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Kronentor wird seit Jahrhunderten bewundert

Dieser Teil des Zwinger ist einzigartig. Viele Experten sehen in ihm den Höhenpunkt der barocker Baukunst. 

Das Kronentor um 1900. Mit dem Abbau der Befestigungsanlagen war 1812 Zwingergraben verfüllt worden. Der wurde erst 1929 zunächst teilweise und 1949 wieder vollständig freigelegt.
Das Kronentor um 1900. Mit dem Abbau der Befestigungsanlagen war 1812 Zwingergraben verfüllt worden. Der wurde erst 1929 zunächst teilweise und 1949 wieder vollständig freigelegt. © Sammlung Holger Naumann

Eine von vier goldenen Adlern geschützte polnische Königskrone über einem zwiebelförmigen Dach: Das Kronentor des Zwingers ist das wohl wichtigste Wahrzeichen Dresdens. Als es gebaut wurde, stand August der Starke auf dem Gipfel seiner Macht. Er war zu jener Zeit nicht nur Kurfürst und polnischer König, sondern stand nach dem Tod von Kaiser Joseph I. 1711 zudem für eine kurze Zeit als Reichsvikar an der Spitze des Reiches. Das Kronentor markiert so den Höhepunkt augusteischer Herrlichkeit und barocker Baukunst.

Ursprünglich war es um eine Orangerie gegangen, in der August der Starke seine vielen Orangenbäumchen überwintern lassen wollte. Diese sollte an den Zwingergärten auf einem ungenutzten Teil des Dresdner Festungswalls entstehen, der späteren Bastion „Luna“. Der König beauftragte seinen damaligen Landbaumeister Daniel Pöppelmann, der gerade mit Planungen für ein neues Residenzschloss beschäftig war, mit dem Bau. Doch als 1709 der verbündete dänischen König Friedrich IV., ein Cousin Augusts, Dresden einen Staatsbesuch abstattete, gingen auf dem Platz die Festlichkeiten über die Bühne. Dazu hatte Pöppelmann ein Amphitheater mit Tribünen und Galerien aus Holz errichtet, das den späteren Zwinger praktisch schon vorwegnahm. So entstand die Idee, neben der Orangerie dort dauerhaft ein höfisches Festgelände zu etablieren.

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Zielstrebig geht es vorwärts

Vor allem ab 1711 wurden die Bauarbeiten zielstrebig vorangetrieben. Sie begannen auf der Wallseite mit den Bogengalerien, dem Nymphenbad und dem Pavillon des späteren Mathematisch-Physikalischen Salons. Von 1714 an bis 1718 wurde am Kronentor gearbeitet, das die Langgalerie durchbricht, die im rechten Winkel an den Pavillon angesetzt und gegen die Bedenken der Militärs genau auf den Festungswall gesetzt worden war

Das Kronentor gilt ebenso wie der 1715 errichtete Wallpavillon als eine geniale Schöpfung Pöppelmanns, bei der es ihm gelang, Architektur und figürlichen Schmuck miteinander zu verschmelzen. Das Tor ist etwa dreimal so hoch wie die Langgalerien, was kaum auffällt. Die schwingenden Formen lassen die Schwere des Steins vergessen. Der ganze Bau wirkt heiter und schwerelos, von steinerner Festdekoration umrankt. 4 Giebel, 12 lebensgroße Figuren und 14 Vasen zieren den Hauptsims. Der Mittelgiebel zeigt von Ostra-Allee aus das von Lorbeer- und Palmenzweigen umrahmte polnisch-sächsische Wappen, darüber einen helmbewehrten Athenekopf. 

