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Das verpfuschte Leben des Loschwitzer Dorfpoeten

Vor 130 Jahren starb Moritz Heydrich. Seine Dramen blieben vielen unbekannt.

Moritz Heydrich, am 13. März 1820 in Dresden geboren, war ein studierter Mann. Er hat in Leipzig, später in Berlin Philologie, Geschichte und Literatur studiert. Alles, um einmal ein großer Dichter zu werden. Doch schon mit 17 Jahren befiel ihn ein Nervenleiden, von dem er nie geheilt werden konnte. Er schrieb und veröffentlichte einige Dramen, deren Fertigstellung oft Jahre dauerte, weil die Krankheit ihn zu großen Pausen zwang. Die Zeit überdauert haben sie kaum, auch wenn davon berichtet wird, dass sein Trauerspiel in fünf Aufzügen „Tiberius Gracchus“ große Hoffnungen erregt hätte. Sein Festspiel „Goldene Hochzeit“, geschrieben zu Ehren des Ehejubiläums seines Landesvaters Johann von Sachsen und seiner Gemahlin Amalie August, wird in der Fachliteratur manchmal heute noch erwähnt, ebenso seine Werke „Leonore von Portugal“, „Der Pastetenbäcker“ und „Shakespeare-Studien“.

Als Moritz Heydrich sich der Gesundheit wegen 1851 in Loschwitz niederließ und ins Fährhaus zog, schrieb er in sein Tagebuch: „Seit dem zweiten Mai wohne ich wieder auf dem Land, in einem traulichen Stübchen an der Elbe in Loschwitz. Als ichs gemietet hatte, erfuhr ich, dass C. Maria von Weber darin gewohnt und componiert hat. Es durchrieselte mich ein kalter … und doch tieffreudiger Schauer. Mit heiliger Ehrfurcht, mit tiefem heiligen Ernst bezog ich mein liebes Stübchen oder Häuschen. Ganz bestimmt werde ichs nicht vor Vollendung einer neuen dramatischen Arbeit verlassen.“ Zumindest als Dorfpoet machte er sich einen Namen, freundete sich mit Ludwig Richter und Eduard Leonhardi an. Es wird vermutet, dass einige der Sprüche am Leonhardi-Museum – der Maler ließ sie zu seinen Lebzeiten anbringen – auf Heydrich zurückgehen. Am 27. Januar 1885 starb Moritz Heydrich. Zeitgenossen schreiben, dass er „das Gefühl eines verpfuschten Lebens“ nie losgeworden sei. (SZ/md)

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