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„Das waren damals große Zeiten“

Dynamos Ex-Torwart Ronny Teuber arbeitet jetzt beim HSV, kommt aber nicht mit zum Flut-Benefizspiel nach Dresden.

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Von Tino Meyer

Alle reden von Sammer, Minge, Kirsten. Von Teuber spricht keiner, zumindest nicht bei Dynamo Dresden. Dabei hat Ronny Teuber die erfolgreichen späten 1980er-Jahre bei den Schwarz-Gelben genauso mitgeprägt und auch in den ersten Bundesliga-Spielzeiten zum Kader gehört. Inzwischen arbeitet der bald 48-Jährige seit fast einem Jahrzehnt als Torwarttrainer beim Hamburger SV – und ist damit so etwas wie der Chef von René Adler.

Warum der Nationaltorwart beim Flut-Benefizspiel am kommenden Mittwoch in Dresden gegen Dynamo vermutlich ebenso fehlen wird wie Teuber selbst, verrät er im SZ-Interview.

Herr Teuber, der HSV hat in den drei vergangenen Testspielen drei Niederlagen hinnehmen müssen, und die Agenturen berichten von dicker Luft in Hamburg. Wie haben Sie die bisherige Vorbereitung erlebt?

Dicke Luft ist bei uns überhaupt nicht. Testspiele sind, wie das Wort schon sagt: Testspiele. Richtig los geht es erst mit dem Pokalspiel gegen Schott Jena und eine Woche später in der Liga gegen Schalke. Erst dann zählen die Ergebnisse. Ich kann mich noch gut an Jahre erinnern, in denen wir in der Vorbereitung alles gewonnen haben, dann aber schlecht gestartet sind. Derzeit sind wir noch am Ausprobieren und Einstudieren, auch mit unseren Neuzugängen. Das ist ein Prozess, und der findet im Moment ziemlich zügig statt.

Viel Zeit bleibt dem Verein, der mit seiner Tradition und dem emotionalen Umfeld an Dynamo Dresden erinnert, ja ohnehin nicht, oder?

Das stimmt vollkommen. Der HSV bewegt gerade hier im Norden eine ganze Menge Leute, die ihr Herz an den Verein hängen. Der Vereinsslogan heißt ja nicht umsonst: Die Raute im Herzen. Die ganze Stadt fiebert mit dem HSV – und das in jede Richtung. Bei Siegen ist die Stimmung schnell euphorisch, Niederlagen werden dagegen oft sehr kritisch gesehen.

Seit 2006 leben Sie mit Ihrer Familie in Hamburg. Wie gut sind die Kontakte noch elbabwärts nach Dresden?

Anfang Juni waren wir da – zum ersten Mal nach sehr, sehr langer Zeit. Wir wollten einfach sehen, wie sich die Stadt entwickelt hat. Denn emotional sind wir mit Dresden schon noch verbunden, doch vorher hat es nie so richtig mit einem Besuch geklappt. Und auch diesmal wäre es buchstäblich fast wieder ins Wasser gefallen. Wegen der Flut haben wir lange gerätselt, ob wir überhaupt hinfahren sollten. Zum Glück haben wir es gemacht.

Warum zum Glück?

Die Stadt hat sich unheimlich entwickelt. Das hat uns sehr positiv überrascht. Als ich Dynamo 1993 verlassen habe, stand zum Beispiel die Frauenkirche noch nicht, die ganze Innenstadt ist ja umgekrempelt worden. Prager Straße, Altmarkt, die Einkaufspassagen und Hotels rund um die Frauenkirche – alles neu. Da ist sehr viel entstanden, auch in der Infrastruktur, bei den Zufahrtsstraßen und Autobahnen.

Haben Sie noch Kontakt zu Dynamo?

Nein, leider. Es gab in der Vergangenheit ja das eine oder andere Ereignis, aber irgendwie bin ich nie eingeladen worden. Oder ich hatte keine Zeit, kann auch sein. Wenn man mit einer Profimannschaft unterwegs ist, gehen bestimmte Termine nicht.

An welche Erlebnisse aus sieben Dynamo-Jahren denken Sie am liebsten?

