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"Das wäre ein riesiger Verlust für Meißen"

Der Tierpark erhält jetzt ganz praktische Hilfe aus der Stadt. Die kommt gerade zur richtigen Zeit.

Schneeeulen zählen im Frühjahr 2020 zu den Attraktionen des Meißner Tierparks. Betreiber Heiko Drechsler sieht nach Hilfsangeboten wieder eine Zukunft für die Anlage.
Schneeeulen zählen im Frühjahr 2020 zu den Attraktionen des Meißner Tierparks. Betreiber Heiko Drechsler sieht nach Hilfsangeboten wieder eine Zukunft für die Anlage. © Heiko Drechsler

Meißen. Wenn Heiko Drechsler auf das Spendenkonto seines Tierparks schaut, staunt er regelmäßig über die Herkunft der Hilfe. Fast alle Bundesländer sind vertreten, einige europäische Staaten ebenfalls. Jüngst haben sogar Fans aus Thailand Geld überwiesen. Aus Meißen hielten sich die Zuwendungen seinen Angaben zufolge zumeist in sehr engem Rahmen. Darüber hatte sich der Tierparkchef in der Vergangenheit immer wieder enttäuscht gezeigt. Nun allerdings wendet sich das Blatt.

Bauunternehmer und Linken-Stadtrat Ingolf Brumm hat dem Tierpark diese Woche überraschend einen Besuch abgestattet. Zuvor war der Mitbegründer der Bürgerinitiative „Meißen kann mehr“, Walter Hannot, bereits für finanzielle Engpässe eingesprungen. „Ich habe jetzt erstmals seit langer Zeit das Gefühl, dass Meißen und die Meißner mich und den Tierpark gern behalten möchten“, so Drechsler. Gleichlautende Rückmeldungen erhalte er von vielen der mittlerweile wieder häufiger kommenden Besuchern.

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Die Grünflügelaras im Meißner Tierpark zählen zu den größten Papageien der Welt.
Die Grünflügelaras im Meißner Tierpark zählen zu den größten Papageien der Welt. © Heiko Drechsler

Bauunternehmer Brumm hat eigenen Angaben zufolge angeboten, mit seiner Firma kostenlos dringende Holzarbeiten in der Siebeneichener Anlage zu übernehmen. Zuerst sollen die Koppeln in Angriff genommen werden. In einem Telefonat mit der SZ hebt der Firmeninhaber die Wichtigkeit des Tierparks für das soziale Gefüge in der Stadt hervor. So viele gut bezahlbare Angebote für Familien gebe es nicht in Meißen, sagt Brumm.

Sollte Drechsler aufgeben, sieht er kaum eine Chance, die Anlage in ihrer bisherigen Form zu erhalten. Das gehe nur mit einem Enthusiasten, wie der Dresdner einer sei. Zudem habe dieser in den vergangenen knapp 20 Jahren ein einzigartiges Wissen über die Tierwelt in Siebeneichen gesammelt. Wenn dieses verloren ginge, wäre das seiner Ansicht nach ein riesiger Verlust für den Naturschutz.

Ähnlich argumentiert Walter Hannot. Er erinnert daran, dass sich im Dezember 2019 der Stadtrat einhellig für den Erhalt des Tierparks ausgesprochen habe. Allerdings scheine der Mehrzahl der Mitglieder nicht bewusst zum sein, dass dem Reden Taten folgen müssten. Ein Erhalt des Tierparks, in welcher Konstellation auch immer, ist für ihn nur möglich, wenn die Entwicklung und ein perspektivischer Übergang mit Drechsler gemeinsam gestaltet werden. In einer Unterbrechung des Tierparks sieht der Meißner dagegen das endgültige Aus, da ein Neustart unter völlig anderen Gesichtspunkten erfolgen müsste, was juristisch und finanziell nicht zu stemmen wäre, so Hannot.

Nordafrikanische Stachelschweine, wie hier in Meißen, sind nicht mehr so häufig in Tierparks zu sehen.
Nordafrikanische Stachelschweine, wie hier in Meißen, sind nicht mehr so häufig in Tierparks zu sehen. © Heiko Drechsler

Tierparkchef Drechsler hat durch die praktische Hilfe hör- und sichtbar Auftrieb erhalten. Gleichzeitig gibt er sich keiner Illusionen hin, dass es sich dabei nur um befristete Lösungen handeln kann. „Für das langfristige Überleben benötige ich zwei Tierpfleger als Helfer“, sagt er. Seine Frau trage nach der schwierigen letzten Zeit das Projekt Tierpark nicht länger mit. Er selbst habe seit drei Jahren keinen einzigen Tag mehr frei gehabt.

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Der Hintergrund der Probleme in Siebeneichen ist komplex: Nach Jahren des Streits hat die Stadt ihre finanzielle Hilfe für die Freizeiteinrichtung eingestellt. Von den Behörden geschickte Mitarbeiter erweisen sich oftmals als unzuverlässig. Ursprünglich hätte es für den Tierpark schon im März wieder losgehen sollen. Doch dann kam die Corona-Krise. Durch den Verdienstausfall über insgesamt acht Monate seit dem September vergangenen Jahres hinweg stand der weitere Betrieb auf Messers Schneide. In normalen Jahren hätten die Einnahmen über Ostern, den 1. Mai und Himmelfahrt das Minus aus den traditionell ausfallenden Wintermonaten halbwegs ausgeglichen. Das allerdings war dieses Jahr nicht möglich.

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