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Teilen von Autos wird in Sachsen immer beliebter

Etliche Nutzer besitzen gar kein eigenes Fahrzeug mehr. Sogar in Kleinstädten wird Carsharing bereits genutzt.

© Jan Woitas/dpa

Flinkster, DriveNow, Car2Go oder Teilauto in Sachsen: die Liste der Carsharing-Anbieter in Deutschland ist lang, und die Zahl ihrer Kunden wird immer größer. Anfang 2019 waren 2,46 Millionen Kunden in Deutschland bei einem Carsharing-Angebot angemeldet, 350.000 mehr als im Vorjahr. Das vermeldete der Bundesverband Carsharing am Mittwoch auf seiner Jahresbilanz in Berlin.

Auch in Mitteldeutschland wuchs die Anzahl der Gemeinschaftsauto-Nutzer weiter an. Der Anbieter Teilauto, der Carsharing in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen betreibt, verzeichnet mittlerweile über 36.000 Kundinnen und Kunden. Sie können 1.000 Fahrzeuge an insgesamt 560 Stationen nutzen. „Die meisten unserer Kunden wohnen in Sachsen“, erklärt Michael Creutzer, Geschäftsführer von Teilauto. Gut 27.400 registrierte Autoteiler zählt das Unternehmen im Freistaat. Sie sind vor allem in den großen Städten zu finden – 11.000 in Dresden, mehr als 15.000 in Leipzig und 650 in Chemnitz.

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Auch Kleinstädter machen mit

Aber auch in einigen kleineren Städten gewinnt Carsharing nach und nach an Beliebtheit. So gibt es in Freiberg immerhin 230, in Markkleeberg 170, in Radebeul 160 und in Pirna 100 Gemeinschaftsauto-Fahrer. Ihnen stehen allein in Sachsen 770 Fahrzeuge vom Kleinstwagen bis zum Transporter zur Verfügung.

Es gibt verschiedene Formen von Carsharing. In den großen Metropolen Berlin, Hamburg oder München bieten etwa Car2go und Drivenow, die Carsharing-Töchter von Daimler und BMW, die flexible Form der zeitweisen Autonutzung an, bei der die Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum für die spontane Nutzung bereitstehen und nach der Fahrt an einem beliebigen öffentlichen Parkplatz wieder abgestellt werden können. Teilauto bietet vor allem stationsbasiertes Carsharing, wo das Fahrzeug für einen bestimmten Zeitraum gemietet wird und zur Leihstation zurückgebracht werden muss. Seit einem Jahr setzt das Unternehmen in Leipzig aber auch stationslose Cityflitzer ein und bietet damit kombiniertes Carsharing an. 2018 legten vor allem im stationsbasierten Carsharing die Kundenzahlen um 21,5 Prozent kräftig zu. Bei der flexiblen Variante ließ das Wachstum dagegen etwas nach und betrug 14,9 Prozent.

Aber welche Variante ist nun besser für die Umwelt? Das stationsbasierte Carsharing. 80 Prozent der Haushalte, die diese Form nutzen, haben kein eigenes Auto mehr. Auf 1.000 Kunden kommen nur noch 108 private Autos, hat der Carsharing-Verband in einer aktuellen Vergleichsstudie festgestellt. Ihr Autobesitz liegt damit schon jetzt weit unter der Zielmarke von 150 Pkw pro 1.000 Einwohner, die das Umweltbundesamt für einen klima- und umweltgerechten Stadtverkehr der Zukunft anstrebt. Dagegen liegt der Anteil autofreier Haushalte unter den Nutzern des flexiblen, spontanen Autoteilens nur bei 32 Prozent. Auf 1.000 Einwohner kommen 485 private Pkw. Bei der kombinierten Variante ist die Entlastung des Verkehrs ähnlich hoch wie beim stationsbasierten System.

Auch im Nutzungsumfang gibt es erhebliche Unterschiede. Jeder dritte Kunde, der rein flexibles Carsharing nutzt, glaubt, dass dies ein eigenes Auto vollwertig ersetzen kann, beim kombinierten und stationsbasierten Carsharing glauben das zwei von drei Kunden.

© Rolf Vennenbernd

„Städte und Gemeinden sollten vor allem diese Variante gezielt durch die flächendeckende Einrichtung von Carsharing-Stationen im öffentlichen Raum fördern“, fordert daher auch Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Carsharing e.V. Im Blick auf die Fördermöglichkeiten kritisiert der Verband das Bundesverkehrsministerium: Auch eineinhalb Jahre nach dem Inkrafttreten des Carsharing-Gesetzes (CsgG) könnten Städte und Gemeinden das Gesetz nicht in allen Punkten praktisch anwenden, weil das Ministerium die Verordnungen nicht vorlegt, die dafür die Grundlage sind, heißt es.

Auch in den sächsischen Großstädten stoßen die Anbieter an ihre Grenzen, weil es an zentralen Stellflächen in der Innenstadt und in Stadt nahen Wohngebieten fehlt. Bislang können die Fahrzeuge nur auf privaten oder öffentlichen Plätzen außerhalb der Straße angeboten werden. Das Wirtschaftsministerium hat einen Gesetzentwurf für mehr Stellplätze für Carsharing vergangenes Jahr in die Anhörung gegeben. Der Carsharing-Verband kritisiert den Entwurf als zu restriktiv, die Kommunen hätten zu wenig Freiraum bei der Auswahl der Stellflächen. Die Fraktion der Grünen im Landtag haben einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt. Er würde es Kommunen erlauben, geeignete Flächen auszuwählen und diese mittels Sondernutzung für stationsbasiertes Carsharing zur Verfügung zu stellen. Auch eine Reduzierung der Gebühren für diese Sondernutzung könnte festgelegt werden.

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