, sollten vorrangig diese nutzen“ sagt Günther. 

Solchen Vorgaben machen es all jenen schwer, die mit Auto und Zelt auf Tour gehen. „Zeltcamper sollten unbedingt vor der Buchung in Erfahrung bringen, ob sie die Sanitäranlagen auf dem Platz nutzen können“, sagt Nicole Scheerschmidt vom Buchungsportal www.camping.info.

Laut ADAC haben inzwischen fast alle Bundesländer ihre Campingplätze für Touristen geöffnet. Nach Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die am Montag in die Saison gestartet sind, soll es am Donnerstag auch in Sachsen-Anhalt losgehen. Bayern folgt als letztes Bundesland am 30. Mai. Wann deutsche Camper wieder ins Ausland fahren dürfen, steht dagegen vielerorts noch nicht fest. Italien beispielsweise will ab den 3. Juni Touristen ins Land lassen. Österreich und Tschechien planen, die Grenze zu Deutschland am 15. Juni zu öffnen.

Wohnmobile ab 95 Euro Tagesmiete

Bliebe die Frage, ob Camping-Novizen und Kurzentschlossene überhaupt noch ein Wohnmobil oder einen Caravan gemietet bekommen. Die Aussichten seien gar nicht so schlecht, sagt Stephan Beckmann vom Fachverband Inter Caravaning. Der Grund: Einige Kunden haben im März und April storniert, andere gleich auf 2021 umgebucht. 

Dazu kommt, dass manche Händler ihre im ersten Quartal nicht verkauften Fahrzeuge kurzerhand in den Verleih genommen haben, um dort die höhere Nachfrage zu bedienen. „Die Tagesmieten beginnen in der Hauptsaison bei etwa 95 Euro für Kastenwagen“, schätzt Beckmann. Für vollintegrierte Reisemobile seien dagegen Preise von bis zu 170 Euro pro Tag zu erwarten. Wohnhänger kosten je nach Größe zwischen 45 und 65 Euro pro Nacht, in der Nebensaison etwas weniger.

Regionale Vermieter bestätigen diese Tendenz. „Im Moment gibt es in allen Fahrzeugkategorien noch freie Zeiträume“, sagt Marcel Forger von Schaffer Mobil in Dresden. Zum Beispiel koste ein teilintegriertes Wohnmobil für vier Personen, das im Juni eine Woche lang gebucht wird, rund 1.000 Euro – zumindest für ADAC-Mitglieder. Die kleinste Fahrzeugkategorie im selben Zeitraum schlägt laut Forger mit 850 Euro zu Buche.

Wer in seiner Heimatregion nicht mehr das gewünschte Fahrzeug finde, könne es auch in angrenzenden Bundesländern versuchen, sagt Beckmann. Sein Tipp: „Fragen Sie bei Verleiher an, die auf der geplanten Route zum Urlaubsziel liegen. Dann fahren Sie bis dorthin mit dem Auto und starten ab da mit dem Wohnmobil.“

Sächsische.de-Serie Lust auf Deutschland - diese Episoden sind schon erschienen:

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