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Das Vorortidyll des Pegida-Chefs Lutz Bachmann

Mitten in Kesselsdorf wohnt der Mann, der mit seiner Pegida die Politik aufgescheucht hat. Lutz Bachmann polarisiert auch hier.

Von Annett Heyse

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Rechts und links dreistöckige Mietshäuser mit Balkonen und Terrassen, die alle gleich aussehen. Dazwischen leicht verschneite Grünanlagen, Pkw-Stellplätze und Spielecken. Um ein Vogelhäuschen flattern ein paar Spatzen. Das Wohngebiet mitten in Kesselsdorf wurde in den Neunzigerjahren hochgezogen, hier wohnen junge Familien, Rentner, Angestellte und Handwerker – ein Querschnitt durch die deutsche Gesellschaft. Und hier wohnt Lutz Bachmann, der Mann, der seit Wochen mit seiner Pegida Tausende auf die Straße zieht, um gegen angebliche Islamisierung zu protestieren.

© momentphoto.de/bonss

Wie mancherorts bei den Demonstrationen auf den Straßen der Republik liegen auch hier die Nerven blank. „Haut ab, zieht Leine“, schreit ein Nachbar vom Erdgeschoss-Balkon aus den Fotografen an, als wir uns als Journalisten zu erkennen geben. „Ich hole die Polizei, wenn ihr nicht verschwindet. Die war schon mal wegen so etwas da! Das geht hier schon seit Wochen so.“ Er macht Anstalten, über die Brüstung zu klettern, wird schließlich von einem Bekannten aufgehalten. „Lass die, das bringt doch nichts.“

Lutz Bachmann selbst ist nicht zu Hause. An der Haustür hängt ein Hinweis für die Paketdienste: „Pakete für Dresden-Werbung bitte bei K. abgeben.“ Dresden-Werbung – das ist Bachmanns Firma. Zumindest in diesem Hauseingang scheint man zusammenzuhalten. Im Dorf selbst ist man geteilter Meinung über die zweifelhafte Berühmtheit. Denn hier wie anderswo spaltet die Person Bachmann und das Thema Pegida die Bevölkerung. „Was die Menschen wirklich bewegt, haben die Politiker schlicht übersehen – und das parteiübergreifend“, meint Türk Müller. Müller ist Ortsvorsteher, sitzt für die CDU im Stadtrat und kommt als Chef eines Elektroinstallationsbetriebs viel rum und mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt. Mit Pegida sympathisiere er nicht und würde da nie hingehen, sagt er. Aber: „Seit Jahren schlummern viele Probleme, über die nie offen geredet und diskutiert wurde.“ Kein Wunder sei es, wenn jetzt plötzlich Menschen auf die Straße gehen, die jahrelang als unpolitisch galten, nun aber mal ihren Frust, ihre Sorgen und ihre Enttäuschung abladen wollen. Zuwanderung und Integration sei da nur eines von vielen Themen, meint der Ortsvorsteher. Bachmann allerdings ist in Kesselsdorf nie in Erscheinung getreten. „Ich persönlich kenne ihn nicht“, sagt Türk Müller. Auch in Ortschaftsratssitzungen, Vereinen, der Feuerwehr sei Bachmann ein Unbekannter. Die Kesselsdorfer haben auch erst aus der Zeitung erfahren, dass der Pegida-Chef mitten im Dorf wohnt.

Und während sich deutschlandweit die Pegida-Anhänger und Gegner weiter formieren, gingen am Dienstagabend auch in Wilsdruff Demonstranten auf die Straße. Es war der mittlerweile zehnte Protestzug, wieder führte er vom Kleinbahnhof auf den Marktplatz. Doch die Zahl der Protestler ist kleiner geworden. Waren es kurz vor Weihnachten noch – laut Veranstalter – 160 Teilnehmer, pegelt sich deren Zahl wohl nun unter 100 ein. Auch das Netzwerk Asyl Wilsdruff und die Stadtverwaltung waren nicht untätig. Acht Wohnungen hat man inzwischen gefunden, wo Asylbewerber untergebracht werden können. Diese sollen nun hergerichtet werden.

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