merken
PLUS Löbau

Das wollen wir für Neusalza-Spremberg

Vier Gruppierungen treten zur Stadtratswahl an. Sie wollen junge Ärzte in die Stadt holen und erreichen, dass der Ort touristisch attraktiver wird. 

Der Obermarkt in Neusalza-Spremberg.
Der Obermarkt in Neusalza-Spremberg. © Rafael Sampedro

Wie zufrieden sind Sie mit der Infrastruktur in der Stadt, was fehlt noch und wie könnte das erreicht werden?

Die Kandidaten der verschiedenen Parteien und Gruppierungen sind sich einig: Neusalza-Spremberg steht bereits gut da. Die Stadt profitiere von der guten überregionalen Verkehrsanbindung der B 96 sowie der Bahnlinie Dresden - Zittau mit eigenem Haltepunkt, so die CDU. Vieles ist schon erreicht worden. Den teilweisen Breitbandausbau und die Sanierung von Straßen und Plätzen nennen die CDU und die Freie Wählergemeinschaft als Pluspunkte. Die gut ausgestattete Oberschule und die neue Kita sehen die Kultur- und Heimatfreunde sowie der AfD-Bewerber als positive Beispiele für die gute Infrastruktur. 

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Kritisiert wird von den Freien Wählern, dass es im Ortsteil Friedersdorf keine Einkaufsmöglichkeit gibt. Das sei grade für die älteren Einwohner nicht zufrieden stellend. "Hier müssen wir ansetzen", so die Freie Wählergemeinschaft. Auch die Kultur- und Heimatfreunde sehen den fehlenden Einzelhandel in Friedersdorf als Problem. Auch in der Gesamtstadt müsse die Verwaltung aktiver werden, so die Kultur- und Heimatfreunde, um leere Gewerbeeinheiten gezielter anzubieten und auf Marktlücken aufmerksam zu machen. 

Bedarf gebe es etwa für einen neuen Zeitschriften- und Buchhandel, Cafés und Gaststätten oder einen Post-Shop im Zentrum von Neusalza-Spremberg. Ähnliches greift auch der AfD-Kandidat in seinem Wahlprogramm auf. Das Ladensterben beobachtet er mit Sorge. Da seien zum Beispiel die Schließung des Hagebaumarktes und Gaststätten-Schließungen zu beklagen. Der Ratskeller stehe seit Jahren leer. "Hier wünsche ich mir eine Neubelebung zumal er über eine funktionstüchtige Bowlingbahn verfügt, die das Freizeitangebot für Jung und Alt entscheidend verbessern könnte."

Mehr Wohnraum für Familien zu schaffen, sehen die Freien Wähler als Aufgabe für die Zukunft. "Hier sollten wir Möglichkeiten schaffen, um geeigneten Wohnraum zur Verfügung zu stellen." Kommunaler Wohnungsbau wäre hier ein Ansatz oder private Investoren beim Bau oder der Modernisierung von Wohngebäuden zu unterstützen. 

Mit Anregungen zur Verschönerung und Belebung wollen sich auch die Stadtratskandidaten der Kultur- und Heimatfreunde für ihre Heimatstadt einsetzen.  Zum Beispiel die Bemühungen, den Bahnhof zu erwerben und neu zu gestalten, dürften nicht abreißen. Brachen müssen verschwinden, zum Beispiel in Friedersdorf an der Hauptstraße und in Teilen des Stadtzentrums. Den öffentlichen Nahverkehr sehen die Kultur- und Heimatfreunde als wichtigen Aspekt, ebenso für die Freien Wähler.  

Die CDU-Bewerber sehen als Aufgaben für die Zukunft die Instandhaltung und den weiteren Ausbau von Straßen, Plätzen und Brücken. Ein Schwerpunkt werde außerdem die Sanierung der Kreisstraße „Bahnhofstraße“ im Zusammenwirken mit dem Landkreis sein sowie weitere Versorgungsträger-Ausbauten.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Kultur und Tourismus, wird dafür genug getan, wo sehen Sie Verbesserungspotenzial? 

Eine positive Einschätzung geben die Kultur- und Heimatfreunde für das Kulturleben in der Stadt ab. Regelmäßige Kulturveranstaltungen für alle Altersgruppen, Wanderungen, Ausstellungen und vieles mehr seien zu nennen. Sie wünschen sich allerdings eine Alternative für den eingestellten Genussmarkt, denn Feste und Märkte lenken Aufmerksamkeit auf die Stadt und fördern die Gemeinschaft der Einwohner. Märkte, das  Baudenkmal Reiterhaus, der Spreepark und das „Sonnenheiligtum Thors Amboss“ sowie örtliche Sagen haben laut der Kultur- und Heimatfreunde großes Potential und sollten noch besser präsentiert werden.

