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Döbeln

„Das Wir ist wichtig“

Viele Jahre hat Kathleen Bölke in Berlin gelebt. Jetzt ist sie zurück in der alten Heimat. Ganz zufrieden ist sie nicht.

Hundedame Emma ist immer an der Seite von Kathleen Bölke. Die dreifache Mutter will sich im künftigen Stadtrat vor allem für Kinder, Familien und Alleinerziehende engagieren.
Hundedame Emma ist immer an der Seite von Kathleen Bölke. Die dreifache Mutter will sich im künftigen Stadtrat vor allem für Kinder, Familien und Alleinerziehende engagieren. © Lars Halbauer

Döbeln. Fredrik hopst auf dem Schoß von Kathleen Bölke. Der neun Monate alte Junge ist das dritte Kind der 38-Jährigen. Richard (7) und Henrik (10) lernen in der Schule, während die alleinerziehende Mutter Zuhause den Jüngsten betreut. „Zusammen sind wir ein Team“, sagt sie.

Die Kinder, Familien und vor allem diejenigen, die die Erziehung alleine „rocken“, liegen ihr besonders am Herzen. Für sie möchte sich Kathleen Bölke einsetzen, wird sie in den Döbelner Stadtrat gewählt. Sie steht auf der Liste der Wählervereinigung „Wir für Döbeln“.

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Zwei Stadtratssitzungen habe sie besucht, um sich anzusehen, wie die Arbeit der Räte funktioniert. „Dabei bin ich mit Dietmar Damm ins Gespräch gekommen“, erzählt sie. „Ich finde es toll, wie sich die Wählervereinigung engagiert.“ Sie gehe auf die Leute zu, stelle Anträge und bleibe dann auch dran. Bissig. Immer wieder. „Wir für Döbeln“ sei bodenständig, träume nicht von Podesten, sondern versuche, etwas für die Döbelner zu erreichen. „Das ist Bürgerbeteiligung, von Döbelnern gewählt für die Döbelner“, meint sie.

In vielen Bereichen fehlt ihr diese Bürgerbeteiligung. „Das kenne ich aus Berlin anders.“ Dort hat die gelernte Arzthelferin zwölf Jahre lang als MTA-Laborantin im Bereich Mikrobiologie im Bundeswehrkrankenhaus gearbeitet. Ehrenamtlich hat sie sich in der Hauptstadt im Arbeitersamariterbund, im Elternrat und in einem Sportverein engagiert. Das Mitmachen, sich Einbringen, aber auch Unterstützung erhalten, sei dort wesentlich einfacher gewesen,, als in Döbeln.

In die Stadt ihrer Kindheit sei sie wegen ihrer Eltern zurückgekehrt. „Sie werden nicht jünger. Und wenn nicht jetzt, wäre ich vielleicht nie wiedergekommen“, sagt sie. Vier Wochen vor Fredriks Geburt habe sie deshalb noch einen riesigen Umzug gestemmt. Das Baby ist auch der Grund, weshalb sie sich sofort in Döbeln engagieren möchte. „Bei den Gesprächen zum Kitaplatz ist mir aufgefallen, dass alle ein bisschen verschlossen und konservativ waren. So unter dem Motto: Das war schon immer so und das bleibt so.“

Auf dieser Welle will Kathleen Bölke aber nicht mitschwimmen. Deshalb hat sie selbst die Initiative ergriffen und im Januar eine Alleinerziehendengruppe gegründet. „Es ist wichtig, dass wir als Mütter und Väter gesehen werden. Deshalb müssen wir uns bündeln, um uns Gehör zu verschaffen“, meint sie.

Kita-Öffnungszeiten auf Prüfstand

Aus der Gruppe heraus würde sie schon einen Gedanken mit in den Stadtrat nehmen. „Der sollte prüfen, ob die Öffnungszeiten und Gebühren in den Kindertagesstätten nicht flexibler und bedarfsgerechter gestaltet werden können“, sagt Kathleen Bölke. Es gebe einige Alleinerziehende, die im Einzelhandel arbeiten würden, das aber nicht können, weil die Kita schon um 17 Uhr schließt. „Und nicht jeder hat eine fitte Oma, die das Kind abholen kann.“

Durch den langen Atem, den man in der Stadt brauche, verliere mancher die Motivation. Die Scheuklappen vor den Problemen anderer müssten weg und manches unkomplizierter gehen, wünscht sich die dreifache Mutter und sagt: „Das Wir ist wichtig.“ Sie denkt dabei zum Beispiel an ein Nachbarschaftsfest, für das ohne große Anträge drei Bänke auf der Straße aufgestellt werden können. Oder an eine Nachbarschaftshilfe. Während ältere Menschen den Kindern vorlesen oder mit ihnen spielen, könnten deren Eltern für die Senioren einkaufen gehen“, nennt sie ein Beispiel.

Döbeln sei eine tolle Stadt. Sie habe mit der Bibliothek, dem Bad, dem Kino und Theater viel zu bieten. Das müsse aber auch herausgestellt werden, sagt sie und will sich außerdem für die Anbindung der Regionalbahn an die Großstädte einsetzen. Denn die Kleinstadt dürfe von den großen nicht abgehängt sein. Die Fahrt nach Dresden wäre dann auch mit drei Kindern unkompliziert und würde nur 60 Minuten dauern. „So lange braucht man in Berlin auch von einem Ende zum anderen.“