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Das stinkende Stauseebad

Der äußere Eindruck trügt. Die Elbe steht noch immer im Becken. Die Beseitigung der Flutschäden wird lange dauern.

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Von Lars Kühl

Durch die Gitter am Eingangstor leuchten die vorderen Wiesen im Stauseebad Cossebaude schon wieder in kräftigem Grün. In einem Kübel wachsen gelbe Blumen. Immer wieder schauen Badelustige vorbei. Betriebsleiter Uwe Brosselt muss sie wegschicken. Mit flüchtigem Blick erkennen die Gäste nicht, warum Dresdens beliebtestes Stadtbad dieses Jahr geschlossen bleibt, obwohl der Stausee selbst von den Folgen des Juni-Hochwassers nicht betroffen ist. Erst beim genauen Hinsehen zeigt sich, welcher Riesenberg Arbeit bis zur Wiedereröffnung bewältigt werden muss. Die Gutachter haben gerade eine Schadenshöhe von 1,9 Millionen Euro ermittelt, teilt Bädermanager Joachim Krumpoldt mit.

Uwe Brosselt hätte gern dieses Jahr das Stauseebad wiedereröffnet. Doch der Betriebsleiter wird auch die nächsten Monate mit seinen Angestellten weiter damit beschäftigt sein, die Schäden des Juni-Hochwassers zu beseitigen. Es wird noch dauern, bis er die
Uwe Brosselt hätte gern dieses Jahr das Stauseebad wiedereröffnet. Doch der Betriebsleiter wird auch die nächsten Monate mit seinen Angestellten weiter damit beschäftigt sein, die Schäden des Juni-Hochwassers zu beseitigen. Es wird noch dauern, bis er die © André Wirsig

Die Badelandschaft: Das Wasser kann noch nicht abgepumpt werden

Die braune Brühe im Nichtschwimmerbecken modert vor sich hin. Die Elbe hat sie bei der Flut angeschwemmt. Dann musste auch noch Abwasser dazugepumpt werden, um das benachbarte Wohngebiet zu schützen. Der Gestank der 500 000 Liter hält sich hartnäckig. Das Planschbecken daneben und die Rutsche wurden bereits grob gereinigt. Das geht bei der Badeplatte erst, wenn das stinkende Wasser abgelassen ist. Solange die Pumptechnik aber nicht funktioniert, sei das nicht möglich, erklärt Brosselt. Frühestens im Oktober wäre das der Fall. Erst dann könnte das Edelstahlbecken richtig gesäubert und poliert werden. „Von Hand.“ Den dicken Film aus Algen, Schmutz und Öl zu entfernen, werde eine der größten Herausforderungen.

Die Technik: Die Motoren werden gerade wieder montiert

Das Herzstück des Bades ist das Technikgebäude. Fünf Angestellte bauen gerade die Motoren und die Dosiertechnik wieder ein. Die Schaltschränke stehen bereits. Es wird noch Monate dauern, bis alles wieder funktioniert. „Das ist eine richtig komplizierte Angelegenheit mit der Steuer- und Regeltechnik“, sagt Krumpoldt. Als der große Regen einsetzte, hatten Brosselt und zwölf bis 14 Mitarbeiter drei Tage Zeit, alles zu demontieren. Die Erfahrungen von 2002 und 2006 halfen ihnen dabei, den Ernst der Lage frühzeitig einzuschätzen. Trotzdem war es eine gehörige Schlepperei. „So ein Schaltschrank wiegt um die 300 Kilo“, sagt Brosselt. „Ein Motor zwischen 150 und 200.“ Die gesamte Elektrik musste zudem wasserdicht versiegelt werden. Als der Pegel seinen Höchststand hatte, war das Technikhaus komplett unter Wasser.

Die Liegewiesen: Der Boden

muss abgetragen werden

Viele Liegewiesen sind von einer zentimeterdicken Dreckschicht überzogen. Getrockneter Schlamm, sagt Brosselt. Anderswo sprießt es geradezu aus dem Boden. Tomaten stehen neben Zucchini und Sonnenblumen. Die Samen hätte es aus den benachbarten Gärtnereien herübergeweht, erklärt der Objektleiter. Über 80 Prozent der Liegeflächen im Bad sind hinüber. Bodenproben haben zwar keine Gefährdung für die Gesundheit ergeben. „Aber um das Restrisiko auszuschließen, werden wir zehn Zentimeter abtragen“, erklärt Krumpoldt. Möglichst im September, damit der neue Rasen dieses Jahr noch die Chance hat, zu wachsen. Zeitgleich soll auch der Sand der Soccer- und Beachvolleyballanlagen ausgetauscht werden, genauso wie auf dem Spielplatz. Auch die meisten Hecken und Pflanzen im und um das Badgelände müssen erneuert werden.

Das Sanitärgebäude: Die Wände

müssen gewechselt werden

Im Holz-Pavillon mit den Umkleiden, dem Sanitärbereich und Kiosk werden je nach Zustand die aufgequollenen Spanplatten-Trennwände gewechselt oder überarbeitet und anschließend lackiert. Neue Fenster sind schon drin. Auch die Deckenlampen, in deren Abdeckungen jetzt noch das Wasser steht, müssen ersetzt werden. An die Duschen kommen neue Münzautomaten.