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Das Warten auf den Bus soll Spaß machen

Nach einem halben Jahr Bauzeit wird heute der neue Busbahnhof in Pirna eröffnet. Er ist keine bloße Haltestelle, sondern ein Platz mit klugem Konzept.

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Von Alexander Müller

Wer in Pirna auf den Bus angewiesen ist, der hat ab heute einen neuen Anlaufpunkt. Der Busbahnhof gegenüber der Gartenstraße wird am Vormittag eröffnet. „Ziel war es, die Funktionalität des Wartens mit einem dennoch angenehmen Aufenthalt zu verbinden“, erklärt Landschaftsarchitektin Magret Scheerer. Im Auftrag des Pirnaer Architektenbüros Seidel, das für die gesamte Planung verantwortlich war, und zusammen mit Architektin Annien Röder entwickelte sie ein besonderes Konzept.

Fünf thematische Warte-Inseln

Das Konzept gehe auf die Bedürfnisse der Menschen ein, obwohl es sich bei dem Busbahnhof um einen praktischen Bau handelt, erklären die Architektinnen. „Die Flächen sollen die Besucher zum Schauen, Staunen, Entspannen, Entdecken und Erobern anregen“, sagt Annien Röder.

Insgesamt gibt es zwölf separate Warte-Inseln auf dem Busbahnhof. Fünf davon stehen unter einem eigenen Motto:

Die Stein-Insel

Auf der Stein-Insel wird Sandstein (Granit) zum sonst vorherrschenden Beton kombiniert. Eine lange Sitzbank besteht aus Bruchsteinmauerwerk, und am Ende der Insel wurde eine Fläche mit Bruchsteinplatten ausgelegt. Aus den Fugen wächst ein großer Strauch, und die Wand am Wartehäuschen ist mit Steinplatten verkleidet. Die verschiedenen Elemente sind vielseitig nutzbar. Ob zum Sitzen, Liegen oder als Tisch, der Bau selbst gibt kaum Grenzen vor. „Das Ganze ist auch zum Lümmeln gedacht“, sagt Magret Scheerer.

Die Pflanzen-Insel

Auf dieser Insel sollen Pflanzen über den Beton herrschen. Die Flächen und Körper sind geometrisch und verändern sich je nach Jahreszeit und Alter. Als Gegenpol zum Betonwartehäuschen existiert ein Baumkarree. Auch die Bäume sind rechteckig geschnitten und greifen somit die geometrischen Formen auf. Aus den Fugen im Boden wächst Rasen, und die Sitzgelegenheiten wechseln sich mit würfelförmigen immergrünen Sträuchern ab. An der Anzeigewand wurde Wilder Wein gepflanzt. „Der überwächst in wenigen Jahren die gesamte Haltestelle und auch das Dach“, erklärt Annien Röder. Die Insel soll das Bild des Busbahnhofs auch farblich etwas auflockern. Allerdings kommt nicht nur hier die Natur zum Vorschein: Auf dem kompletten Areal sind neue Bäume, Sträucher und Blumen angepflanzt worden. „Zum Beispiel sehr viele Rosen“, berichtet Magret Scheerer. Und in der Mitte des Rondells zum Wenden der Busse steht eine junge Trauerweide.

Die Metall-Insel

Über die gesamte Insel verläuft ein 40Zentimeter breiter Stahlstreifen. An einem Ende der Insel lädt eine erhöht liegende Ebene zum bequemen Sitzen oder Anlehnen ein. Der Metallstreifen verläuft auch auf dieser höheren Ebene. Im mittleren Bereich befinden sich auf dem Streifen Stahlkörper, die entweder Sitzplätze sind oder mit Blauschwingel bepflanzt wurden. „Dieses blaue Gras harmoniert mit der Farbe des Metalls“, erklärt Magret Scheerer. Dazu passen auch die Leuchtmasten auf dem gesamten Busbahnhof. „Sie sollen Grashalme darstellen“, sagt Annien Röder.

Die Holz-Insel

Diese Insel sticht optisch am meisten aus dem Gesamtbild heraus. Die Holzbänke erinnern ein bisschen an die einer Sauna. Nur sind sie breiter. „Das sind richtige Lümmelbänke und Liegedecks“, erzählt Magret Scheerer. Aus dem Holzdeck wachsen Zierkirschen, und die Wandverkleidung des Wartehäuschens besteht aus Holzlattung.

Die Wasser-Insel

Hier gibt es ein großes Becken mit einer zehn Zentimeter flachen plätschernden Wasserfläche. Große Steine bieten die Möglichkeit, am Wasser zu sitzen. „Auf ihnen kann aber auch gespielt und geturnt werden“, erläutert Annien Röder.