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„Das Sterben wird noch zu oft totgeschwiegen“

Für den Park am Hospiz konnte Bauherr Frank Lohse auch Geld von der EU und des Freistaates einsetzen. Minister Schmidt findet: Es ist gut angelegt.

Eiko Weber, Geschäftsführer des Hospizes „Lebenszeit“ in Leisnig (rechts), erklärt Minister Thomas Schmidt, was es mit dem Fluss der Erinnerung auf sich hat. Der Park am Hospiz konnte mithilfe von Geld der EU und des Freistaates angelegt werden.
Eiko Weber, Geschäftsführer des Hospizes „Lebenszeit“ in Leisnig (rechts), erklärt Minister Thomas Schmidt, was es mit dem Fluss der Erinnerung auf sich hat. Der Park am Hospiz konnte mithilfe von Geld der EU und des Freistaates angelegt werden. © Christian Essler

Leisnig/Region. Gepflegte Rabatten und die mächtige Rotbuche empfangen Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt am Hospiz „Lebenszeit“ am Hasenberg. Zwei Jahre vorher hätte er dort nur eine brachliegende, grüne Fläche gesehen. Inzwischen wird das am Stadtrand gelegene Grundstück genutzt, um Menschen auf dem letzten Stück ihres Lebensweges zu begleiten. Im April 2018 ist ein Hospiz in Betrieb gegangen, das die Lücke im ländlichen Bereich geschlossen hat. Derartige Einrichtungen gibt es ansonsten überwiegend in größeren Städten.

Parallel zum Haus selbst, das sich der Minister auf Einladung von Hospiz-Geschäftsführer Eiko Weber auch anschaut, ist auf dem Freigelände ein Park entstanden, der von den Bewohnern und deren Familienangehörigen und Besuchern gern und dankbar angenommen wird. Beim Anlegen hat Bauherr Frank Lohse auf rund 60 000 Euro Leader-Fördergeld zurückgreifen können. Darüber hinaus wurden eine Menge Baum-, Busch- und Mobiliarspender gefunden.

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Ein besonderes Detail ist der Fluss der Erinnerung. An diesem künstlich angelegten Flusslauf, der in einen größeren Teich mündet, kommen immer wieder Kiesel an den Begrenzungen dazu. Auf den teils schlicht, teils bunt gestalteten Steinen stehen die Daten derjenigen, die im Hospiz verstorben sind. Die an den „Fluss“ zu bringen und dort abzulegen, ist für Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer genauso ein Ritual geworden, das sie nicht missen möchten, wie für die Angehörigen. Das schätzte Susann Thoma von der Geschäftsleitung schon am Ende des Jahres 2018 ein.

„Sehr schön“, sagte der Minister. Das findet auch Kerstin Fiedler vom Projektmanagement „Sachsenkreuz plus“. Sie begleitete Thomas Schmidt noch nach Bockelwitz auf den Hof Nr. 3. Auch dort kommt Fördergeld zum Einsatz, um Männern zu helfen, die Zeit zwischen Entzug und Langzeittherapie zu meistern. Für Kerstin Fiedler sind es viele kleine, interessante Vorhaben, die statt eines großen Leuchtturmprojektes in der Region umgesetzt werden.

Dass sich der Minister bei seinem straffen Plan Zeit für den Hospizbesuch genommen hat, ist für Eiko Weber wichtig gewesen. Auch, weil er dabei ein weiteres Mal ein für alle Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer bedeutendes Thema ansprechen konnte: „Sterben sollte kein Tabu sein. Viel zu oft wird es totgeschwiegen, an den Rand gedrängt“, sagte Weber. Das zu ändern, will der Verein Lebenszeit helfen.

Was wird aus den 427 Millionen Euro, die die sächsischen Leader-Gebiete seit 2014 einsetzen konnten? Dieser Frage ist Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt am Dienstag in den Leader-Gebieten „Sachsenkreuz plus“ sowie „Lommatzscher Pflege“ nachgegangen. Denn neben Geld der EU fließen in die Förderung des ländlichen Raumes auch Mittel aus dem sächsischen Haushalt.

Vom „Kuchen“ bekommt das Gebiet „Sachsenkreuz plus“ rund zwölf Millionen Euro ab. Unterstützt werden können damit Projekte in sechs Städten und vier Gemeinden, die sich zu der Sachsenkreuz plus-Region zusammengeschlossen haben.

Leisnig ist eine dieser Kommunen und war deshalb am Dienstag eine der Stationen von Thomas Schmidt. Obwohl er seine Tour am Schulweg begann und deshalb noch kein Anlass zum Verschnaufen bestand, hätte er sich dort sehr gut ausruhen können. Auch dafür sind die beiden Lutherbänke gut, die im vergangenen Jahr als Bestandteil des Kunstprojektes „Reformation und Kunst“ aufgestellt worden sind. Auf farbig gestalteten Fliesen zeigen die Künstlerinnen unter anderem, was die Menschen zu Zeiten des Reformators Martin Luther trugen, welche Gegenstände sie im Alltag nutzten. Damit sind die Bänke nützlich wie informativ zugleich.

Die Bänke stehen am Lutherweg. Dessen Entwicklung in Sachsen hatte der Freistaat schon mit reichlich 900 000 Euro unterstützt. Über die Leader-Förderung steht nun weiteres Geld zur Verfügung. „Es soll ein Qualitätsmanagement für den Lutherweg umgesetzt werden“, kündigte Schmidt bei seinem Besuch in Leisnig an. Das geschehe in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland mit Sitz in Waldheim und in Kooperation von insgesamt zehn Leader-Gebieten.

Anliegen seien, eine barrierefreie Nutzung des Weges zu ermöglichen, Veranstaltungen am Lutherweg terminlich zu koordinieren und Gästeführer zu schulen. Für dieses neue Projekt sollen beim Tourismusverband zwei Stellen geschaffen werden.

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