merken
PLUS

Das zweite Leben der Taufschale

Die Schale aus der einstigen Lutherkirche spielt die Hauptrolle im Kindermusical. Offen ist nur noch, wo es aufgeführt wird.

© Norbert Millauer

Von Heike Sabel

Ein kleines Mädchen verblüfft seine Hortnerin: Das Mädchen formt vor seinem Körper die Arme zu einem Kreis und fragt die Frau, was sie zuletzt Schönes erlebt habe. Das solle sie aufschreiben und in die Erlebnisschale legen, die das Mädchen in seinen Armen hält. Auf so etwas sind Erwachsene nicht vorbereitet. Da beginnt das Mädchen zu singen. Ein Lied aus dem Kindermusical „Mondschmunzel und Wolkenschirm“. Damit ist es um Anja Zimmermann geschehen. Die Leiterin des Mügelner Hortes will das Musical unbedingt aufführen. Und das soll nun geschehen.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Generalprobe: Pfarrerin Erdmute Gustke (l.) und Familienamtsleiterin Sylvia Röder tragen die Taufschale schon mal symbolisch aus der Lutherkirche heraus. Das gute Stück wird im Kindermusical zur Erlebnisschale. Fotos: Norbert Millauer
Generalprobe: Pfarrerin Erdmute Gustke (l.) und Familienamtsleiterin Sylvia Röder tragen die Taufschale schon mal symbolisch aus der Lutherkirche heraus. Das gute Stück wird im Kindermusical zur Erlebnisschale. Fotos: Norbert Millauer © Norbert Millauer

In den Osterferien studieren 30 Mädchen und Jungen das Stück ein. Als Pfarrerin Erdmute Gustke und Familienamtsleiterin Sylvia Röder darüber sprachen, sprühten die Ideen nur so. Wie selbstverständlich stand plötzlich die Christuskirche auf der Rathausstraße als Aufführungsort fest. Genau das will die Kirchgemeinde: Die Kirche öffnen für Veranstaltungen, für Kultur, für soziale Zwecke. Das Musical verbindet alles. Erdmute Gustke sah sofort den Bezug zur Jahreslosung 2014: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“

Anja Zimmermann ist sofort dafür. Es passt perfekt, sagte sie. Mehrere Räume zum Proben, der große Garten. Das Besondere: Die Taufschale aus der im Januar entwidmeten Lutherkirche soll zur Erlebnisschale werden. „Die kann man herrlich dekorieren“, sagt Sylvia Röder. Erdmute Gustke stimmt zu. Die Schale soll bereits vor Beginn der Aufführung am 27. April eine Rolle spielen. Am Eingang werden die Gäste aufgefordert, ihre glücklichen Erlebnisse aufzuschreiben und in die Schale zu legen. Im Stück werden sie auf der Bühne vorgelesen. Die beiden Frauen haben alles schon vor Augen. Doch dann die Ernüchterung.

Aufführung in jedem Fall gesichert

Um die Christuskirche als Aufführungsort herzurichten und den täglichen Transport der Kinder von der Gleißberg-Schule in die Kirche und zurück zu bezahlen, werden 3 000 Euro benötigt. Ein Musical braucht eben Technik und eine Bühne. Die Räume in der Kirche stellt die Gemeinde kostenlos zur Verfügung. Senioren knüpfen schon die Perücken für Mondschmunzel, Wolkenschirm und die anderen Darsteller. Das Musical wird also auf jeden Fall aufgeführt.

Alternativer Ort zur Christuskirche wäre die Aula im Pestalozzi-Gymnasium. Dort sind Technik und Bühne vorhanden, haben die Schüler nur ein paar Minuten Fußweg. Was auch andere Veranstalter bei Aufführungen in der Aula bemängeln, sind die vielen Treppen für ältere und behinderte Zuschauer. Sylvia Röder ist sehr traurig, wenn sie sich wirklich von der Idee der Aufführung in der Christuskirche verabschieden muss. Auch Erdmute Gustke täte es leid, zumal auch Kirchenvorstand und Ortsausschuss begeistert sind. Doch wenn es diesmal nichts wird, dann vielleicht das nächste Mal, sagt sie. Auf jeden Fall habe man schon mal gemeinsam geträumt.

Wenn auch derzeit noch einiges gegen die Aufführung in der Kirche spreche, bleibe mit der Taufschale ein Bezug, sagt Erdmute Gustke: „An diesem Taufstein haben Menschen die Taufe, ein Symbol der Liebe Gottes, empfangen. Das gibt ihnen die Kraft, Liebe weiterzugeben.“ Die Taufschale, die im Musical zur Erlebnisschale wird, mache deutlich: Erfahrungen von Glück helfen dabei, Liebe zu schenken.

Deshalb soll die Taufschale nach dem Musical weiter in der Christuskirche bleiben. Im Zusammenhang mit deren Öffnung für die Stadt entstand der Gedanke, einen Raum der Stille zu schaffen. Er soll für alle Heidenauer zugänglich sein und die Möglichkeit der stillen Einkehr bieten, sagt Erdmute Gustke. „Es ist noch völlig offen, ob dafür Geld zur Verfügung stehen wird, doch die Taufschale aus der ehemaligen Lutherkirche könnte als Symbol für Nehmen und Geben in den Raum integriert werden.“ Damit lebt die Schale weiter. Sylvia Röder weiß auch schon, welchen Glücksmoment sie in die Schale legen möchte: die Freude darüber, dass die Aufführung in der Christuskirche gemeinsam finanziert wurde. Dann würde sich Sylvia Röder wie das kleine Mädchen fühlen.

Sechs Kinder können noch mitspielen, geprobt wird in den Osterferien vom 22. bis 26. April täglich, Aufführung: 27. April, 16 Uhr, Kontakt: 03529 5290258