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Das bisher ungewöhnlichste Spargeljahr

Die Saison hat bei Schertenleibs in Pulsitz bei Ostrau holprig begonnen. Doch ganz unzufrieden ist die Familie trotz der Corona-Krise nicht.

An warmen Tagen kann Spargel schon mal zehn Zentimeter wachsen. Jede Reihe muss deshalb innerhalb von 24 Stunden ein- bis zweimal auf erntereifen Spargel abgesucht werden.
An warmen Tagen kann Spargel schon mal zehn Zentimeter wachsen. Jede Reihe muss deshalb innerhalb von 24 Stunden ein- bis zweimal auf erntereifen Spargel abgesucht werden. © Lars Halbauer

Ostrau. Es war eine sehr komplizierte und aufregende Saison, sagt Andreas Schertenleib, Inhaber des gleichnamigen Spargelhofs in Pulsitz.

Aufregend vor allem, weil lange unklar war, ob denn die rumänischen Saisonarbeiter einreisen durften. Aufgrund der Corona-Beschränkungen hing deren Einreise nach Deutschland bis zuletzt am seidenen Faden (Sächsische.de berichtete). Doch schließlich kamen fünf rumänische Saisonarbeiter auf dem Spargelhof in Pulsitz an.

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In den vergangenen Jahren seien es ein paar Rumänen mehr gewesen. „Doch das fehlende Personal konnte durch den Zusammenhalt in der Familie ausgeglichen werden“, sagt Andreas Schertenleib. So war zum Beispiel Tochter Alexandra von ihrem Arbeitgeber in Kurzarbeit geschickt worden und konnte sich im elterlichen Betrieb etwas dazu verdienen.

Mit der Erntemenge, knapp 40 Tonnen Spargel wurden in diesem Jahr geerntet, und den Arbeitsabläufen zeigt sich Schertenleib zufrieden. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht war es ein durchschnittliches Jahr“, sagt er. Die Qualität des Spargels sei gut gewesen, weil er gleichmäßig habe wachsen können. Und auch wenn die Preise in diesem Jahr etwas angehoben worden sind, waren die Kunden zufrieden.

Nachfrage nach Kartoffeln

Der Verkauf des Spargels erfolgte über den Hofladen sowie auf Wochenmärkten, nachdem diese wieder öffnen durften. Zudem war die Nachfrage aus der Gastronomie nach der Beendigung des Lockdowns entsprechend groß. „Dagegen ist die Belieferung der Edeka-Märkte in Richtung Bayern eingestellt worden“, so Andreas Schertenleib. Von vielen Lebenmittelhändlern habe er gesagt bekommen, wie wichtig die regionale Produktion ist.

Das Spargelfeld an der Schmorrener Straße ist in diesem Jahr zum letzten Mal abgeerntet worden. Deshalb hatte der Betrieb Interessierte eingeladen, selbst einmal Spargel zu stechen. Nach dieser Aktion wurde das Feld eingeebnet. Bevor hier wieder Spargel angebaut werden kann, müssen 30 Jahre vergehen. 

Das ist so, weil der Spargel Pflanzenstoffe in den Boden aussondert, die das Wachstum erschweren. Nach spätestens zehn Jahren wächst er nicht mehr so gut. Und bis die Stoffe so weit abgebaut sind, dass erneut Spargel angebaut werden kann, vergehen drei Jahrzehnte.

Ehe die Spargelsaison begann, musste der Familienbetrieb aber erst einmal eine andere Nachfrage stillen. Bei der Kartoffellieferung im März und April gab es aufgrund der Corona-Krise Engpässe. „Viele Supermärkte haben deshalb bei uns angefragt, sodass wir die noch zusätzlich beliefert haben“, sagt der Landwirt.

Nachdem die Spargelsaison traditionell am Johannistag (24. Juni) beendet wurde, ist der Hofladen für ein paar Wochen geschlossen. Er öffnet voraussichtlich Anfang September wieder. Dann gibt es Zwiebeln und Kartoffeln. Jetzt erholen sich die Spargelpflanzen. Für die Landwirte gibt es trotzdem zu tun. 

Die Folien müssen mechanisch abgewickelt und das Unkraut mit dem Grubber entfernt werden. Die restlichen Spargeltriebe lässt man auswachsen, dabei entwickeln sie sich zu Stauden. Im Herbst sind diese dürr und werden mit dem Mulchgerät entfernt. Der im Boden bleibende Spargelstock geht nun bis März in den Winterschlaf.

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