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Das unheimliche Puzzeln beginnt

Rechtsmediziner setzen seit gestern Leichenteile des von Polizist Detlev G. im Gimmlitztal getöteten Mannes zusammen. Eine tagelange, wichtige Arbeit.

Von Alexander Schneider

Die meisten Leichenteile auf dem Grundstück der Pension von Detlev G. sind offenbar gefunden. Gestern haben Dresdner Rechtsmediziner begonnen, die sterblichen Überreste zu einem Körper zusammenzusetzen. Dem Körper von Wojciech S., einem 59-jährigen Unternehmer aus Hannover. Detlev G. hat gestanden, ihn am 4. November im Keller seiner Pension erstochen, zerstückelt und auf dem Anwesen vergraben zu haben. Die teilweise verwesten Fundstücke lagen bis zu vier Wochen in der Erde. Seit vergangenem Mittwoch gräbt die Polizei nach ihnen – auch heute geht die Suche weiter.

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Der bizarre Mordfall im Osterzgebirge

In diesem Haus in Reichenau betreibt der mutmaßliche Täter eine Pension.
In diesem Haus in Reichenau betreibt der mutmaßliche Täter eine Pension.
Offenbar tötete der LKA-Beamte hier den 59-Jährigen aus Hannover.
Offenbar tötete der LKA-Beamte hier den 59-Jährigen aus Hannover.
Der mutmaßliche Täter hat in einer Vernehmung darauf hingewiesen, den Mann im Garten vergraben zu haben.
Der mutmaßliche Täter hat in einer Vernehmung darauf hingewiesen, den Mann im Garten vergraben zu haben.
Im Garten fanden Polizisten tatsächlich Leichenteile des Opfers.
Im Garten fanden Polizisten tatsächlich Leichenteile des Opfers.
Der Garten wird komplett umgegraben.
Der Garten wird komplett umgegraben.
Ein Beamter auf Spurensuche.
Ein Beamter auf Spurensuche.
Die Pension, aus der Luft fotografiert. Das Grundstück liegt abgeschieden im Osterzgebirge.
Die Pension, aus der Luft fotografiert. Das Grundstück liegt abgeschieden im Osterzgebirge.
Die Pension wurde zum Tatzeitpunkt renoviert. Daher bleib der Mord zunächst offenbar unbemerkt.
Die Pension wurde zum Tatzeitpunkt renoviert. Daher bleib der Mord zunächst offenbar unbemerkt.
Polizeibeamte auf dem komplett abgeriegelen Grundstück.
Polizeibeamte auf dem komplett abgeriegelen Grundstück.
Im Internet hatten sich das spätere Opfer und der mutmaßliche Täter kennengelernt. Das Portal "Zambian Meat" gilt als Seite, auf der sich Menschen mit kannibalistischen Neigungen austauschen und verabreden.
Im Internet hatten sich das spätere Opfer und der mutmaßliche Täter kennengelernt. Das Portal "Zambian Meat" gilt als Seite, auf der sich Menschen mit kannibalistischen Neigungen austauschen und verabreden.

„Vom Gewicht her sind jetzt so viele Leichenteile vorhanden, dass es – jedenfalls oberflächlich – passen könnte“, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner. Es sei jedoch nicht abzusehen, wie lange die Sektion im Dresdner Institut für Rechtsmedizin dauern wird. Bei den Gewebeteilen und durchtrennten Knochen handelt es sich zum Teil um sehr kleine Stücke, die gesäubert und zugeordnet werden müssen. „Erst dann kann man sehen, was fehlt“, so Geithner.

Noch immer habe die „Sonderkommission Pension“ keine Hinweise darauf, dass G. Teile seines Opfers tatsächlich verspeist habe. Das heißt auch, solange Leichenteile fehlen, wird das Rätseln darüber wohl andauern. Der 55-jährige Pensionsbetreiber G. ist hauptberuflich Polizeibeamter, der bis zu seiner Festnahme als Schriftgutachter im Landeskriminalamt Sachsen (LKA) gearbeitet hat.

Das Opfer, Wojciech S., war an jenem 4. November offenbar mit dem Willen zu G. ins Gimmlitztal bei Reichenau gereist, um sich von ihm töten und aufessen zu lassen. Nach bisherigen Ermittlungen hatte er das mit Detlev G. vereinbart. Schon seit seiner Jugend soll der 59-Jährige diese heimliche Fantasie gehabt haben. Der Beschuldigte bestreitet ein sexuelles oder gar kannibalistisches Motiv.

Nach Polizeiangaben hatten sich die beiden Männer erst Anfang Oktober in einem Internet-Forum kennengelernt, in dem sich Nutzer über solche Fantasien austauschen. Gegen G. wird wegen Mordes zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes ermittelt. Der Dresdner Gerichtspsychiater Stephan Sutarski sagte, solche Fälle kannibalistischer Neigungen von Täter wie Opfer seien außergewöhnlich selten.

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Der Kannibalismus-Verdacht ist nun auch Anlass für eine Internetseite, die offensichtlich aus der linken Szene stammt. Die unbekannten Verfasser machen sich auf der Homepage über das sächsische Landeskriminalamt lustig und beleidigen LKA-Beamte als Menschenfleischesser. Zu sehen sind 24 teilweise geschmacklose Fotos in Aufmachung eines Adventskalenders. Von „Schnitzelcops“ ist die Rede. „Wagen Sie den Tabubruch“, heißt es.

Satire mag Polizeisprecher Thomas Geithner dahinter nicht erkennen: „Das ist geschmacklos und makaber.“ Der Staatsschutz sei nun dabei, die Seiten auf eine strafrechtliche Relevanz, etwa Verunglimpfung, zu überprüfen.