Besonders für das Reiterhaus wünschen sie sich mehr Aufmerksamkeit und, dass eine Museumsleiter-Stelle geschaffen wird. Verstärktes Mitwirken in der Touristischen Gebietsgemeinschaft, der Einsatz sozialer Medien und das Schaffen einer Vollzeitstelle für Kultur und Tourismus sind ihnen außerdem wichtig, um diese Ziele langfristig zu erreichen. Die Pflege von Wanderwegen steht ebenso auf der Agenda wie die Schaffung eines Ringwanderweges mit Einbindung des Ortsteils Friedersdorf. Besondere Persönlichkeiten der Stadt wie Schreiber und Pilarik sollen auch in Zukunft Würdigung finden.

Die Bibliothek, das Reiterhaus und das Bad als Anziehungspunkte sieht der AfD-Bewerbern als sehr positive Aspekte in diesem Bereich und lobt die Arbeit der Vereine. Er wünscht sich allerdings, dass junge Leute in Neusalza-Spremberg einen Karnevalsklub gründen und die traditionellen Faschingsveranstaltungen in der Turnhalle wieder aufleben lassen. 

Auch die Freie Wählergemeinschaft sieht die kulturelle Entwicklung positiv, auch dank der Arbeit der Vereine. Sie will sich dafür einsetzen, dass weiterhin Rad- und Wanderwege instand gesetzt und erschlossen werden. Ins Freibad sollte weiter investiert werden, um es als Anziehungspunkt in der Region zu erhalten.

Die CDU möchte vorhandene Potenziale nutzen, weitere Vernetzungen mit den umliegenden Gemeinden vorantreiben. Dazu gehört der Ausbau der Wegeverbindung zur Nachbargemeinde Beiersdorf und anderen Tourismuszentren bis hin nach Tschechien und Polen. Derzeit werde an vielen Stellen schon intensiv an der touristischen Infrastruktur gearbeitet. Eine bunte Vielfalt kultureller Aktivitäten trage außerdem dazu bei, dass man sich in der Stadt zu Hause fühlt. Als Beispiel nennt die CDU die Musikreihe „Musik an unerhörten Orten“, die „Stunde der Musik“ und die Festveranstaltungen zu den Jubiläen. Nötig sei aber auch ein aktives und  vielfältiges Vereinsleben. Das binde insbesondere Kinder und junge Menschen an den Ort und schaffe eine insgesamt eine  positive Ausstrahlung des Ortes. 

Wie ist die Situation in Sachen medizinische Versorgung, wie wollen Sie langfristig für Sicherheit auf diesem Gebiet sorgen?

Die Stärkung medizinischer Versorgungsstrukturen einschließlich der Seniorenbetreuung und –pflege sieht die CDU als wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre. Dazu gehöre die Schaffung von barrierefreien Lebensräumen sowie das Mehrgenerationenwohnen als eine Möglichkeit der Wohnform. Dabei gehe es vor allem um den Erhalt medizinischer Versorgungseinrichtungen, medizinischen Dienstleistern müssen attraktive Ansiedlungsoptionen angeboten werden. "Die demografischen Veränderungen sehen wir als Chance zur Entwicklung. Wir werden älter – aber nicht schlechter", formuliert die CDU.

Nachwuchsprobleme bei den Medizinern sehen  auch die Bewerber von den Kultur- und Heimatfreunden, der AfD und der Freien Wählergemeinschaft. Anreize müssten geschaffen werden, dass sich Mediziner auf dem Land niederlassen. Die Kultur- und Heimatfreunde sagen, Neusalza-Spremberg könne punkten mit einer malerischen Stadt mit viel Lebensqualität sowie guter Unterstützung bei der Vermittlung von Wohnung und Praxisräumen. Die Kultur- und Heimatfreunde haben außerdem einen Vorschlag: Die herkömmliche Hausarztpraxis könnte zukünftig als Gemeinschaftspraxis mit mehreren Ärzten gemeinsam praktizieren. Das sei auch für die Mediziner familienfreundlicher. Klar ist: Das wird eine Herausforderung. Dafür braucht es viel persönlichen Einsatz durch den Stadtrat und die Verwaltung und ein gutes Netzwerk. "Vielleicht erlebt ja die gute alte Poliklinik ein Revival", so die Kultur- und Heimatfreunde. Der Austausch zwischen Stadt und Ärzten sei erforderlich, um rechtzeitig einer medizinischen Unterversorgung vorzubeugen, so der AfD-Bewerber.

Die Freien Wähler beobachten darüber hinaus, dass die ortsansässigen Ärzte ihre Kapazitätsgrenze bei der Aufnahme von Patienten erreichen. Auch sie sehen eine kommunale Unterstützung als dringend notwendig an, um jüngeren Ärzte eine Perspektive zu geben.

