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Das vernetzte Auto kommt

Künftig sollen Autos per WLAN miteinander kommunizieren. VW stattet den Golf erstmals serienmäßig damit aus.

Bei Car-to-x können die Autos mit intelligenter Infrastruktur "sprechen".
Bei Car-to-x können die Autos mit intelligenter Infrastruktur "sprechen". © Volkswagen AG/dpa

Von Fabian Hoberg

Glatte Straßen, Nebel, fast null Sicht. Der Autofahrer reduziert sofort die Geschwindigkeit, hält sich bremsbereit – und hofft, dass ihm keiner ins Heck knallt. Mit sogenannter Car-to-car-Kommunikation könnten riskante Situation wie diese von vornherein vermieden werden. Denn der nachfolgende Verkehr wäre bereits informiert.

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Dafür braucht es allerdings vernetzte Autos mit einer Art WLAN-Router, die auf eine Reichweite von etwa 500 Metern kommen und selbst bei Höchstgeschwindigkeit Daten senden und empfangen können. „Eine Reichweite von bis zu 100 Metern genügt für die meisten städtischen Anwendungen“, sagt Professor Horst Wieker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW Saar).

So ausgestattete Fahrzeuge schicken im Sekundentakt über einen sicheren WLAN-Standard Nachrichten, mit Infos zur Tempo, Position und Richtung. Auch Eingriffe des Autos werden übermittelt, beispielsweise starke Bremsbewegungen oder das Anschalten der Warnblinkanlage. Bei Car-to-x-Kommunikation können die Autos nicht nur untereinander, sondern auch mit der Infrastruktur „sprechen“.

Neben der Sicherheit erhöhen diese Informationen den Verkehrsfluss. Ampeln können Fahrzeugen in Echtzeit mitteilen, bei welchem Tempo sie auf einer grünen Welle surfen. Das spart Kraftstoff und reduziert Unfälle. Bei einer weiteren Vernetzung könnte das System auch Autofahrer beim Abbiegen vor Fußgängern und Radfahrern warnen oder ihnen frühzeitig ankündigen, dass Einsatzfahrzeuge in eine Kreuzung einfahren. „VW setzt bei seiner Kommunikation auf den Standard ETSI G5, den auch andere Hersteller nutzen“, sagt Horst Wieker. Dazu zählen Hersteller von Ampeln oder die österreichische Infrastrukturgesellschaft Asfinag.

„Je mehr Fahrzeuge mit standardisierter Car-to-car- oder Car-to-x-Kommunikation ausgestattet sind, desto besser können sie sich untereinander warnen“, erklärt Professor Andre Seeck von der Bundesanstalt für Straßenwesen. Dann habe das System das Potenzial, die Zahl der schweren Unfälle weiter zu senken.

Eine fast 100-prozentige Marktabdeckung dürfte selbst unter optimistischsten Annahmen erst in 17 Jahren erreicht sein. „Für positive Effekte reicht eine Marktdurchdringung von zehn bis 15 Prozent. Soweit könnten wir in drei bis vier Jahren sein, wenn bald alle Hersteller ihre Autos mit dem System ausstatten“, erklärt Seeck.

Keine Einigkeit über Standard

Volkswagen verkauft seit diesem Jahr den neuen Golf erstmals serienmäßig mit Car-to-x-Kommunikation. Mit einem integrierten Funkmodul und dem standardisierten WLAN ETSI G5 kommunizieren die Golf-Fahrzeuge mit anderen Golf-Fahrzeugen. „Der Vorteil liegt in der direkten Echtzeit-Kommunikation mit wenigen Millisekunden. Außerdem kostet es den Autofahrer keine zusätzlichen Gebühren, da die Kommunikation nicht über das Telefonnetz läuft“, sagt VW-Entwickler Thomas Biehle. Golf-Fahrer informieren und warnen sich untereinander, etwa bei Pannen, Unfällen, Stau, Notbremsung und instabilem Fahrzustand. So werden Baustellenabsperranhänger künftig ein Signal aussenden, das Autofahrer ein paar hundert Meter vor der Fahrbahnverengung warnt.

