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Das Theater haut auf den Putz

Nach elf Monaten Bauzeit öffnet das über 500 Jahre alte Gebäude wieder seine Pforten. Aber noch ist nicht alles erledigt.

© Andreas Weihs

Von Harald Daßler

Am 1. Mai kehrt das Theater zurück – ins angestammte Haus am Theaterplatz. Mit einem Konzert für die ganze Familie, zu dem der Meißner Sänger Gerhard Schöne einlädt, wird es nach mehr als elf Monaten Bauzeit wiedereröffnet. Allerdings sind noch nicht alle Arbeiten beendet. Wie Theater-Leiterin Renate Fiedler ankündigt, wird das Haus im Sommer eingerüstet, um die Fassade zu sanieren.

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Der Zuschauerraum erstrahlt wieder nach umfangreichen Aufräumarbeiten. In den nächsten Tagen sollen die auf der Bühne gelagerten Ausrüstungen wieder an ihren angestammten Platz kommen. Der samtene Vorhang befindet sich noch in einer Dresdner Spezial-Reini
Der Zuschauerraum erstrahlt wieder nach umfangreichen Aufräumarbeiten. In den nächsten Tagen sollen die auf der Bühne gelagerten Ausrüstungen wieder an ihren angestammten Platz kommen. Der samtene Vorhang befindet sich noch in einer Dresdner Spezial-Reini © Andreas Weihs

Diese Entscheidung fiel erst jetzt, nachdem Gutachten im Auftrag der Versicherung dies empfohlen hatten, berichtet Jürgen Voigt. Der Meißner Architekt leitet die Arbeiten zur Sanierung des vom Hochwasser im vorigen Juni verwüsteten Hauses. In Höhe des Erdgeschosses soll der Putz erneuert werden, ehe die gesamte Fassade des Theaters einen neuen Anstrich erhält. In gebrochenem Weiß, so ist es mit den Denkmalschutz-Behörden vereinbart.

Auf insgesamt 1,65 Millionen Euro summieren sich die Schäden, die das Hochwasser im vorigen Sommer im Meißner Theater hinterlassen hat. Dass die neue Spielzeit 2013/14 nicht ausfiel und 105 Aufführungen an 13 alternativen Standorten – vom Dom bis zur Fachhochschule – stattfanden, daran erinnert Renate Fiedler. Die insgesamt 23 Mitarbeiter und weitere Helfer waren nicht nur in den Tagen vor und nach dem Hochwasser mit Räumarbeiten beschäftigt, sie schulterten auch einen großen Teil der Arbeiten zum Bühnenbau an den Ausweich-Spielorten.

Im sanierten Haus gehören Sauggriffe zur Ausstattung. Mit ihnen lassen sich die neuen Wandverkleidungen im Foyer rasch abbauen und in Sicherheit bringen, sollte wieder Hochwasser-Alarm drohen. Anhand solcher Details erklärt Jürgen Voigt, wie das mehr als 500 Jahre alte Gebäude am tiefsten Punkt der Stadt saniert worden ist. Bis zu 2,30 Meter hoch hatte das Wasser im vorigen Juni hier gestanden. Und so ziemlich all das zunichte gemacht, was nach dem Hochwasser von 2002 in das Haus investiert worden war. Deshalb wurde nun „hochwassersicher saniert“, wie OB Olaf Raschke gestern auf einer Pressekonferenz anlässlich der bevorstehenden Wiedereröffnung des Theaters betonte.

Bauleiter Jürgen Voigt zeigt das bei einem Rundgang durch das einstige Gewandhaus, in dem seit 163 Jahren Theater gespielt wird. Nahezu alle Steuerungen für elektrische Anlagen und die Bühnentechnik befinden sich nun im ersten Geschoss. Aus den Fußböden verschwanden Dämmstoffe, so dass sich die Arbeiten nach dem nächsten Hochwasser aufs Reinigen beschränken können. Dass die Fußbodenheizung an Energieeffizienz verliert, gehört zu den Kompromissen, die in einem historischen Gebäude wie diesem immer wieder aufs Neue gefunden werden mussten.

Im Eingangsbereich fallen nun die beiden hölzernen Tresen auf. Auf der rechten Seite beherbergt er die Abendkasse. Der andere dient als Verkaufstisch, an dem die Mitarbeiter künftig Getränke ausschenken. Wände und Fenster erscheinen wie vor dem Hochwasser – dabei wurden hier andere Materialien verbaut. Der neue Innenputz kann mehr Wasser aufnehmen. Die Fenster bestehen nun aus Sicherheitsglas, so dass Wasserdruck oder Schwemmgut die Scheiben nicht zum Bersten bringen. Außerdem sind sie in Eichenholz gefasst, das ebenfalls dem Wasser trotzen kann.

Völlig neu erscheinen auch die Räume im Hinterhaus. Hier werden die Theater-Chefin und ihre Mitarbeiter, die nach der Flut in den Kostümfundus am Baderberg ausweichen mussten, in den nächsten Tagen wieder einziehen. Die Türzargen sind nun aus Metall und einheitlich in der roten Farbe des Theater-Logos gehalten.

Im Probenraum sind noch einige Arbeiten erforderlich, um die Akustik zu verbessern. Im Zuschauerraum hatte das Wasser nur bis zur zweiten Reihe gestanden, deshalb konnten sich die Arbeiten hier aufs Aufräumen beschränken. An diesem Sonnabend, übrigens der 450. Geburtstag des Dramatikers William Shakespeare, ist ein Großeinsatz aller Mitarbeiter und weiterer Helfer vorgesehen, um das Theater endgültig für die Wiedereröffnung in der kommenden Woche herzurichten.

Versicherung kündigt der Stadt

Wie viel die Sanierung des Meißner Theaters genau kostet, ist heute noch nicht auszumachen. OB Olaf Raschke verweist auf Hilfen vom Freistaat und vom Bund, um auch Bauarbeiten bezahlen zu können, die der nachhaltigen Sanierung dienen und die von der Versicherung nicht übernommen werden. Die Stadt steht derzeit ohne Hochwasserschadenversicherung da, so Olaf Raschke. Mit der Bestätigung, dass sie für die Schäden an den städtischen Gebäuden aufkommt, war auch die Kündigung der Versicherung verbunden. Die Stadt bemüht sich um neue Abschlüsse. Allerdings seien die Angebote der Versicherer für die Kommune nicht finanzierbar, so der Meißner OB. Deshalb appelliert er an die politisch Verantwortlichen auf Landes- und Bundesebene, die Kommunen mit diesem Problem nicht allein zu lassen. Eine Lösung sieht Olaf Raschke in der Einführung einer Pflichtversicherung, die Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich im vorigen Jahr ins Gespräch gebracht hatte.