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Das Wechselspiel der AfD

Andreas Kalbitz ist nach seinem Rücktritt in der AfD geschwächt. Was bedeutet das für die Partei? Ein Kommentar.

Thilo Alexe ist Redakteur im Ressort Politik der Sächsischen Zeitung.
Thilo Alexe ist Redakteur im Ressort Politik der Sächsischen Zeitung. © Soeren Stache/dpa/SZ

Mit seinem unbedachten Verhalten hat Andreas Kalbitz etwas ausgelöst, was er nicht gewollt haben kann: Selbst unter seinen Anhängern in der AfD wird kritisch und öffentlich über ihn diskutiert. Im Netz geschieht das, für alle einsehbar, mit bislang unbekannter Schärfe. Einstige Verbündete fragen, ob Kalbitz ein Trickser ist, der trotz seines Organisationsgeschicks und der hohen Wahlergebnisse in Brandenburg die Partei hinter die eigenen Machtinteressen stellt.

Das ist für die AfD bedeutsam. Denn die bisherige Konfliktstellung – eher moderate Konservative um Bundeschef Jörg Meuthen gegen die lauten Ex-„Flügel“-Leute um Björn Höcke und Kalbitz – verändert sich. Auch innerhalb des angeblich aufgelösten Parteizirkels ist der frühere Brandenburger Fraktionschef nicht mehr unantastbar.

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Für das Eilverfahren vor einem Berliner Gericht, mit dem Kalbitz am Freitag seine AfD-Mitgliedschaft wieder erlangen will, spielt das keine Rolle. In der Partei aber ist der Abgeordnete geschwächt. Solidaritätsbekundungen fallen kleinlaut aus. Selbst Höcke schweigt bislang.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die AfD einen „Flügel“-Promi fallenlässt. Nach rassistischen Äußerungen verließ André Poggenburg Anfang 2019 die Partei. Zuvor hatte die Magdeburger AfD-Fraktion ihrem bisherigen Chef das Vertrauen entzogen. Bereits damals gab es Druck von der AfD-Bundesspitze. Mittlerweile allerdings scheint Meuthen entschlossener zu sein und kalkuliert dabei auch den möglichen Bruch mit seinem Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla ein.

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Spannend wird, wie eine AfD ohne Kalbitz und ohne nennenswerten Einfluss des bisherigen „Flügels“ aussähe – auch im Hinblick auf die drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Meuthen will die Partei zu einer Kraft machen, die attraktiv für von der CDU enttäuschte Konservative und Wirtschaftsliberale ist, aber eben keine extremen Töne anschlägt. Freilich: Die AfD ist im Wechselspiel zwischen Provokation und Beharrung, zwischen Bürgerlichkeit und Protest groß geworden. Diese Dynamik ist schwer steuerbar und immer gut für überraschende Wendungen.

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