Besonders gern denke ich an unsere internationalen Spiele zurück – verbunden mit der Mannschaft, die europäische Spitze gewesen ist. Das waren damals große Zeiten. Doch eigentlich will ich vermeiden, über die Vergangenheit zu reden. So von wegen: Früher war alles besser. Ab und zu fragen die Jungs beim HSV natürlich aber danach, wie es früher war, mit wem ich zusammen gespielt habe.

Wie intensiv verfolgen Sie Dynamos aktuelle Entwicklung?

Natürlich verfolge ich das Geschehen, wie ich eigentlich alle meine ehemaligen Klubs verfolge – Dresden und Union Berlin aber ganz besonders. Bei Union hatte ich mit dem Fußballspielen begonnen und mit Dynamo Dresden meine erfolgreichste Zeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass beide in die zweite Liga gehören – mindestens. Das sind zwei Traditionsvereine, die großes Zuschauerpotenzial haben. Beide haben sich auch gut entwickelt, schon allein mit ihren Stadien, besonders das in Dresden. Auch wenn ich es bislang nur im Fernsehen gesehen habe. Denn auch bei meinem Besuch blieb dafür leider keine Zeit.

Dafür dann vielleicht nächsten Mittwoch, wenn Sie mit dem HSV nach Dresden kommen – und Nationaltorwart René Adler mitbringen?

Also ohne mich jetzt festlegen zu wollen, aber das glaube ich nicht. René steckt nach seinem Kapselriss noch mitten in einem intensiven Reha-Programm. Am Dienstag haben wir erst mit leichtem Balltraining angefangen. Da kommt das Spiel gegen Dynamo noch ein bisschen zu früh, leider. Und das ist auch der Grund, warum ich am Mittwoch wahrscheinlich ebenfalls nicht mit dabei sein kann. Stattdessen werden René und ich hier in Hamburg intensiv arbeiten. Da zählt jeder Tag für unser Ziel, ihn so schnell wie möglich wieder fit zu machen. Aber ich glaube, dass ich bei diesem Benefizspiel auch nicht so wichtig bin.

Wird er denn beim Bundesligaauftakt in Schalke wieder im Tor stehen?

Das ist unser Ziel, spätestens. Wir wollen natürlich, dass er auch schon im Pokal spielt. Aber wenn er noch eine Woche länger braucht, haben wir mit Jaroslav Drobny einen fantastischen Torwart, der genauso gut im Tor stehen kann wie René.

Fußballdresden träumt von der Bundesliga, ganz Hamburg vom Europapokal. Ist zumindest das zweite ein realistisches Vorhaben?

Ja, natürlich. Wir haben selbst das Ziel ausgegeben, international spielen zu wollen. Das ist ambitioniert. Aber ich glaube, dass wir auch die Mannschaft dazu haben. Das Potenzial ist vorhanden. Als HSV muss man in einer Stadt wie Hamburg ohnehin Farbe bekennen. Deshalb haben wir deutlich gesagt, wo wir hinwollen. Dass wir uns am Ende daran messen lassen müssen, ist aber auch klar.

Stichwort Ziele: Reizt es Sie, selbst mal Cheftrainer zu sein?

Nein. Ich bin Spezialtrainer, das merke ich. Mir gefällt der enge Kontakt zu den Spielern, und das Torwartgeschäft ist das, was ich kann, was ich früher gemacht habe. Ich bin gern in einer guten Mannschaft wie dem HSV und steuere meinen Teil zum Erfolg bei. In Hamburg kann ich in unserem Trainerteam autonom arbeiten. Wenn es um Torhüter geht, bin ich die erste Anlaufstelle. Der Verein kriegt von mir jedes Mal zwei oder auch drei topfitte Torhüter zur Verfügung gestellt. Und das ist auch das, was der Trainer will.

Tickets fürs Benefizspiel kosten zwischen 6 und 18 Euro. Kinder zahlen jeweils die Hälfte. Der Erlös kommt den Stiftungen Lichtblick und „Dresdner helfen Dresdnern“ zugute. Weitere Infos unter: www.dynamo-dresden.de