SZ +
Merken

Das Theaterensemble wird weiblicher

Die Schauspieltruppe ist komplett – die neuen Darsteller sind da. Unter ihnen sind auch bekannte Gesichter.

Teilen
Folgen
© Thomas Knorr

Von Jan Lange

Dieses Gesicht kenn’ ich doch ... aber bloß woher? Diese Frage werden sich viele stellen, wenn ihnen Ludwig Hollburg begegnet. Vielleicht hat ihn ja der ein oder andere in „Schloss Einstein“ gesehen. In der TV-Serie spielte Hollburg von 1998 bis 2007 Lutz Wolfert, den stellvertretenden Schulleiter des Internats. Aber auch „Liebling Kreuzberg“ mit Manfred Krug und die tägliche RTL-Seifenopfer „Unter uns“ finden sich in seiner Filmographie. Nun ist der 59-Jährige zurück auf der Theaterbühne, wo 1982 seine Karriere begann. Ab der neuen Spielzeit gehört der gebürtige Magdeburger zum Ensemble des Gerhart-Hauptmann-Theaters Zittau.

Zurück auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ ist er eigentlich schon seit 2010, damals nahm er ein Engagement am Grenzlandtheater Aachen an. Nun bindet er sich wieder fest an ein Ensemble – diesmal in Zittau. Das hiesige Theater sei ihm als ehemaligem DDR-Bürger durchaus ein Begriff. In die Oberlausitz gezogen habe ihn aber die neue Intendantin Dorotty Szalma. „Ich habe ein paar Sachen von ihr gesehen und war sehr interessiert“, sagt Hollburg. „Mit Frau Szalma kann eine ganz spannende Sicht auf Theater und Realität entstehen.“ Davon können sich die Zuschauer schon beim ersten Stück der neuen Spielzeit, „Yvonne, Prinzessin von Burgund“ überzeugen. Die Inszenierung wird, so zeigte die Konzeptprobe in dieser Woche, durchaus unkonventionell. Frischen Wind bringt nicht nur die Intendantin ins Theater. Neben Ludwig Hollburg gehören fünf weitere neue Schauspieler dem künftigen Ensemble an: Katinka Mache, Katja Schreier, Paula Schrötter, Marc Schützenhofer sowie Kerstin Slawek, die auch als Dramaturgin tätig sein wird.

Damit ist die Schauspieltruppe auch weiblicher geworden. Umfasste das Ensemble unter dem bisherigen Intendanten Carsten Knödler neun Herren und fünf Damen, so sind es jetzt fünf Schauspieler und sechs Schauspielerinnen.

Beim Vorsprechen wurden die Pläne der Intendantin teilweise über den Haufen geworfen, wie sie selbst berichtet. „Es sind Typen, die wir eigentlich gar nicht gesucht haben, aber sie waren dermaßen grandios, dass wir sie einfach engagieren mussten“, sagt Frau Szalma.

Auch Katja Schreier ist mit Mitte 40 in einem Alter, das die Schauspielchefin genau genommen gar nicht suchte. Mit ihrem Vorspielen begeisterte sie aber alle. „Wir haben ihr mit offenem Mund zugeschaut“, erinnert sich die Intendantin an das Vorsprechen. „Jeder Kandidat hatte 20 Minuten Zeit. Als sie zu Ende gespielt hatte, war zu unserem positiven Entsetzen eine Dreiviertelstunde vorbei“, erzählt Frau Szalma weiter. Für sie war sofort klar, dass die gebürtige Berlinerin dem Ensemble angehören muss.

Nicht anders erging es der Theaterchefin bei Katinka Mache. „Sie war verdammt gut beim Vorsprechen“, lobt Frau Szalma. Sie sei ein gutes Beispiel für modernes, echtes Theater. Gespielt hat die gebürtige Hamburgerin schon als Kind. „In der Schule übernahm ich immer Männerrollen, weil ich mir dachte, dass ich später nur Frauen spielen darf“, erzählt die 33-Jährige. Damit hatte sie damals gar nicht so unrecht. In Zittau sind es auch zwei weibliche Charaktere am Anfang: zum einen eine Hofdame in „Yvonne, Prinzessin von Burgund“ und zum anderen Edith Piaf in „Edith und Marlene“.

Dass sie im zweiten Stück spielen und singen muss, sei eine große Herausforderung. „Ich hoffe, dass keiner denkt, ich singe wie die Piaf, das kann keiner“, meint die junge Bühnendarstellerin. Wiedererkennen werde man die berühmte französische Chansonnette aber auf jeden Fall. Mit „Edith und Marlene“ führt das Theater erneut ein musikalisches Stück auf. In den vergangenen Monaten waren vor allem Musikinszenierungen wie „Romeo und Julia auf der Abbey Road“, „Ring of Fire“ und „The King“ die Publikumsrenner.

Gesungen hat Paula Schrötter auf der Bühne bisher noch nicht so oft – dafür aber getanzt. In Dresden, ihrer Heimatstadt, erhielt sie während der Schulzeit eine Tanzausbildung am Heinrich-Schütz-Konservatorium. Später begann sie mit Spielen und entdeckte darin ihre eigentliche Berufung. Dass sie eine gute Schauspielerin ist, kann die Zittauer Intendantin nur bestätigen. „Sie hat eine starke Persönlichkeit in ihrem jungen Alter“, findet Frau Szalma. Wenn sie auf der Bühne stehe, gehe einem das Herz auf. Auch deshalb darf sie gleich die Hauptrolle im ersten Stück spielen, die Prinzessin Yvonne.

Große Rollen wird auch Katja Schreier spielen, so die Intendantin. „Was sie wirklich kann, wird aber erst in der übernächsten Spielzeit richtig zum Tragen kommen“, erklärt Frau Szalma.