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Das Wasser muss im Steinbruch bleiben

Oberbergamt Freiberg und Kreisumweltbehörde verweigern der Firma Flechtingen die wasserrechtliche Erlaubnis. Das ist ein Sieg für die Brößnitzer.

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© Anne Hübschmann

Von Udo Lemke

Schon von Weitem ist die Staubwolke zu erkennen, die über dem Steinbruch Brößnitz liegt. Bei mehr als 30 Grad Celsius im Schatten nicht gerade ein erfrischender Anblick. Noch mehr als dieses allsommerliche Geschehen bewegt die Brößnitzer aber eine Entscheidung des zuständigen Oberbergamtes Freiberg (OBA).

© Anne Hübschmann

Dieses musste die zum 30. Juni auslaufende wasserrechtliche Erlaubnis verlängern. Und das, obwohl nachweislich saure Wässer aus dem Steinbruchgelände austreten und mittlerweile das Flächennaturdenkmal Kasseln-Teiche zerstört haben. Würde dies nicht abgestellt, würde der Betreiberfirma Flechtingen die Betriebserlaubnis für den Grauwacke-Steinbruch entzogen, so das Kalkül. Allerdings wird daraus nichts. Zwar antwortete der Chef des Freiberger Amtes, der sächsische Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer, auf die Frage der Sächsischen Zeitung, ob die Erlaubnis erteilt werde, mit einem klaren Nein. Aber ebenso klar ist die Tatsache, dass in Brößnitz derzeit weiterhin Grauwacke abgebaut und zu Split und Schotter bzw. großen Wasserbausteinen verarbeitet werden darf.

Keine wasserrechtliche Genehmigung – und dennoch geht alles weiter wie gehabt? Auf diesen Widerspruch hin angesprochen, erklärte Professor Cramer: „Ihre Nachfrage beantworte ich mit dem Hinweis, dass das dem Steinbruch zusitzende Grund- und Regenwasser vorerst im Tagebau verbleibt. Soweit keine lange andauernden Starkregenfälle niedergehen, ist mit einem Absaufen des Steinbruchs in nächster Zeit nicht zu rechnen. Das Sächsische Oberbergamt arbeitet im Einvernehmen mit der Wasserbehörde des Landkreises an einer neuen wasserrechtlichen Erlaubnis unter Berücksichtigung der erforderlichen Veränderungen im Betrieb des Steinbruchs.“ Wie diese Veränderungen auszusehen haben, erklärt das Oberbergamt. Fast gleichlautend antwortete der Chef des Meißner Kreisumweltamtes, Peter Jönsson. Als Quellen für die austretenden sauren Wässer hätten Untersuchungen durch die beiden Ämter am Steinbruch und die Auswertung der vor Ort genommenen Wasserproben „diffuse Austritte von saurem Wasser aus einem Außenlager des Steinbruchs (Splittlagerplatz) und dem südöstlichen Rand des Absetzbeckens Nummer zwei“ ergeben.

Insgesamt gibt es drei Absetzbecken, in die das von der Sohle des Steinbruchs hochgepumpte Grubenwasser eingeleitet wird. Amtschef Jönsson: „Zunächst sind nach Auffassung des Kreisumweltamtes unverzüglich die Absetzbecken außer Betrieb zu nehmen. Zu einer neuen wasserrechtlichen Erlaubnis wird die Untere Wasserbehörde nur unter dieser Bedingung ihr Einvernehmen erklären. Weiterhin muss das Außenlager zurückgebaut und auf das Gelände im Inneren des Steinbruchs verlegt werden.“ Und das Oberbergamt fügt noch hinzu: „Eine Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung durch Versauerung von Grundwasser besteht nicht. Das liegt daran, dass das Oberflächenwasser, das dem Flächennaturdenkmal Kasseln zufließt bzw. von dort in die nachgeschaltete Drainage und Vorflut gelangt, mit dem Grundwasser, das sich in den Hausbrunnen sammelt, nicht messbar kommuniziert.“ Und Professor Cramer bekräftigt: „Seit heute (1. Juli – Anm. der Red.) darf der Bergbauunternehmer nicht mehr Wasser aus dem Pumpensumpf in die Absetzteiche pumpen.“

Und wie soll es nun weiter gehen? Peter Jönsson: „Nach Kenntnis des Kreisumweltamtes ist kurzfristig keine Klärung der sauren Wässer im Steinbruch vorgesehen.“ Und Frank Eggeling, der Geschäftsführer des Steinbruchs Brößnitz, erklärte: „Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, wir sind vom Oberbergamt noch nicht in Kenntnis gesetzt worden – deshalb mache ich dazu keine Aussage.“

Auf Nachfrage bei Kreisumweltamtschef Jönsson sagt dieser: Der Steinbruchbetreiber selbst trägt vor – mit Berechnungen untersetzt –, dass eine Ausleitung aus dem Steinbruch nicht nötig und eine Wasserhaltung innerhalb des Betriebsgeländes möglich sei.“ Argumentiert wird seitens der Betreiber, dass das im Steinbruch anfallende Wasser für die Bewässerung von Halden, Fahrwegen und der Reifenwaschanlage genutzt wird, um die Staubbildung zu minimieren.

Ist man jetzt in Brößnitz, hat man den Eindruck, dass das Wasser dem Staub hoffnungslos unterlegen ist.