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8 000-mal Heimatliebe am Auto

Vor einem Jahr kehrten die alten Kfz-Kennzeichen zurück. Seitdem verzichten viele Autofahrer aufs PIR.

Von Matthias Weigel und Regine Schlesinger

Stichprobe gestern Vormittag auf dem Dippser Marktplatz. Die rund 50 Parkplätze sind fast alle belegt. Knapp die Hälfte der parkenden Autos trägt das DW im Nummernschild. Das hätte vor einem Jahr noch anders ausgesehen. Da wäre das PIR eindeutig in der Überzahl gewesen. Doch seit dem 1. November 2012 dürfen die mit den Kreisfusionen 1994 und 2008 weggefallen Buchstabenkürzel wieder ausgegeben werden. Seitdem wächst im Landkreis die Zahl der Kraftfahrer stetig, die mit dem DW, FTL oder SEB an den Stoßstangen ihrer Autos ihre Heimatliebe zeigen.

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Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Für Verkehrsstaatssekretär Roland Werner vom sächsischen Wirtschaftsministerium war das „Einjährige“ gestern Anlass, dem Dippser Oberbürgermeister Ralf Kerndt (Freie Wähler) ein symbolisches Riesen-Heimatkennzeichen zu überreichen. Das DW-DW auf dem überdimensionalen Nummernschild erklärt sich von selbst. Die Ziffer gibt die Anzahl der im ersten Jahr ausgegebenen Kennzeichen mit dem Kürzel des Altkreises wieder.

Dippoldiswalde gehörte Anfang 2011 zu den 14 sächsischen Städten, die sich beim Wirtschaftsministerium des Freistaates dafür einsetzten, die Kfz-Kennzeichen der Kreisstädte von 1990 wieder einzuführen. Danach startete Sachsen eine Initiative beim Bund. Vor allem die FDP hält sich zugute, das Ganze angepackt zu haben. „Wir haben nicht nachvollziehen können, warum dieses Stück Regionalität den Bürgern nicht ermöglicht werden soll“, sagt Staatssekretär Werner gestern in Dipps.

Im Bund sei man schließlich auf erstaunlich offene Ohren gestoßen – sogar westdeutsche Kreise, in denen die Reformen Jahrzehnte zurücklagen, wollten plötzlich ihre Kennzeichen zurück. Nach einigem Hin und Her stimmte Berlin schließlich zu. Zu den bis dahin gültigen 12 Kennzeichen kamen weitere 45 hinzu. Man habe sich für alle, die ab 1990 gültig waren, entschieden, um nicht Schiedsrichter darüber spielen zu müssen, welche Kürzel wieder eingeführt werden und welche nicht, sagte Werner. Nicht vergessen werden sollte aber bei der ganzen Schildergeschichte der Anteil der Hochschule Heilbronn. Die hatte im Rahmen einer Studie im Frühjahr 2010 in etlichen Städten, darunter auch in Dippoldiswalde danach fragen lassen, ob sich die Bürger die Wiedereinführung der alten Kennzeichen wünschen. Rund 80 Prozent der Befragten beantworteten die Frage damals mit Ja.

DW steht an der Spitze

Dieses große Interesse im einstigen Altkreis Dippoldiswalde am Heimatkennzeichen zeigen auch die 7 983 im Zeitraum von November 2012 bis Oktober 2013 ausgegebenen „alten“ DW-Kennzeichen. Das DW steht damit an der Spitze im Landkreis, dicht gefolgt vom FRE mit 5 755 Zulassungen. Für SEB haben sich bislang 1640 Kraftfahrer entschieden.

Bei den 35 306 in diesem Zeitraum neu ausgegebenen Kennzeichen steht aber das PIR immer noch an erster Stelle: Fast 19 928 Autobesitzer meldeten ihr Fahrzeug darauf an oder um. Die Zahlen veröffentlichte das sächsische Wirtschaftsministerium gestern. Das PIR steht, da es wegen der Kreisreformen lange Zeit nur allein gültig war, mit Abstand auch noch an den meisten Autos im Kreis – rund 140 000 sind auf das Kürzel zugelassen. Mit DW, das zwischen 1994 und 2008 für den Weißeritzkreis stand, sind knapp 40 000 Fahrzeuge unterwegs. Vom FTL, das noch aus der Zeit von vor 1994 stammt, gibt es auf den Straßen nur noch wenige Hundert.

Wer ein gültiges Nummernschild besitzt, aber das Altkennzeichen an der Stoßstange haben will, der muss investieren. Als Verwaltungsakt kostet die Umkennzeichnung rund 30 Euro. Zu dieser Ausgabe kommen gut dreißig Euro für das neue Schilderpaar. Wer außerdem eine Wunschkombination hinter dem Heimatkürzel will, der muss zusätzlich 12,80 Euro Reservierungsgebühr zahlen. Ob die gewünschte Kombination frei ist, kann man bei der Zulassungsstelle rasch telefonisch klären. Auch im Internet auf der Landkreisseite haben Nutzer etliche Möglichkeiten, den Gang zur Zulassungsstelle abzukürzen.