Was den Kandidaten noch wichtig ist: 

CDU: Ein gutes Miteinander mit der Verwaltung und auch den unmittelbaren Umlandgemeinden ist den Kandidaten wichtig. Weitere Schwerpunkte sind Wirtschaft und Bildung in der Region. Auch hier gelte kein „Kirchturm-Denken“, sondern eine vernetzte und weitsichtig angelegte Kommunalpolitik. Die Bildung der Kinder und Jugendlichen sei die Grundlage für Arbeit und Lebenssicherheit auch zukünftiger Generationen. Sie müssen deshalb unterstützt und gefördert werden. Die tolle Betreuungslandschaft in der Stadt von Kindereinrichtungen und Schulen müsse auch weiterhin der Maßstab sein. Handwerk, Dienstleistung und Handel als wichtige Basis sollen weiter entwickelt und die vorhandene Wirtschaft am Standort gestärkt werden. Die Unternehmen vor Ort erhalten bei geplanten Veränderungen in der Stadt eine zukunftsorientierte Perspektive, um ihre Standortsicherheit zu stärken.

Freie Wählergemeinschaft: Die Freie Wählergemeinschaft möchte sich für eine Stärkung der Verwaltung und des Bauhofes einsetzen. Um alle Aufgaben in unserer Kommune bewältigen zu können, müssen genügend Stellen in den beiden Bereichen geschaffen und erhalten werden. Sie  möchten durch lukrative Angebote für Gewerbetreibende neue Arbeitsplätze schaffen, zum Beispiel durch eine gute Infrastruktur. Andere Möglichkeiten der Unterstützung seien zu  prüfen.

AfD: Die Partei setzt sich für die gerechte Verteilung der Fördermittel ein. Davon müssten alle profitieren, nicht nur der Stadtkern von Neusalza. Schandflecke sollen beseitigt werden, zum Beispiel das ehemalige Bräustübel, zuletzt "Trollstube",  an der B96. Der bauliche Zustand sei ein Sicherheitsrisiko. Die innere Sicherheit ist ein weiterer Schwerpunkt. Ein Bürgerpolizist müsse ständig vor Ort sein als Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Einwohner. Ein Bürgerpolizist für mehrere Orte ist zu wenig. Zur Sicherheit zählt auch die Straßssenbeleuchtung. Sie soll länger brennen, zumindest von Freitag bis Sonntag.

Kultur- und Heimatfreunde: Die Kandidaten wollen die Gemeinschaft stärken. Alt und Jung können voneinander lernen. Trotz breiter Vereinskulisse kommen verschiedene Generationen im Alltag kaum zusammen. Der Verein möchte Impulse geben und sich beteiligen, um den Zusammenhalt zu verbessern, besonders unter mehr Einbindung des Ortsteiles Friedersdorf. Aktive Zukunftsgestaltung ist ein weiterer Schwerpunkt. Neusalza-Spremberg mit Friedersdorf brauchen neue Möglichkeiten für offenen Dialog - außerhalb von förmlichen Sitzungen. Der Verein will Interesse am Mittun in allen Altersschichten wecken, die Einwohner und ansässige Betriebe aktiv einbeziehen, zum Beispiel bei Ideenwettbewerben. Möglich wären themenorientierte Konferenzen, Diskussionen oder Aufräumaktionen für ein schönes Stadtbild. 

Das sind die Kandidaten für Neusalza-Spremberg:

Die Bewerber der Freien Wählergemeinschaft: Mirko Oschütz, Anke Broda, Angela Looke, Torsten Zawal, Veit-Elger Kretschmer, Endre Schuster, Mario Lippert. 
Die Bewerber der Freien Wählergemeinschaft: Mirko Oschütz, Anke Broda, Angela Looke, Torsten Zawal, Veit-Elger Kretschmer, Endre Schuster, Mario Lippert.  © privat
Reiner Leupolt kandidiert für die AfD. 
Reiner Leupolt kandidiert für die AfD.  ©  privat
Sie kandidieren für die Kultur- und Heimatfreunde: Dr. Roland Schedler, Tina Nitsche, Jens Gülde.
Sie kandidieren für die Kultur- und Heimatfreunde: Dr. Roland Schedler, Tina Nitsche, Jens Gülde. © privat
Die CDU- Kandidaten sind: Harald Weber, Sebastian Lehmann, Henrik Schulze, Udo Mitschke, Grit Adler, René Güttler, Cindy Wendler, Jürgen Ganske, Tobias Wagner, Hagen Wünsche, Hendrik Schütze, Matthias May, Michael Munser, Thomas Miethe, Michael Förster.
Die CDU- Kandidaten sind: Harald Weber, Sebastian Lehmann, Henrik Schulze, Udo Mitschke, Grit Adler, René Güttler, Cindy Wendler, Jürgen Ganske, Tobias Wagner, Hagen Wünsche, Hendrik Schütze, Matthias May, Michael Munser, Thomas Miethe, Michael Förster. © Symbolfoto/dpa

Mehr Lokales:

Löbau

Mehr zum Thema Löbau