Das Kronentor heute. 
Das Kronentor heute.  © Sven Ellger

Der Tordurchgang wird von zwei Säulenpaaren umrahmt. In die Pfeilerwände sind Nischen mit Vasen eingelassen. In den Nischen an der Grabenseite stehen die von Balthasar Permoser geschaffenen Figuren des Winters und des Herbstes. Auf der Hofseite werden sie durch zwei weibliche Figuren komplettiert, den Sommer und nochmals den Herbst. Der Frühling fehlt. Eine Kartusche im Giebel zeigt das Monogramm August des Starken: ARP – Augustus Rex Poloniae. Auf der Attika sind links die Figuren des Herkules, des Gottes Merkur und ein Faun, rechts ein Herkules mit Löwenfell, des greisen Winters und wiederum ein Faun zu sehen, die von Johann Benjamin Thomae gefertigt wurden, einem Gehilfen Permosers und weiteren wichtigen Künstler des Zwingers. Im Durchgang führen rechts und links Treppenanlagen in die Langgalerien.

Ein Nachfahr des Triumphbogens

In der Kuppel in der Mitte des Durchgangs gibt ein Rundauge den Blick in das Obergeschoss des Kronentores frei. Einst war dort an der Decke ein Fresko zu sehen. Die Kanten der großen Kupferzwiebel, des Dachaufbaus, sind mit vergoldeten Arkanthusblättern verziert.

Der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Fritz Löffler bezeichnete das Kronentor von ungefähr als den „späten Nachfahr eines antiken Triumphbogens“. Denn 1710 hatte August der Starke seinen Baumeister auf eine Bildungsreise nach Prag, Wien, Salzburg und Rom geschickt, um dort „die Dresdner Schlossbaupläne mit den vornehmsten Baumeistern und Künstlern zu besprechen“, wie es hieß. Die Vorbilder der Zwingerarchitektur finden sich folglich in vor allem in Wien und Rom.

Pöppelmann selbst soll den Zwinger eine „römische Erfindung“ genannt haben. So hatte er die Synthese von Architektur und Plastik unter anderem im Gartenhof des Palazzo Borghese studiert. In Italien hatte er auch gesehen, wie sich Architektur mit Wasserspielen beleben lässt. In Wien zeigte ihm der Architekt Fischer von Erlach sein aktuelles Projekt, das Palais des Fürsten Trautson. Auch die Pläne für Triumphbögen für Feierlichkeiten nahm Pöppelmann nach Dresden mit. Weitere Anregungen fand er zudem in Böhmen, wo zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine reiche Barockarchitektur zu erleben war.

Auf Studienreise in Versailles

1715 ging Pöppelmann noch einmal auf Reisen nach Paris, um in Versailles Studien für die Innenausstattung des Zwingers zu treiben. Vorbild für die farbige Gestaltung des Mathematisch.Physikalischen Salons war Hardouin-Mansarts Spiegelgalerie. Pöppelmann war der erste deutsche Architekt, der sich in der Stadt an der Seine umsah, um sich Anregungen zu holen.

Ein erster Entwurf für das Kronentor hatte unter anderem eine kräftige Rustika im Erdgeschoss, darüber freistehende Säulen und eine große Kuppel vorgesehen. Doch als 1714 deutlich wurde, dass der Zwingerhof nicht in das Areal des geplanten Schlossneubaus eingebunden werden sollte, dachten Pöppelmann und Permoser über die Gestaltung des Kronentors neu nach und erwogen zunächst ein Gebäude mit vielen Säulen oder Hermen auf zwei Stockwerken, das von einer großen Atlasfigur gekrönt wurde. Ab er auch diese Idee wurde schließlich verworfen.

Bei der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg fielen auch der Zwinger und das Kronentor in Trümmer. Zwiebelkuppel, Krone, Adler und eine Reihe von Figuren stürzten herab. Mit den Arbeiten am Kronentor wurde der Wiederaufbau des Zwingers eingeleitet. Schon 1946 wurde mit den Arbeiten an der polnischen Königskrone begonnen und 1951 das Tor fertiggestellt. Zuletzt wurde es von 2012 bis 2016 für rund 650 000 Euro überholt.

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