Einigkeit darüber, welcher Standard der Beste ist, herrscht momentan noch nicht. Mercedes setzt seit 2016 auf eine vernetzte Kommunikation, die Informationen des Fahrzeugs über eine sichere Datenwolke an andere Mercedes-Fahrzeuge weitergeben kann. „So schaffen wir einen erweiterten Sensor, der über viele Kilometer vorausblicken kann“, sagt Mercedes-Entwickler Nikolaus Kleiner. Eine spezielle Hardware benötigen die Autos nicht, um an der Schwarmintelligenz teilzuhaben. Das Auto muss mit einem Navigationsgerät ausgestattet und die Funktion LiveTraffic aktiviert sein. „Durch Hinweise werden Autofahrer gewarnt. Sie wissen genau, wann eine neue Situation eintritt und können sich frühzeitig vorbereiten. Das minimiert Gefahren und vermeidet Unfälle“, so Kleiner.

Bei einem Pilotprojekt werden von Mercedes-Fahrzeugen anonymisierte Infos zu Glatteis an zwei Straßenmeistereien des Zollernalbkreises in Baden-Württemberg übermittelt, die durch die ABS- und ESP-Sensoren ermittelt werden. Die Mitarbeiter bekommen auf einer digitalen Karte die Glätte inklusive Uhrzeit und Positionsdaten angezeigt und erkennen so, auf welchen Straßenabschnitten sie Salz streuen müssen. Das soll Salz sparen und Unfälle vermeiden helfen.

BMW geht einen ähnlichen Weg und bietet seit 2016 mit Connected Drive eine interne Kommunikation an, die Fahrer vor bestimmten Situationen warnt. Vereinfacht ausgedrückt kommuniziert das System dabei mit Daten, die über weite Strecken von Autos über Server – dem sogenannten Backend – zu anderen Autos übertragen werden. „So können wir nicht nur einen Fahrer über ein paar hundert Meter warnen, sondern alle über viele Kilometer“, sagt Joachim Göthel von BMW.

Untereinander oder mit der Umgebung „sprechen“ die Autos noch nicht. Doch auch die Kommunikation für kurze Strecken findet der Entwickler sinnvoll, vor allem für zeitkritische Fälle im Bereich von weniger als 50 Millisekunden, wenn sich zwei Autos schnell warnen müssen. Ab 2021 will BMW mit dem Sports Utility Vehicle (SUV) iNext und dem neuen Datenstandard 5G ein System vorstellen, das zusätzlich auch auf kurzer Reichweite senden und empfangen soll. Im Gegensatz zu VW setzt BMW auf die Mobilfunktechnik C-V2X, eine 2017 verabschiedete LTE-Spezifikation. Auch andere Hersteller entwickeln bereits Systeme mit diesem Standard.

Jan Burgard von der Strategieberatungsfirma Berylls sieht bei den digitalen Diensten wie der Vernetzung ein Schlüsselproblem der Autoindustrie: „Hersteller müssen einen Mehrwert zum Smartphone schaffen. Den können sie nur mit exklusiven Diensten generieren“, sagt der Experte. „Vor Stau, Eis und Regen können auch Smartphones präzise warnen, da sie auf eine sehr große Datenbasis zurückgreifen.“

Plattform für alle Hersteller

Dass die Nebelschlussleuchte des Autos angeschaltet ist, erkennen Tech-Firmen wie Apple oder Google aber ebenso wenig wie die eingeschaltete Stufe des Scheibenwischers. Außerdem sei die fest installierte Vernetzung an Bord unverzichtbar auf dem Weg zum autonomen Fahren, so Burgard. Standards seien dabei unerlässlich, damit Modelle verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren könnten.

BMW strebt eine Plattform an, über die alle Hersteller und Verkehrsteilnehmer sicherheitsrelevante Informationen tauschen können. Dafür haben die Bayern vor einigen Monaten mit Daimler, Ford, Volvo sowie den Geodatendienst-Anbietern HERE Technologies und TomTom einen neutralen Server zum Austausch und Kombinieren von sicherheitsrelevanten Verkehrsdaten in Betrieb genommen. Außerdem stellen sie Gefahrenwarnungen für nichtkommerzielle Zwecke jedem zur Verfügung. „Wir wollen die Marktdurchdringung und ein neues Ökosystem fördern. Denn je mehr Fahrzeuge vernetzt sind und Daten geteilt werden, desto genauer und flächendeckender funktioniert Car-to-x“, sagt Göthel. Und desto mehr erhöht sich die Verkehrssicherheit für alle. (dpa)

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