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Datenautobahn mit Tempolimit

Heute wird die letzte Gemeinde im Landkreis ans schnelle Internet angeschlossen. Dennoch gibt es Kritik.

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Von Christoph Scharf

Der Ministerpräsident kommt, der Landrat kommt, die Telekom kommt: Symbolisch wird heute in Demitz-Thumitz die letzte Gemeinde des Landkreises ans schnelle Internet angeschlossen. Damit zählt der Kreis Bautzen zu den Vorreitern im ländlichen Raum. Alle sind mit dem Ausbau allerdings nicht zufrieden.

Worum geht es beim Thema Breitband-Internet überhaupt?

Wozu brauche ich überhaupt Internet? Diesen Satz hört man heute immer seltener. Noch vor 15 Jahren galt ein eigener Internet-Anschluss als etwas für technisch interessierte Minderheiten. Heute gehört er für die meisten zum Alltag dazu. Viele Gewerbetreibende etwa sind ohne Internet aufgeschmissen – weil Lieferanten gar nicht mehr anders zu erreichen sind oder Kunden Firmen ohne Internet-Angebot gar nicht mehr ernst nehmen.

Ebenso fragen potenzielle Häuslebauer nicht nur nach der nächsten Kita oder der nächsten Schule, sondern genauso nach der verfügbaren Internet-Anbindung. Schon aus dem Grund, weil der Sohn oder die Tochter das Netz immer öfter für die Hausaufgaben braucht. Eine langsame Verbindung per Modem reicht heute längst nicht mehr aus. Da kann schon das Herunterladen eines einzelnen Katalogs ein ganzes Wochenende dauern. Nötig ist deshalb schnelleres Internet – und das war bislang in ländlichen Regionen kaum zu kriegen.

Ab wann kann man von „schnellem Internet“ sprechen?

Der mit Fördermitteln finanzierte Ausbau soll sämtliche Haushalte ans sogenannte Breitband-Internet bringen. Nach der Definition des Landkreises spricht man davon, wenn an der Leitung zwei Megabit pro Sekunde anliegen. Früher galt dieser Wert tatsächlich als schnell. Heute bekommt man mit dieser Geschwindigkeit allerdings schon Probleme, wenn man nur ein kurzes Video auf der Plattform Youtube anschauen will. Die meisten Gemeinden werden allerdings mit deutlich schnellerem Internet versorgt – bis zu 50 Megabit sind drin. Dann lässt sich auch problemlos Fernsehen übers Internet schauen.

Wer profitiert vom Ausbau des schnellen Internets?

Insgesamt hat der Ausbau der vergangenen zwei Jahre zwischen Ottendorf-Okrilla und Weißenberg, Elsterheide und Sohland 336 Ortsteile in 62 Gemeinden neu ans Breitband-Internet gebracht. Davon profitieren laut Landkreis mehr als 62 000 Haushalte – also mehr als jeder dritte der insgesamt 157 000 Haushalte im Kreis. Damit gilt offiziell das gesamte Gebiet als versorgt. Der Ausbau der Infrastruktur war ziemlich aufwendig: Insgesamt schlägt er mit mehr als 14 Millionen Euro zu Buche. Wäre nicht der größte Teil davon aus Fördermitteln gekommen, hätte sich der Kreis Bautzen das nicht leisten können. So musste er lediglich 1,6 Millionen Euro aus der eigenen Kasse beisteuern.

Wie kommen die Dörfer technisch überhaupt ans Netz?

Auf welche Art und Weise das Internet zu den Haushalten kommt, konnten die ausführenden Firmen selbst entscheiden. In 335 der 336 Ortsteile war die Telekom bei der Ausschreibung erfolgreich, lediglich in Zeißig, einem Ortsteil von Hoyerswerda, erhielt die ortsansässige Firma Doergi-Net den Zuschlag. Die meisten Orte im Landkreis wurden per Festnetz angeschlossen, indem neue Leitungen im Boden verlegt wurden. Ein Viertel der Haushalte wurde allerdings mit der auf Mobilfunk basierenden Technologie LTE versorgt. In einigen wenigen Orten gibt es auch eine Mischung aus Festnetz- und Funktechnik.

Warum gibt es Kritik, obwohl der Ausbau abgeschlossen ist?

In zwei Gemeinden äußern Bürger an der Art und Weise des Breitband-Ausbaus massiv Kritik: In Cunewalde bei Bautzen und Lichtenberg bei Pulsnitz. In beiden Fällen entzündet sich der Ärger am Anschluss über die Variante LTE. „Damit kann man nicht zufrieden sein“, sagt Steffen Deubner aus Cunewalde. Denn das schnelle Internet stehe nur für eine begrenzte Datenmenge pro Monat zur Verfügung. „Wenn ich zehn Gigabyte runtergeladen habe, wird meine Geschwindigkeit extrem gedrosselt“, sagt der Gewerbetreibende. Für seine Webdesign-Firma brauche er aber locker die drei- bis vierfache Menge pro Monat.

Mit der langsamen Geschwindigkeit von nur noch 384 Kilobit pro Sekunde könne er rein gar nichts mehr anfangen. „Die Politik will das Problem gar nicht sehen. Dabei ziehen Gewerbetreibende deshalb schon aus Cunewalde weg. Und Jugendliche kann man mit derart miesem Internet auch nicht im Dorf halten.“

Die Schwierigkeit: In Cunewalde wäre ein Ausbau mit kabelgebundenem Internet aus technischen Gründen sehr teuer geworden – deshalb entschied sich die Telekom für LTE. Ähnlich verhält es sich in Lichtenberg, wo gerade mal die geforderte Mindestgeschwindigkeit von zwei Megabit verfügbar ist. „Das brauchen wir uns nicht bieten zu lassen, zumal im Nachbarort Mittelbach bis 50 Megabit anliegen“, schimpft Einwohner Matthias Guhr. „Für uns gibt es heute keinen Grund zum Feiern.“

Informationen über den Ausbaustand jedes einzelnen Ortsteils hat der Landkreis ins Internet gestellt:

www.breitband-bautzen.de

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