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Großenhain

Das Zauberwort heißt Hygienekonzept

Und zaubern würde Großenhain an der einen oder anderen Stelle jetzt gern können: Denn die Rückkehr zur Normalität ist praktisch nicht so leicht umzusetzen.

Mundschutzmaske, den geforderten Abstand halten - für ein sogenanntes Hygienekonzept braucht es indes etwas mehr.
Mundschutzmaske, den geforderten Abstand halten - für ein sogenanntes Hygienekonzept braucht es indes etwas mehr. ©  Foto: Sven Ellger

Großenhain. Im Moment geht es jeden Tag Schlag auf Schlag. Hatte Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) vor ein paar Wochen noch schlaflose Nächte, weil er nicht so recht wusste, wie sich das Leben in der Stadt völlig herunterfahren lasse, umtreiben ihn nun Gedanken in die entgegengesetzte Richtung. Der Oberbürgermeister, welcher in den vergangenen Gesprächen mit der Sächsischen Zeitung nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er angesichts sinkender Infektionszahlen eine Rückkehr zur Normalität begrüßen würde, sieht sich nun mit so mancher Hürde in der praktischen Umsetzung konfrontiert. 

Denn spätestens seit Dienstagnachmittag ist klar, ohne ein so genanntes Hygienekonzept läuft im Freistaat zurzeit nichts. Auch wenn Sachsen für sich in Anspruch nimmt, das Bundesland mit den meisten Lockerungen zu sein, ist der Weg dahin einer, der zunächst mit allerlei Logistik, Organisation, betriebswirtschaftlichen Überlegungen und nicht zuletzt bürokratischen Genehmigungen gepflastert sein dürfte. 

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Vom Homeoffice in die Amtsstuben

Praktisch bedeute das: Am Mittwochvormittag habe man zunächst gewissermaßen bei sich selbst, sprich in der eigenen Verwaltung angefangen. All das, was seit gut zwei Wochen schon nach der Rückkehr aus dem Homeoffice in den Amtsstuben praktiziert werde, sei jetzt auch schriftlich dargelegt worden. Das regelmäßige Waschen der Hände, die Einhaltung vom definierten Mindestabstand 1,50 Meter, das Tragen eines Mundschutzes und regelmäßiges Desinfizieren von Oberflächen wären darin eingeflossen. 

Eigenes Konzept für Schloss und Kino

Was im Falle der Behörde recht schnell festgelegt worden sei, stelle sich in anderen Bereichen jedoch wesentlich komplizierter dar. So wäre es zwar durchaus erfreulich, dass laut Entscheidung der Staatsregierung Theater, Spielstätten und Kinos wieder öffnen dürften. Aber ganz so einfach sei das am Ende dann eben doch nicht. Bis zum Freitag dieser Woche werde der Geschäftsführer der Kulturzentrum Großenhain GmbH, Jörg Rietdorf, die entsprechenden Rahmenbedingungen für das Schloss und das Kino erarbeiten. 

Was dabei heraus käme, könne der OB jetzt noch nicht sagen. "Denn letztlich wird die ordnungsgemäße Umsetzung des Hygienekonzeptes dann bei solchen Einrichtungen zum Rechenexempel. Wenn ein paar Reihen im Kulturschloss oder Plätze im Kino frei bleiben müssen, stellt sich die Frage, ob dann noch schwarze Zahlen geschrieben werden können", gibt Sven Mißbach zu bedenken. Sollte dies nicht so sein, müssten die finanziellen Defizite über den städtischen Haushalt ausgeglichen werden. Allerdings wäre das wiederum eine politische Grundsatzentscheidung, die es erst zunächst mit den Stadträten zu besprechen gelte.

Kita-Öffnungen erfordern viel Geschick

Nicht unproblematisch stelle sich zudem die Rückkehr in den normalen Betrieb von Kindertagesstätten dar. Während freie Konzepte wie das der Chladeniusstraße momentan gar nicht umsetzbar wären, seien auch die anderen Häuser sehr gefordert. Ebenso wie in den Grundschulen, sollten die Mädchen und Jungen nur in einmal festgelegten Gruppenverbänden von den selben Erzieherinnen betreut werden. Begegnen sollten sich diese Gemeinschaften in der Einrichtung nicht, und auch das Spielen in den Außenanlagen dürfe keineswegs zusammen stattfinden. "Da ist viel Geschick gefragt, denke ich daran, wie groß unsere Kindereinrichtungen sind und wie vergleichsweise wenig Räume sie zur Verfügung haben, um auszuweichen", erklärt Sven Mißbach. 

Naturerlebnisbad ohne Rutsche und Sprungfelsen

Befürchtungen, die nicht weniger werden im Hinblick auf das Naturerlebnisbad. Hatte Großenhains Verwaltungschef bereits angekündigt, dass das beliebte Freizeitdomizil nicht wie gewohnt am 15. Mai, sondern erst am 1. Juni öffnen werde, geht er jetzt noch einen Schritt weiter. Angesichts der eindeutigen Vorgaben könne davon ausgegangen werden, dass weder Rutsche noch Sprungfelsen genutzt werden dürfen. Auch würde im betreffenden Hygienekonzept sicherlich von einer begrenzten Besucheranzahl ausgegangen werden. "Mehr als 500 Gäste können sich angesichts der Fläche, in der es ja Abstand zu halten gilt, nicht im Areal aufhalten! Aber das werden wir alles noch in Ruhe definieren und gemeinsam mit den Verantwortlichen besprechen", verrät Sven Mißbach.

Festlegungen in verschiedenen Sparten des täglichen Lebens, die schließlich in eben jenen Konzepten zur Einhaltung von Hygiene und Gesundheit münden würden. Einmal erarbeitet, müssten sie beim zuständigen Gesundheitsamt in Meißen zur Genehmigung eingereicht werden. Und erst, wenn dessen Zustimmung vorlege, könne er starten. Der gelockerte Alltag in der Röderstadt.         

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